Ein erfolgreiches Unternehmen gründen

Ein erfolgreiches Unternehmen gründenZittau, 30. November 2021. Die Attraktivität eines eigenen Unternehmens reizt noch immer viele, da die eigenen Stärken und Interessen ausgelebt und eingesetzt werden können. Und das ganz ohne Vorgesetzte, die nach Auffassung vieler Gründungwilliger immer wieder deren Kreativität ausbremsen und innovativen Ideen im Wege stehen. Die Gründungszahlen echter Startups haben in den letzten Jahren auch deshalb signifikant zugenommen, weil die eigene Selbstverwirklichung in den Vordergrund rückt.

Abb.: Hier im historischen Handwerkerhaus auf der Milchstraße 16 in Zittau hat der damalige FIO e.V. über viele Jahre hinweg Informations- und Schulungsveranstaltungen für Existenzgründer unterstützt

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Ein Gewerbe ist schnell angemeldet, doch wichtig ist die Vorbereitung

Ein Gewerbe ist schnell angemeldet, doch wichtig ist die Vorbereitung

Im Seminarraum auf der Milchstraße 16

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Thema: Ratgeber

Ratgeber

Guter Rat muss nicht teuer sein, kann aber teure Erfahrungen ersparen. Empfehlungen aus Wirtschaft, Finanzen, Heimwerken, Haushalt, Gesundheit und Ernährung, Erziehung und zum Verhalten.

"Während es beim Gründungsgeschehen in Sachsen in den vergangenen Jahrzehnten oft um die Einkommenssicherung ging, sind es nun die Möglichkeiten des Internets, die vorwiegend die digitale Generation anspornen, ihr eigener Chef zu werden", weiß der erfahrene Unternehmensberater Thomas Beier, fügt aber hinzu: "Doch die Umsetzung eines Gründungsvorhabens ist auch für Digitalunternehmer nicht so simpel, wie es sich einige vorstellen."

Was vorab erledigt werden sollte

"Wer eine Unternehmensgründung anstrebt, gerät oftmals sofort in ein Dilemma", so Beiers Erfahrung. Einesteils dränge die Zeit, um mögliche Marktchancen nutzen zu können, ehe andere es tun, andererseits brauche eine Gründung Vorbereitungszeit – Zeit, in der Gedanken reifen und wichtige Kontakte hergestellt werden. Anstelle detaillierter Konzepte, die schnell veralten, empfiehlt Beier Plausibilitätsbetrachtungen und die Entwicklung von Ausweichstrategien, wenn ein Konzept nicht wie erwartet aufgehen sollte.

Erst, wenn alles vorbereitet ist, sollte ein Gewerbe angemeldet werden, insofern die Selbständigkeit nicht in einem Freien Beruf gestartet werden soll. Die Gewerbeanmeldung erfolgt beim örtlichen Gewerbeamt, der Beginn des Freien Berufs ist dem Finanzamt anzuzeigen. Im Detail gibt es weitere Anzeigepflichten vom Rundfunk-Gebührenservice bis zur Gesetzlichen Unfallversicherung für Mitarbeiter, weitere Stellen sollte man durchaus vorsorglich informieren.

Rechtsform und Umsatzsteuer

Die Rechtsform des Unternehmens sollte wohlüberlegt werden. "Manche scheuen die unbegrenzte persönliche Haftung des Einzelunternehmers", erläutert Beier, "und vergessen darüber, dass diese Rechtsform bei Geschäftpartnern beliebter ist als etwa die haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft." Außerdem bringen die sogenannten "juristischen Personen" unter den Rechtsformen für Unternehmen auch Nachteile wie etwa weit höheren Verwaltungsaufwand und in aller Regel die Soll-Versteuerung, bei der im Gegenteil zur Ist-Versteuerung Steuern zu zahlen sind nicht auf das Geld, das man hat, sondern auf jenes, das man haben sollte – also auch dann, wenn ein Kunde nicht zahlt.

Eine weitere Überlegung ist die Umsatzsteuerbefreiung im Zuge der Kleinunternehmerregelung, allerdings kann man sich dann für die unter Umständen hohen Gründungskosten die enthaltene Umsatzsteuer nicht als Vorsteuer erstatten lassen. Wer sich nicht auskennt, für den sind Steuerberater, Rechtsanwälte und erfahrene Unternehmensberater gute Ansprechpartner. Sind die steuerlichen und rechtlichen Grundlagen geklärt, kommt es laut Beier am Anfang jedoch darauf an, möglichst schnell den kritschen Umsatz, wie er das nennt, zu erreichen, also das Geschäft tragfähig zu machen. "Ohne Berater im steuerlichen und rechtlichen Bereich sowie vor allem in der Markterschließung und der Mitarbeiterführung kommt kaum ein ernstzunehmendes Unternehmen auf Dauer aus", meint der Berater und empfiehlt, auf konstante und vertrauensvolle Beziehungen zu setzen.

Am wichtigsten: die Liquidität sichern

Wer sich betriebswirtschaftlich zu wenig auskennt, verwechselt gern die Liquidität – den Bestand an flüssigen Mitteln als Ausdruck der Zahlungsfähigkeit – mit dem Gewinn. Das nennt man dann "Management by Kontostand", worüber gern vergessen wird, dass man den erwirtschafteten Gewinn nicht vollständig behalten darf. Aus dem Gewinn sind nicht nur die Steuern zu zahlen, sondern auch Rücklagen zu bilden, etwa für Investitionen – investiert wird im Grundsatz immer aus versteuertem Geld – oder für Reparaturen. Auch andere Begehrlichkeiten müssen je nach Einzelfall in Abhängigkeit von der Höhe des Gewinns bedient werden, etwa die Kommune mit der Gewerbesteuer, die für Gewerbetreibende vorgeschriebene Mitgliedschaft in einer Kammer oder die Beiträge zur Gesetzlichen Krankenversicherung.

Angesichts der Lasten und Risiken, die man als Unternehmer tragen muss, kann schon die Idee kommen, sich die Mühen zu ersparen und sein Geld einfach woanders zu investieren. Für Unternehmer sind externe Investments schon interessant. Sie können helfen, mit schnell verkaufbaren Wertpapieren eine Reserve für die Liquiditätssicherung – ob nun für den Betrieb oder den Privatbereich – aufzubauen. Wenn diese nicht benötigt wird, wird die Reserve zum Bestandteil der Altersversorgung. Aktien haben in den vergangenen Jahren teils einen enormen Wertzuwachs erfahren, wer die Nerven dafür hat, kann mit etwas Glück über Investitionen in Kryptowährungen seinen Einsatz vervielfachen – allerdings auch verlieren.

Um Risiken auszugleichen ist es üblich, Investitionen breit zu streuen. Das kann man zum Beispiel einem Aktienfonds überlassen, wodurch allerdings Kosten etwa für die Verwaltung entstehen. Die Alternative: Man streut das Risiko selbst, indem man als Trader agiert. Aber auch hier gilt: Information kommt vor Aktion. Vergleiche gibt es im Web, einer der übersichtlichen Preisvergleiche ist der für Trading Plattformen in Österreich. Je nach Risikofreude und zur Verfügung stehender Zeit ist zwischen kurzfristigen und langfristigen Investments zu unterscheiden.

Auf die Vermarktung kommt es an

Die Unternehmenskonzepte und Business-Pläne, die Beier vorgelegt bekommt, seien oft sehr stark auf die Kosten fokussiert, der wichtigste Punkt aber, wie man Umsätze, also Einnahmen generieren will, werde eher am Rande behandelt. "Die üblichen Marketingstrategien reichen heute nicht mehr aus", meint Beier und setzt auf neuere Methoden. Vor allem sei es wichtig, eine Umsatzherleitung, sprich einen plausiblen Fahrplan für die Kundengewinnung zu haben: "Akquisition ist ein müsames Geschäft. Da muss man Gründern von Anfang an reinen Wein einschenken. Oft ist es so, dass niemand auf einen neuen Anbieter wartet, viele Geschäftsbeziehungen sind eingespielt, Neulinge stören da nur." Im Vorteil ist, wer – je nach Zielgruppe – "Türöffner" nutzen kann, um überhaupt erst einmal die Chance zu bekommen, sich zu beweisen und erste Referenzen zu gewinnen.

Auch die Namensgebung für das Unternehmen – bei juristischen Personen wie etwa einer GmbH oder einer Aktiengesellschaft spricht man von der Firma – beziehungweise die Entwicklung einer einprägsamen Marke kann bedeutsam sein. Oft ist die Marke das Erste, das ein potentieller Kunde vom Unternehmen wahrnimmt und instinktiv mit seinen Vorurteilen abgleicht. Kriterien wie Einzigartigkeit sowie fachlicher oder lokaler Bezug können dem neuen Unternehmen Türen öffnen, allerdings auch verschließen. Das gilt für die Unternehmenskommunikation generell und es will gut überlegt sein, wie viel, was und auf welchem Niveau kommuniziert werden soll.

Die Rolle der Webseite

In der heutigen digitalen Gesellschaft ist die Webseite eines Unternehmens nicht wegzudenken. Für dieses eigene Aushängeschild ist entscheidend, welche Ziele es in Abhängigkeit von der Vertriebsstrategie gibt: Interessenten sollen sich über den Anbieter vergewissern können und Hintergrundinformationen erhalten? Neue Interessenten sollen dazu gebracht werden, den Kontakt aufzunehmen? Oder soll direkt über die Webseite verkauft werden? Alles zugleich führt schnell zu einer Überfrachtung, die eher abschreckt.

Bestleistung bei der Gestaltung und dem Inhalt der Webseite zu erbringen ist essenziell, da sie einer der Anlaufpunkte in der Kundenakquise ist. Rechtschreibfehler oder zu naive Formulierungen für eine Zielgruppe, die gewöhnlich gut vorinformiert ist, wirken eher abschreckend. Auch die falsche Wichtung von Informationen hält Kunden ab, etwa wenn die Gründungsgeschichte des Inhabers zentral ist, die für die Kunden relevanten Informationen aber eher versteckt sind. So finden sich beispielsweise bei Einzelhändlern die Informationen, wegen derer die Webseite aufgerufen wird, oft – wenn überhaupt – sehr versteckt, etwa die Anschrift und die Öffnungszeiten.

Den Serviceprozess gestalten

Grundsatz ist: Auch für den Kunden entscheidet der erste Eindruck. Wenn dieser nicht gut genug ist und keine schnelle Orientierung bietet, sucht er sich einen anderen Anbieter. Erinnert aber wird der letzte Eindruck, weshalb der gesamte Serviceprozess darauf hinauslaufen muss, dass der Kunde am Ende begeistert ist. "Zufriedene Kunden sind schön und gut, aber nur begeisterte Kunden geben von sich aus Weiterempfehlungen", so noch einmal Unternehmensberater Beier.

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  • Quelle: red | Fotos: © BeierMedia.de
  • Erstellt am 30.11.2021 - 08:12Uhr | Zuletzt geändert am 30.11.2021 - 10:53Uhr
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