Kathleen Oderwitz schließt

Kathleen Oderwitz schließtDüsseldorf | Oderwitz, 27. Juni 2020. Die Kathleen Schokoladenfabrik GmbH in Oderwitz, in der "DDR" als VEB Bergland bekannt, beendet zum 30. April 2022 seine Produktion. Bis dahin bleibt der Geschäftsbetrieb in vollem Umfang erhalten. Von der Betriebsschließung sind 167 Belegschaftsmitglieder am Standort betroffen. Das Werk in Gablonz an der Neiße (Jablonec nad Nisou) schließt bereits ein Jahr vorher.

Gablonz an der Neiße

Foto: © BeierMedia.de

Anzeige

Produktion wird 2022 eingestellt

Dieter Schäfer, der Unternehmenssprecher der Rübezahl-/Riegelein-Gruppe, sagte dazu: "Die Entscheidung, unser Schokoladenwerk in Oderwitz zu schließen, ist uns nicht leicht gefallen, aber leider unumgänglich. Die künftige Perspektive des Standortes lässt uns leider keine andere Wahl, da die Produktionsmengen bei klassischen Schokoladen-Saisonartikeln in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen sind und die Auslastung des Werkes für einen kostendeckenden Betrieb nicht mehr ausreicht. Darüber hinaus hat die Corona-Krise der letzten Monate die Lage zusätzlich massiv beeinflusst. Wir erwarten durch die geringere Kaufkraft weitere Rückgänge der Produktionsmengen, insbesondere beim Export in wirtschaftlich stark unter Druck stehende Länder. Leider gibt es aktuell keine kaufmännisch auch nur im Ansatz vernünftige Alternative zur Werksschließung. Wir bedauern den leider notwendig gewordenen Schritt zutiefst."

Das Schokoladenwerk Kathleen gehört zur neu formierten Rübezahl-Riegelein-Unternehmensgruppe. Die Firmengruppe will den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine Perspektive in einem ihrer anderen fünf Werke in Form von Fest- oder Saisonverträgen oder als Alternative eine finanzielle Unterstützung beim Ausscheiden zur Schließung des Betriebs in zwei Jahren anbieten. Gemeinsam mit dem Betriebsrat soll in Kürze ein Sozialplan erarbeitet werden.

Von der Betriebsschließung in Oderwitz ist ein Jahr vorher auch die von Kathleen aus gesteuerte Produktionsstätte "Riegelein, k.s. cokoladovny" in Gablonz an der Neiße betroffen, die 1995 von Riegelein übernommen worden war.

Eine dauerhafte Perspektive haben damit wohl nur das Stammwerk Hans Riegelein & Sohn GmbH & Co.KG in Cadolzburg bei Nürnberg, der hauseigene Onlinehändler chocri GmbH in Berlin und die Vertriebstocher Riegelein France in Paris.

Das Werk in Oderwitz war 1991 in die Riegelein-Gruppe integriert worden. Am 12. April 2017 veröffentliche die Sächsische Zeitung einen Bericht von Miriam Schönbach über den Betrieb.


Kommentar:

Noch im Jahr 30 nach der deutschen Wiedervereinigung rächt sich das damals eingeschlagene schnelle Tempo – das muss man ehrlicherweise dazusagen: unvermeidlich schnelle Tempo. Zu groß war die Sehnsucht der meisten "DDR"-Bürger nach der D-Mark, so groß, dass die Nachteile des kapitalistischen Wirtschaftssystems, das neben breitem Wohlstand auch Verlierer produziert, in ihren Augen überblendet wurden. Im Gegenteil: Verbreitet war der naive Glaube, nun würden die Manager aus dem Westen kommen und die Betriebe auf Vordermann bringen.

Der VEB Bergland ist ein Beispiel dafür, dass dies in durchaus vielen Fällen auch gelang – allerdings um den Preis des Ausverkaufs der volkseigenen, besser gesagt staatlichen Wirtschaft. Es entstand die Wirtschaftsstruktur der verlängerten Werkbänke. Da ist es nahezu logisch, wo in der Schnitt in der Krise angesetzt wird.

In Bezug auf das heutige Kathleen-Werk hat wohl das angesichts der Vorsichtsmaßnahmen gegen eine Corona-Pandemie ausgefallene Ostergeschäft den Gnadenstoß gegeben und damit einen Prozess beschleunigt. Nach Jahrzehnten des Zuwachses ist die Produktion von Schokolade und Schokoladenwaren seit 2013 zurückgegangen, wenn auch auf hohem Niveau. Das wachsende Bewusstsein für gesunde Ernährung dürfte der Branche auch weiterhin zusetzen.

Vor diesem Hintergrund sind die Werksschließungen in Oderwitz und Gablonz an der Neiße eine unternehmerische Entscheidung, die den Riegelein-Ausflug in den Osten beendet. Dass es mit bodfenständigem Mittelstand auch anders geht, zeigt die Entwicklung der Confiserie Felicitas im südbrandenburgischen Spremberg,

meint Ihr Thomas Beier

Kommentare Lesermeinungen (0)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Schreiben Sie Ihre Meinung!

Name:
Email:
Betreff:
Kommentar:
 
Informieren Sie mich über andere Lesermeinungen per E-Mail
 
 
 
Weitere Artikel aus dem Ressort Weitere Artikel
  • Quelle: red | Foto: © BeierMedia.de
  • Erstellt am 27.06.2020 - 07:14Uhr | Zuletzt geändert am 27.06.2020 - 08:23Uhr
  • drucken Seite drucken
Anzeige