Oberbürgermeister Zenker fordert Zusammenhalt

Oberbürgermeister Zenker fordert ZusammenhaltZittau, 16. Dezember 2020. Ob das Wort Triage für die medizinische Entscheidung über die Fortsetzung einer Behandlung oder etwa einen Krankentransport nun zu hundert Prozent passt oder nicht: Seine sicherlich nicht unbedachte Verwendung durch einen hochangesehenen Mediziner aus der Region Zittau in einer Online Diskussion ist ein Alarmsignal. Auf jeden Fall müssen wegen der hohen Belastung der Intensivstationen schwierige Abwägungen getroffen werden, wie wem noch geholfen werden kann. Für einzelne an Covid-19 Erkrankte steigt damit das Risiko für einen noch schwereren oder tödlichen Krankheitsverlauf.

Abb.: Das Rathaus von Zittau. In der Stadt haben etliche Einwohner eine befremdliche Weltsicht entwickelt, die nicht auf Fakten, persönlicher Reife und geschultem Denkvermögen beruht, sondern darauf ausgerichtet ist, die demokratischen Institutionen um jeden Preis anzugreifen

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Aufruf, sich und andere vor einer Coronainfektion zu schützen

Thema: Corona-Pandemie

Corona-Pandemie

Die Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) verlaufen pandemisch. Lebensgefahr besteht bei einer Erkrankung an Covid-19 vor allem für Immungeschwächte und Ältere. Vielfältige Maßnahmen sollen die Ausbreitung verlangsamen, um medizinische Kapazitäten nicht zu überlasten sowie Zeit zur Entwicklung eines Medikamentes und eines Impfstoffs zu gewinnen. Im Blickpunkt stehen auch die Wirtschaft und soziale Auswirkungen.

Über den Gesundheitsausschuss des Landkreises und in der Presse wurde bereits mehrfach über die sich zuspitzende Lage vor allem in der Notfallversorgung informiert. Insofern zeigt die aktuelle Aussage, wohin die Belastungssituation in den Kliniken und auch in den Pflegeheimen im Extremfall führen kann. Die Aufnahme von Notfallpatienten und die Verlegung aus der stationären Betreuung auf die Intensivstationen sind zunehmend erschwert.

Oberbürgermeister Thomas Zenker steht dazu im Austausch mit der Landkreisspitze und der Klinikumsleitung und wird weiterhin zeitnah über die Lage informiert. Dennoch ist der entstandene Eindruck, dass die Leistungsgrenze bereits überschritten ist, nicht zu korrigieren. Vor diesem Hintergrund fordert Oberbürgermeister Zenker "für unsere Region dringend eine wirksame und schnelle Unterstützung" bei der Verlegung von Patienten an weniger ausgelastete Standorte. Der Zittauer Oberbürgermeister weiter: "Die regionalen Kapazitäten sind offensichtlich immer wieder vollständig genutzt und die Personaldecke in Pflege und Gesundheitswesen dünnt sich durch die hohe Belastung sowie Infektions- und Krankheitsfälle weiter aus. Es ist klar erkennbar, dass wir in dieser Lage aus eigener Kraft nicht weiterkommen." Die aktuelle Unterstützung durch die Bundeswehr sei bereits jetzt ein wichtiger Baustein für die Aufrechterhaltung des Klinikbetriebs und werde weiter sehr dringend benötigt. Transporte in weit entfernte Standorte sollten nicht die Kapazitäten der hiesigen Rettungsdienste blockieren, dafür müssten Alternativen gefunden oder der Flugdienst verstärkt werden.

In der Stadt Zittau haben sehr viele Personen aus Gesundheitswesen und Pflege in den vergangenen Tagen und Wochen und Monaten deutliche und klare Hinweise und Appelle an die Bevölkerung aber auch an die zuständigen Behörden gegeben. Die Pandemielage, die sich in der Statistik des Landkreises Görlitz schon längere Zeit sichtbar verschlechtert (aktuelle Sieben-Tage-Inzidenz am 16. Dezember 2020 um 12 Uhr bei 701,16) kann nicht alle Fälle abbilden, weil die Testkapazitäten nicht mehr alle Situationen abdecken und das Gesundheitsamt nicht mehr alle Kontaktnachverfolgungen leisten kann. Genau davor hatte auch Landrat Bernd Lange mehrfach in der Öffentlichkeit gewarnt. Nun ist die Belastungsgrenze der Kliniken, aber auch der niedergelassenen Ärzte erreicht. Auch Oberbürgermeister Zenker hat seit dem Frühjahr auf jeder Gremiensitzung des Stadtrats Zittau und bei anderen Gelegenheiten öffentlich auf diese Gefahr hingewiesen und um Unterstützung bei der Aufklärung der Bevölkerung geworben. Die lokalen Medien haben alle über die enormen Belastungen in den Labors und Praxen berichtet.

Dennoch gibt es bis zum heutigen Tag nicht wenige Menschen quer durch alle Bevölkerungsgruppen, Einkommensschichten oder politische Zuordnungen, die weiterhin die Gefahren, wie sie aus der Pandemiesituation resultieren, in Frage stellen. Oberbürgermeister Zenker findet dazu klare Worte: "Es war unsäglich, was wir uns bis vor kurzem bei den Versammlungen eines Pegida-Ablegers auf dem Zittauer Markt anhören mussten. Andere Personengruppen versuchen weiterhin über private Initiativen und vermeintliche religiöse Treffen die Legende zu spinnen, dass hier eine große Verschwörung im Gange sei, auch gewählte Stadt- und Kreisrätinnen und -räte beteiligten sich ihrerseits über Parteiveranstaltungen im Rahmen des Versammlungsrechts an dieser Erzählung." Damit müsse nun genug sein, fordert er. Es sei an der Zeit, endlich gemeinsam daran zu arbeiten, die Krise abzuwenden. Diesen Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung bräuchten alle, die Beschäftigen im Gesundheitswesen besonders, aber auch die Wirtschaft habe kein Interesse daran, sich von Lockdown zu Lockdown zu quälen.

Auch die aktuellen Zahlen der Zittauer Urkundenstelle sprechen eine deutliche Sprache. Bereits am heutigen Tag liegt die Zahl der in Zittau beurkundeten Sterbefälle rund 25 Prozent höher als der langjährige Durchschnitt. Angesichts dieser Situation ruft Oberbürgermeister Zenker nochmals dazu auf, sich im eigenen Interesse und im Sinne der Gesundheit seiner Angehörigen sich an die Regeln der Corona-Schutzverordnungen zu halten: "Dabei geht es nicht darum, wer am besten das Gesetz auslegen und Lücken darin suchen kann, sondern darum, sich und andere zu schützen." Nur so könne man dem Gesundheitswesen und den bereits Betroffenen helfen.

Mehr:
Situation im Landkreis Görlitz und Kommentar

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  • Quelle: red | Foto: © BeierMedia.de
  • Erstellt am 16.12.2020 - 16:48Uhr | Zuletzt geändert am 16.12.2020 - 17:17Uhr
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