Zittauer Dreiländerregion und das Wirtschaftswunderland

Zittauer Dreiländerregion und das WirtschaftswunderlandZittau, 11. Juli 2022. Von Thomas Beier. Noch immer steht das Projekt in der Pipeline, weil sich immer wieder irgendein anderes vordrängelt: Es geht darum, eine Art Nachschlagewerk zum Thema “Der deutsche Sprichwortschatz für die Wirtschaft” zu schreiben. Worum es dabei gehen soll und was man tun kann.

Abb.: Blick von Goethekopf bei Spitzkunnersdorf zum Jeschken in Böhmen, links das polnische Isergebirge

Foto: © Görlitzer Anzeiger

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Gute Grundsätze und Erfahrungen

Gute Grundsätze und Erfahrungen

Im Zittauer Gebirge mitten in der Dreiländerregion: Aussichtstafel auf der 793 Meter hohen Lausche mit Zielen in Deutschland, Polen und Tschechien

Foto: © Bautzner Anzeiger

Im Sprichwortschatz und in Redewendungen steckt tiefe Volksweisheit und es ist gewiss kein Fehler, diesen Reichtum für die Anwendung in der Wirtschaft zu transformieren. Die Grundannahme dabei: Was sich über Jahrhunderte als grundsätzlich richtig erwiesen hat, kann auch in der Wirtschaft nicht vollends falsch sein.

Masterplan statt Wünsch-dir-was

Schaut man sich die wie in einem rauschhaften Feuerwerk verpulverten Strukturwandel-Millionen an – gemeint sind Projektfinanzierungen, die mit dem nötigen Strukturwandel in der Wirtschaft aber auch gar nichts zu tun haben – und überhaupt die Wirtschaft im sächsischen Teil des Zittauer Dreiländerecks, dann muss ich oft daran denken, dass man manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, anders gesagt: In Anbetracht großer Begehrlichkeiten, die bereitgestellte Gelder nun einmal verursachen, geraten erfolgversprechende und positiv auf den Arbeitsmarkt wirkende Projekte aus dem Fokus.

Ich halte es für einen großen Fehler, über die Verwendung der Kohlegelder vor Ort entscheiden zu lassen. Das führt zwangsläufig zu eher kleinteiligen Wünsch-dir-was-Projekten. Richtig wäre in diesem Falle eine generalstabsmäßige Herangehensweise, für die sich jedoch wohl niemand den Hut aufsetzen will.

Unternehmerisches Handeln heißt: Chancen erkennen und nutzen!

Aus unternehmerischer Sicht ist das eh alles egal, da ist jeder seines Glückes Schmied. Allerdings haben wir es hier mit einem Sprichwort zu tun, das so pauschal nicht stimmt, denn so mancher wird erst gar nicht an den Amboss gelassen. Und dennoch: Unabhängig von den Erwartungen der Politik, von Förderprogrammen und Gewerkschaften müssen Unternehmer sehen, wie sie ihren Betrieb erfolgreich und möglichst stabil führen – denn nur so können sie dem sozialen Aspekt eines Unternehmens, nämlich Arbeitsplätze zu bieten, genüge tun.

Die Zittauer Region bietet für die Wirtschaft viele Möglichkeiten, doch… naja, der Wald und die Bäume eben. Da ist es immer wieder anregend, sich in etwas entfernteren Gegenden Deutschlands über die Möglichkeiten und Chancen der Dreiländerregion von Polen, Sachsen und Tschechien zu unterhalten. Und siehe: Was man selbst vielleicht für nicht der Rede wert hält, sorgt woanders für Erstaunen. Oft sind es die pfiffigen Polen und Tschechen, die vormachen, was für Klein- und Kleinstunternehmer im Markt möglich ist.

Geschäftsanbahnung in Polen

Vorbilder liefern durchaus die großen Unternehmen mit ihren Niederlassungen und Tochtergesellschaften in Mittel- und Osteuropa. Ist die Idee erst einmal geboren und für gut befunden, lässt sich ein waschechter Unternehmer nicht mehr aufhalten. Oft sind das, was andere als unüberwindliche Hürden ansehen, nur Formalien, die Dienstleister abarbeiten können.Wer etwa eine Firmengründung in Polen vorbereiten möchte, sollte sich zuerst mit möglichen Geschäftspartnern treffen, aber nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen.

Wer auf eigene Faust Geschäfte im Nachbarland vorbereiten möchte, sollte Zeit für seine Ansprechpartner einplanen, am besten für mehrere Begegnungen. Stimmt die menschliche Ebene, läuft vieles einfacher. Auch wenn ein Terminvorschlag vorab nicht bestätigt wird, ist der Ansprechpartner gewöhnlich zum Termin zur Stelle.

Überhaupt funktionieren polnische Unternehmen oft anders als deutsche: Während in Deutschland gern erwartet wird, dass ein Geschäftsführer zugleich Fachexperte ist, sind diese Rollen in Polen meist getrennt: Einer vertritt das Unternehmen nach außen, während die Fachleute im Inneren wirksam sind. So schlecht ist die Idee nicht, sind doch Techniker nicht automatisch gute Führungskräfte oder Verkäufer – und nicht ohne Grund gilt Polen als Wirtschaftswunderland.

Tipp:
Wer im mittel- und osteuropäischen Ausland investieren will, sollte unbedingt die Üblichkeiten vor Ort respektieren und keinesfalls belehrend auftreten. Besser ist es, selbst zu lernen.

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  • Quelle: Thomas beier | Foto Jeschken: © Görlitzer Anzeiger, Foto Tafel: © Bautzner Anzeiger
  • Erstellt am 11.07.2022 - 17:04Uhr | Zuletzt geändert am 11.07.2022 - 17:51Uhr
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