Unternehmensstrategien, nicht nur für die Krise

Unternehmensstrategien, nicht nur für die KriseZittau, 5. Dezember 2020. Von Thomas Beier. Mit dem Jahresbeginn 2021 droht die mit der Corona-Pandemie einhergehende Corona-Krise die Wirtschaft auch außerhalb des Kulturbereichs zu erfassen – und das mit Folgen: Entlassungen und Pleiten drohen, ganze Lieferketten könnten zusammenbrechen. Schon kündigt der Staat an, nicht für ewig Liquiditätshilfen bereitstellen zu können. Für viele Unternehmen bedeutet das, sich rechtzeitig Gedanken über mögliche Szenarien zu machen und Gegen- bzw. Ausweichstrategien zu entwickeln.

Abb.: Das Todesurteil für die Kathleen Schokoladenfabrik in Oderwitz bei Zittau ist bereits ausgefertigt: Am 30. April 2022 sollen hier die Lichter ausgehen. Begründung: Sinkende Nachfrage schon seit Jahren und dann auch noch sinkende Kaufkraft in der Corona-Krise. Hinweis: Die Abbildung zeigt nicht die Betriebseinfahrt

Archivbild: Foto: ©2011 BeierMedia.de

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Digitalisierung löst die Frage nach technologischer Spezialisierung oder Diversifikation ein Stück weit auf

Am einfachsten gelingt das Unternehmen, die regelmäßig mit Szenarien arbeiten, um sich im Wettbewerbsumfeld zu verorten und Schlussfolgerungen zu ziehen. Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob über viele Jahre eine Unternehmenskultur gefördert wurde, die ein hohes Maß an Flexibilität ermöglicht oder ob alle Anstrengungen stets darauf fokussiert werden, einen erreichten Status quo zu erhalten und bei Veränderungen zu verteidigen.

Sicher treten viele Herausforderungen an Unternehmen zugleich auf. Aber gerade deshalb ist die Frage nach einer Unternehmensstrategie so wichtig. Je weniger flexibel etwa eine Produktion ist, umso stärker muss sich das Unternehmen an Bedürfnissen ausrichten, die es immer geben wird.

Konstante Grundbedürfnisse

Ein Beispiel: Zu den konstanten Grundbedürfnissen von Menschen gehört es zweifellos, Musik zu hören. Auf welche Weise dieses Bedürfnis aber befriedigt wird, also über Livemusik, Rundfunk, Streaming oder eigene Tonträger, schon das ist unterschiedlich. Hinzu kommt der Einfluss des technischen Fortschritts, der die Musikbranche vor immer neue Herausforderungen stellt: Beim Übergang von der Schallplatte zur CD spielte primär die Technik die Hauptrolle im Veränderungsszenario, beim Übergang zum Streaming änderten sich zusätzlich die Vertriebswege grundlegend. Das bedeutet: Selbst wenn man sich an Grundbedürfnissen ausrichtet, ist man vor grundlegenden Wandelprozessen nicht gefeit.

Allerdings gibt es in der Welt der Technik einzelne Bereiche, in denen zwar die Fertigungstechnik dem Fortschritt unterliegt, die Produkte selbst aber im Grunde nicht. Wer sich etwa wie einige Betriebe im Landkreis Görlitz als Zulieferer auf die spanabhebende Fertigung spezialisiert hat, braucht über mangelnde Nachfrage nicht zu klagen, wenn es nicht gerade um Teile für Dieselmotore geht. Schaut man sich in Zittau allein die Produktionsbetriebe in der Weinau – darunter die Investitionen des Jahres 2020 – an, so dürften diese weitestgehend ausgeprochen zukunftsrobust aufgestellt sein.

Eine ganz besondere Rolle spielen hier Drehteile, weil diese eine ganze Reihe an Vorteilen mit sich bringen. Sie sind hochproduktiv, etwa auf CNC-Maschinen oder vernetzten Bearbeitungszentren, herstellbar, ebenso jedoch auch als Einzelstück auf der Mechaniker-Drehbank oder als Kleinserie auf der guten alten Leit- und Zugspindel-Drehmaschine. Das Einsatzgebiet ist enorm: Mit Drehteilen lassen sich etwa sehr gut Passungen herstellen, zumal das Gegenstück – die Bohrung – dann ebenfalls mit geringem Aufwand erzeugt werden kann. Außerdem sind Drehteile oft die Voraussetzung für Teile, die ein Außengewinde tragen – das Viereck-Gewinde ist noch nicht erfunden. Ein Verbrennungsmotor mit quaderförmigen Kolben ist zwar denkbar, dürfte angesichts zu erwartender Kompressions- und Verschleißprobleme als Idee eher dafür geeignet sein, den Lehrling zu veralbern: “Hol’ mal einen Satz Viereck-Kolben!”

Unternehmen müssen also schauen, ob ihr bisheriges Sortiment auch in der Krise Nachfrage erfahren wird.

Orientierung an Flexibilität

In einer Welt, der sich auf vielen Gebieten die Produktlebenszyklen immer weiter verkürzen, kann sich die Spezialisierung auf Kleinserien und Sonderanfertigungen auszahlen. Bedient werden dann Modeerscheinungen oder Herstellungsprozesse, bei denen sich abzeichnet, dass sie über kurz oder lang abgelöst werden. Betriebswirtschaftlich gesehen hat eine Serienfertigung, deren Ende von Beginn an feststeht, durchaus Vorteile: Das nötige Maß der Automatisierung, die erforderliche Lebensdauer der Ausrüstungen und selbst das Marketing lassen sich hervorragend kalkulieren. Allerdings geraten solche Produktionsweisen schnell in Widerspruch zur immer wichtiger werdenden Nachhaltigkeit von Produkten und eben auch der Produktionsprozesse.

Dank Digitalisierung ist es heute aber möglich, Fertigungsprozesse hocheffizient, aber dennoch flexibel zu gestalten. Unternehmen, die auf diese Karte setzen, investieren so, dass ihre Kapazitäten für unterschiedliche Produkte genutzt werden können.

Und wo bleibt der Mensch?

Die fortschreitende Automatisierung von Fertigungsprozessen verändert die Arbeitswelt immer weiter. Längst sind angelernte oder teilqualifizierte Arbeiter – wie beispielsweise früher viele Frauen in der Textilindustrie der Oberlausitz – kaum noch gefragt und auch der Facharbeiter muss sich mit immer höheren Anforderungen an seine Arbeit auseinandersetzen. Neben dem stetigen Ausbau der fachlichen Fähigkeiten gehören dazu auch eigentlich typische Management-Aufgaben, nämlich das Organisieren, die Abstimmung mit anderen und die Führung von Teams.

In gewisser Weise findet ein Paradigmenwechsel statt: Während noch vor Jahren vor allem berufliche Erfahrung und ein gewachsenes Netzwerk an Kontakten in die Waagschale geworfen werden konnten, zählt heute vor allem eine hervorragende Ausbildung in Verbindung mit sozialen und emotionalen Kompetenzen, die angesichts immer wieder wechselnder Ansprüche eine schnelle Vernetzung und Zusammenarbeit mit anderen erlauben.

Zukunft denken!
Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zum Download:
Erschließen der Potenziale der Anwendung von "Industrie 4.0" im Mittelstand

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  • Quelle: Thomas Beier | Foto: © BeierMedia.de
  • Erstellt am 05.12.2020 - 11:59Uhr | Zuletzt geändert am 20.04.2021 - 07:02Uhr
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