Flüssig sein fürs Bier

Flüssig sein fürs BierZittau, 2. November 2022. Von Thomas Beier. "Steck’ mal bissel Geld ein, komm, wir gehen in die Kneipe Bier trinken, lädst mich mal ein!", pflegte ein alter Freund zu sagen, wenn er gerade nicht flüssig war, es ihn aber ganz furchtbar nach der Hopfenflüssigkeit drängte.

Abb.: Nach dem ersten Schluck ist die Welt auf ganz besondere Weise in Ordnung

Symbolfoto: Mabel Amber, Pixabay License (Bild bearbeitet)

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Zahlungsfähig zu bleiben ist das Wichtigste, privat wie in der Wirtschaft

Thema: Ratgeber

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Stillschweigend setzte der Durstige also zwei Dinge voraus: Erstens, dass ich flüssig genug sei, mit dem "bissel Geld" zum Schluss auch für seine Zeche geradezustehen, und zweitens, dass mir ein gemeinsamer Kneipenabend mit ihm das wert sei. Doch was tut man nicht alles für einen Freund, der dringend sein Lebenselixier benötigt?

In der Wirtschaft allerdings – also außerhalb der Kneipenwirtschaft – sind Freunde, zu denen man sagen kann "Übernimm du mal die Rechnung!" jedoch äußerst rar. Deshalb sind Unternehmen gut beraten, wenn sie peinlichst genau darauf achten, jederzeit flüssig, also zahlungsfähig, zu sein. Ohne Gewinn kann man eine ganze Weile wirtschaften, wenn man aber nicht mehr zahlen kann, dann ist man raus aus dem Gefüge der Wirtschaft.

Investorenfinanzierten Startups im Rausch des Unternehmertums muss man allerdings gelegentlich sehr deutlich sagen, dass letztlich auf Pump basierende Liquidität eben noch lange kein Gewinn ist und dieser keinesfalls aus Selbstdarstellung und Zuversicht entsteht.

Ein Liquiditätsplan hilft, den Überblick zu behalten

Um die Zahlungsfähigkeit – die Liquidität – eines Unternehmens zu sichern, sollte diese stets geplant werden. Ein "Management by Kontostand" in Verbindung mit dem Bauchgefühl reicht keinesfalls aus! So ein Liquiditätsplan umfasst die Termine der kommenden Zahlungsverpflichtungen – wann welcher Geldbetrag zu zahlen ist – und zu erwartende Zahlungseingänge.

Je schlechter es um die Liquidität bestellt ist, umso detaillierter muss sie geplant werden, etwa taggenau und manchmal sogar auf die Stunde. Unter dem Strich ergibt sich jeweils eine Liquiditätsüberdeckung oder -unterdeckung. Liquiditätsunterdeckung bedeutet aber, nicht mehr zahlungsfähig zu sein. Zwar kann man die fehlende Liquidität als Geldbetrag ausweisen, beim sprichwörtlichen Blick in die Kasse zeigt sich aber: Leerer als leer geht nicht.

Sieben Methoden der Liquiditätssicherung

Deuten sich bereits Zahlungsengpässe an, ist es höchte Zeit zu handeln. Was etwa kann man tun, um seine Zahlungsfähigkeit zu sichern?


    • Zahlungsziele verkürzen
      Mit Kunden verhandeln, damit diese eher als ursprünglich vorgesehen zahlen. Dazu muss man eventuell Zugeständnisse machen, etwa Skonto einführen oder einen Rabatt gewähren. Erstes Ziel in der Liquiditätskrise ist es, frisches Geld in die Kasse zu spülen.

    • Zahlungsverpflichtungen strecken
      Mit Lieferanten und Dienstleistern über längere Zahlungsziele sprechen. Im Krisenfall kann man auch Preisabschläge verhandeln: Gläubiger sind oftmals froh, wenigstens einen Teilbetrag zu erhalten, anstatt im Falle einer Insolvenz womöglich gänzlich leer auszugehen.

    • Forderungen verkaufen
      Ausstehende Forderungen an eine Factoringgesellschaft verkaufen, diese zahlt dann anstelle des Kunden meist binnen zwei Tagen. Eventuell Factoring zwecks Liquiditätssicherung generell einführen.
      Vorteil: Beim echten Factoring wird das gesamte Forderungsmanagement gegebenenfalls bis hin zum Mahnbescheid oder zur Zahlungsklage eingespart.

    • Betriebsmittel verkaufen
      Nicht benötigte Gebäude, Maschinen, Werkzeuge und Geräte verkaufen und den Betrieb verkleinern.
      Vorteil: Die Betriebsverkleinerung kann Kosten senken.

    • Verkaufen und zurückleasen
      Wie das Sale and Lease Back funktioniert: Es werden Sachwerte wie Gebäude, Maschinen oder Fahrzeuge an eine Leasinggesellschaft verkauft und von dieser sofort zurückgemietet. Der Eingang des Verkaufserlöses erhöht die Liquidität sofort, während die Miete in Form der Leasingraten erst nach und nach fällig wird.
      Vorteil: Beim Sale & Lease Back werden technologische Abläufe nicht gestört.

    • Wareneinkaufsfinanzierung nutzen
      Hier übernimmt ein sogenannter Finetrader die Bezahlung der Lieferantenrechnungen, gewährt aber selbst ein deutlich längeres Zahlungsziel.
      Vorteil: Bestenfalls hat man selbst bereits den Zahlungseingang für gelieferte Waren oder verbautes Material, bevor der Finetrader bezahlt werden muss.

    • Lagerbestände verkaufen
      Nicht akut benötigte Material- und Warenbestände verkaufen.
      Vorteil: Flächen können gegebenenfalls vermietet werden.


Merke: Liquiditätssichernde Maßnahmen verringern in aller Regel die Rentabilität. Es ist jedoch besser, in einer Krisenphase weniger rentabel zu sein oder sogar Verlust zu machen, als nicht mehr zahlungsfähig – insolvent – zu sein und überhaupt keinen Gewinn mehr machen zu können.

Resümee

So gesehen ist es reichlich naiv, Unternehmen immer nur Profitmaximierung zu unterstellen, allerdings ist es die andere Seite der Medaille, dass hohe Gewinne grundsätzlich auch die Liquidität verbessern. Das ist wie im Privatbereich: Wer gut verdient, ist sogar am Monatsende noch flüssig und kann seinen Freund – der zwar kein Geld mehr, aber noch Monat hat – getrost mal in die Kneipe einladen.

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  • Quelle: Thomas Beier | Foto: MabelAmber / Mabel Amber, Pixabay License
  • Erstellt am 02.11.2022 - 21:22Uhr | Zuletzt geändert am 08.11.2022 - 11:44Uhr
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