Pflege in Zittau: Wenn eine Stadt gemeinsam älter wird

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Zittau, 23. Juli 2026. Zittau steht vor einer Aufgabe, die viele deutsche Städte kennen: Die Bevölkerung wird älter, gleichzeitig fehlen ausgebildete Pflegekräfte. Das betrifft vor allem Familien. Denn die meisten älteren Menschen möchten möglichst lange dort leben, wo sie sich zu Hause fühlen.

Bild von Sabine van Erp auf Pixabay

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Viele ältere Menschen prägen die Stadt

Ende 2025 lebten in Zittau einschließlich der Ortsteile 25.280 Menschen. Davon wohnten 19.994 in der Kernstadt. Die jüngste verfügbare Altersaufteilung des Statistischen Landesamtes stammt aus dem Jahr 2024. Damals waren 7.905 Einwohnerinnen und Einwohner 65 Jahre oder älter. Das waren rund 31 Prozent – also beinahe jeder dritte Mensch in der Stadt.


Damit wird auch die Frage wichtiger, wer hilft, wenn der Alltag allein nicht mehr zu bewältigen ist.


Pflegeheime, ambulante Dienste und Tagespflege


Die 2023 veröffentlichte Übersicht des Landkreises führt für das Stadtgebiet von Zittau einschließlich seiner Ortsteile zwölf ambulante Pflegedienste auf. Hinzu kommen acht stationäre Einrichtungen, vier Angebote der Tagespflege und eine Möglichkeit der Kurzzeitpflege.


Diese Zahlen zeigen jedoch nur, welche Angebote grundsätzlich vorhanden sind. Sie sagen nichts darüber aus, welcher Pflegedienst derzeit neue Menschen aufnehmen kann oder wo kurzfristig ein Platz frei ist.


Auch ein dichtes Netz auf dem Papier beantwortet nicht die Fragen, die für Betroffene und Angehörige im Alltag entscheidend sind: Wie lange muss ein Pflegedienst fahren? Wie schnell ist Hilfe verfügbar? Und wie viel Zeit bleibt einer Pflegekraft tatsächlich für einen Menschen?


Pflege hängt nicht allein von Einrichtungen und Angeboten ab. Entscheidend sind die Menschen, die zuhören, unterstützen und auch dann bleiben, wenn eine Situation schwierig wird.


Die meisten Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt


Die Lage in Zittau ist Teil einer bundesweiten Entwicklung. Ende 2023 waren in Deutschland knapp 5,7 Millionen Menschen pflegebedürftig. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden 86 Prozent von ihnen zu Hause versorgt. Das entsprach rund 4,9 Millionen Menschen.


Etwa 3,1 Millionen erhielten ausschließlich Pflegegeld und wurden überwiegend von Angehörigen gepflegt.


Das zeigt, wie viel Familien jeden Tag leisten. Häufig übernehmen Angehörige die Pflege zusätzlich zu Beruf, Kindern und Haushalt. Viele machen lange weiter, obwohl ihre eigenen Kräfte bereits nachlassen.


Je nach Berechnungsmodell könnte die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2055 auf 6,8 bis 7,6 Millionen steigen. Gleichzeitig stellte die Bundesagentur für Arbeit in ihrem Bericht vom Mai 2026 weiterhin einen erheblichen Fachkräftemangel in den Pflegeberufen fest. Eine schnelle Entspannung ist nicht zu erwarten.


Was sich aus anderen Pflegekonzepten lernen lässt


Auch in anderen Städten und Regionen wird nach persönlicheren Formen der Pflege gesucht. Eine Pflegeeinrichtung bei Norderstedt betreut Menschen mit Demenz beispielsweise in kleinen Wohngemeinschaften. Die Bewohnerinnen und Bewohner haben eigene Zimmer, verbringen ihren Alltag aber gemeinsam und werden von vertrauten Bezugspersonen begleitet.


Ein überschaubares Umfeld kann Sicherheit und Orientierung schaffen. Gleichzeitig bleibt mehr Raum für persönliche Gewohnheiten und individuelle Bedürfnisse.


Dieser Ansatz entspricht einem wichtigen Wunsch vieler Familien: Auch in einer Pflegeeinrichtung soll ein Mensch nicht in der Anonymität verschwinden.


Pflege zu Hause braucht Unterstützung


Dass 86 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause versorgt werden, bedeutet auch, dass Familien verlässliche Unterstützung brauchen. Ambulante Dienste, Tagespflege und Kurzzeitpflege sollten so zusammenspielen, dass Angehörige entlastet werden und regelmäßig Pausen bekommen.


Auch Beratung sollte nicht erst dann einsetzen, wenn eine Familie bereits überfordert ist.


Für Zittau kommt es deshalb nicht allein darauf an, wie viele Plätze in Pflegeheimen vorhanden sind. Wichtig ist, dass Menschen möglichst schnell die Hilfe erhalten, die sie tatsächlich brauchen. Manchmal reicht Unterstützung beim Waschen, Anziehen oder Einkaufen. Manchmal hilft eine Betreuung während des Tages. Und manchmal ist der Umzug in eine Pflegeeinrichtung der richtige Schritt.


Gute Pflege nimmt nicht nur den Pflegegrad in den Blick, sondern den ganzen Menschen. Sie soll Selbstständigkeit erhalten, Würde schützen und Angehörige entlasten.


Wie gut eine Stadt für ihre älteren Einwohner sorgt, zeigt sich deshalb nicht nur an der Zahl ihrer Einrichtungen. Es zeigt sich vor allem daran, ob Hilfe erreichbar ist, wenn sie gebraucht wird.

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  • Erstellt am 20.07.2026 - 09:18Uhr | Zuletzt geändert am 23.07.2026 - 17:30Uhr
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