MS PowerTec GmbH in Zittau macht dicht

MS PowerTec GmbH in Zittau macht dichtZittau, 17. November 2020. Der Vorstand der MS Industrie AG informierte heute über Veränderungen im Segment Powertrain Technology Group am Standort Zittau: Der Vorstand und die Geschäftsführung der MS Powertrain Technologie GmbH haben die Stilllegung der Produktion der Tochtergesellschaft MS PowerTec GmbH in Zittau beschlossen.

Im Industrie.- und Gewerbegebiet Weinau (die MS PowerTec GmbH ist nicht im Bild)

Archivbild: © BeierMedia.de

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60 Industriearbeitsplatze fallen weg

Von dieser Maßnahme sind am Standort auf der Dittelsdorfer Straße im Zittauer Industrie- und Gewerbegebiet in der Weinau rund 60 Arbeitsplätze betroffen. Nach Angaben auf der Website des Unternehmens hat die MS PowerTec GmbH hier rund 150 Beschäftigte und zwölf Azubis.

Bereits seit Mitte 2019 hat sich – vor allem wegen der anhaltenden Diskussionen um Dieselmotoren – das Marktumfeld des Unternehmens erheblich eingetrübt und Kapazitätsanpassungen notwendig gemacht. Die Situation hat sich zuletzt durch zusätzliche Einbrüche als direkte Folge der Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-PAndemie verschärft.

Die Entwicklungen der letzten Monate sowie der politisch gewollte Umbruch in der Automobilwelt hin zu Elektroantrieben machen die Werksschließung in Zittau aus Sicht der MS Industrie Gruppe unvermeidlich. Zudem werden Automatisierung, Digitalisierung und Flächenverdichtung der Fertigung am Hauptstandort der MS Powertrain Technologie GmbH in Trossingen verstärkt vorangetrieben. Damit passt die MS Industrie Gruppe ihre Kapazitäten und Kostenstrukturen dem veränderten Marktumfeld an, um damit die Profitabilität und den Bestand für die Zukunft abzusichern. Die im Eigentum der MS PowerTec GmbH befindliche Betriebsimmobilie in Zittau soll ab dem Jahr 2021 Dritten zur industriellen Nutzung angeboten werden.

Das Segment MS Ultrasonic Technology unter der Führung der Tochtergesellschaft MS Ultraschall Technologie GmbH ist von der vorgenannten Kapazitätsanpassung nicht betroffen und verzeichnet aktuell einen stabilen, zuletzt wieder steigenden Auftragseingang.

Hintergrund:
Die MS Industrie AG mit Sitz in München ist die börsennotierte Muttergesellschaft einer fokussierten Industriegruppe der Antriebstechnik ("Powertrain Technology Group": Systeme und Komponenten für schwere Verbrennungsmotoren, kundenspezifische Elektromotoren) und der Ultraschalltechnik ("Ultrasonic Technology Group": Sondermaschinen, Serienmaschinen sowie Ultraschallsysteme und -komponenten). Zu den wesentlichen Kundenbranchen zählen die weltweite Nutzfahrzeug- und die Pkw-Industrie, gefolgt von der Verpackungsmaschinenindustrie, der Medizintechnik und weiteren kunststoffverarbeitenden Branchen sowie dem allgemeinen Maschinen- und Anlagenbau. Die Gruppe erwirtschaftete im Jahr 2019 ein Umsatzvolumen von rund 235 Mio. Euro mit über 1.100 Mitarbeitern an acht Produktionsstandorten, davon vier in Deutschland und jeweils einem in den USA, Brasilien, China und Bulgarien.

Kommentare Lesermeinungen (1)
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Zur PowerTec Zittau Betriebsschließung

Von Norbert Terczewski am 20.11.2020 - 00:02Uhr
Ihr Artikel über die Betriebsschließung der PowerTec Zittau liest sich so an wenn alles ganz in geregelten Formen ablief. Mitarbeiter bekommen früh die Info das ihr Betrieb zum 31.12.2020 geschlossen wird . Der Betriebsrat handelt mit der börsennotierte Muttergesellschaft Abfindungen aus.

Aber was ist passiert (Info vom Newsletter der Sächsische.de)? Keinen Betriebsrat (nur im westlichen Standort Trossingen gibt es einen, warum nur dort?). Ohne Vorwarnung geht man zur Arbeit und wundert sich, dass vielleicht man einen Sicherheitsdienst erblickt. Mitarbeiter werden wie Störenfriede (Verbrecher) betrachtet. Der Geschäftsführer hatte wohl große Angst, dass Mitarbeiter nicht nur persönliche Gegenstände mitnehmen könnten (Sicherheitsdienst begleitete die Mitarbeiter). Laut Infoblatt der Muttergesellschaft sollten dort noch 150 Mitarbeiter vorhanden sein (aber am letzten Tag waren nur noch 60 Mitarbeiter dort tätig).

Das große Problem was ich daraus sehe ist das die verlängerten Werkbänke immer zuerst geschlossen werden (z.B. auch Haribo). Als ich den Newsletter gelesen habe, hat mein Herz geblutet, wieder gehen in einer Region, wo es sowieso nicht genügend Arbeitsplätze gibt, welche verloren. Facharbeiter und Maschinenfahrer haben wieder einmal Sorgen um ihrer Zukunft und müssen sich fragen: Kann ich in meiner Heimat weiter bleiben oder muss ich wie so viele weggehen? Wie Silbermond in Ihrem Lied B96 sang (Hinterland). Und das noch vor Weihnachten.

Die Begründung zum Herzbluten liegt wohl daran, das ich mit Herz seit 1972 in der Zerspanung gearbeitet habe. Im nächsten Jahr gehe ich in den Vorruhestand. Hatte das Glück, seit 1984 in der gleichen Firma, die sogar in meinen Wohnort (Landkreis Gifhorn in Niedersachsen) liegt, zu arbeiten. Auch bei uns wurden die Arbeitsplätze reduziert, von über 40 bis heute bei ca. 10 (mit einer Insolvenz).

Außerdem habe ich familiäre Bindungen an Zittau. Mutter ist gebürtige Zittauerin und ist mit ihrem Mann nach der Hochzeit 1955 in den Westen gezogen, weil seine Familie dort als Flüchtling gewohnt hat. Ihre beiden Schwestern blieben bis zur ihrem Tod in Zittau. Eine von diesen war meine Patentante, wodurch ich durch sie die Möglichkeit bekam, Zittau und das Zittauer Gebirge (wandern, Dampflok) schon vor der Wende kennen und lieben zu lernen. Der Kontakt zu meinen Cousins und zur Großcousine ist bis heute sehr gut. Ich versuche, mindestens einmal im Jahr nach Zittau zukommen. Beide Cousins konnten bis zur ihrer Rente in Zittau als Facharbeiter arbeiten.

Mit freundlichen Grüßen

Norbert

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  • Quelle: red | Foto: © BeierMedia.de
  • Erstellt am 17.11.2020 - 16:34Uhr | Zuletzt geändert am 17.11.2020 - 17:01Uhr
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