Stadtforum Zittau zu Abrissplänen für die Kantstraße

Stadtforum Zittau zu Abrissplänen für die KantstraßeZittau, 11. Mai 2022. In Zittau sollen weitere Wohnhäuser abgerissen werden. Das Bewusstsein, dass der Abriss erhaltbarer Gebäudesubstanz aus energetischer Sicht und aus jener der Ressourcenschonung ein Frevel sind, wächst offenbar nur sehr langsam. Bereits am 6. Mai 2022 hat das Stadtforum Zittau eine Pressemitteilung zum Thema Abrisse auf der Zittauer Kantstraße herausgegeben, die der Zittauer Anzeiger hier im Wortlaut wiedergibt.

Abb.: In Zittau, aber nicht auf der Kantstraße und kein typisches Bild

Archivbild: © Zittauer Anzeiger

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Pressemitteilung des Stadtforums Zittau zu den geplanten Abrissen an der Kantstraße

Das Stadtforum Zittau bedauert, dass in Zittau weitere Gebäudesubstanz in großem Umfang, nämlich die Kantstraße 6 – 32, abgerissen werden soll. Bei diesen Gebäuden handelt es sich um eine straßenbegleitende, rund 100-jährige Bebauung, die baulich nahezu unverändert über die Zeiten gekommen ist. Bereits vor 2 Jahren wurde die gegenüberliegende Kaserne aus der Gründerzeit, der Villingenring 2, unter erheblichem Einsatz finanzieller Mittel abgerissen.

"Gerade in unserer heutigen Zeit, wo Nachhaltigkeit und unser ökologischer Fußabdruck eine immer größere Rolle spielen", so der Vorstand des Stadtforums Zittau, Dipl.-Ing. Silvio Thamm, "sollten Abrisse äußert restriktiv erfolgen, zumal in jedem Gebäude sogenannte graue Energie steckt, die bereits einmal für den Bau aufgewendet wurde und mit dem Abriss verloren geht. Sehr wichtig ist es auch, straßenbegleitende Gebäudestrukturen zu erhalten. Dazu kommt, dass gerade in diesem Quartier - ungeachtet des sonstigen Wohnungsleerstandes in Zittau - durchaus Entwicklungspotential steckt. Mit ruhiger, naturnaher Lage und guter Verkehrs- und Versorgungsanbindung ließe sich hier durch Sanierung ein aussichtsreicher Wohnstandort entwickeln - wenn der Wille dazu vorhanden ist. Abriss, 10 jährige Wartezeit (keine Mieteinnahmen) und anschließenden Neubau kann und darf man im Vergleich mit der Sanierung nicht als wirtschaftlich sinnvoll darstellen."

Soweit die Geschäftsführerin der Wohnbau, Frau Standke, damit argumentiert, dass die Abrisse deshalb erfolgen würden, da "weiterhin zu viel Wohnraum auf dem Markt sei", kann dies nicht überzeugen. Denn unsanierte, zum großen Teil leer stehende Gebäude, wie hier auch, haben keinerlei Auswirkung auf den Mietmarkt, so Thomas Göttsberger, stellvertretender Vorstand des Stadtforums Zittau.

"Diese Argumentation geht auch konträr mit den perspektivischen Planungen der Wohnbau, genau an diesem Standort – nach Ablauf der zehnjährigen Fördermittelbindefrist – Stadtvillen mit jeweils 4 Wohneinheiten zu errichten", so Thomas Göttsberger.

"Hier müsste die Stadt noch intensiver als bisher ordnend eingreifen, um solche Auswüchse zu verhindern", so das Stadtforum, "zumal bei jedem Abriss potentielle Ressourcen und nicht zuletzt historische Zeugnisse von Baukultur vernichtet werden. Wünschenswert wäre eine Stadtplanung, die nicht den Jetzt-Zustand fortschreibt, sondern Visionen für die Zukunft im Sinne der Nachhaltigkeit entwickelt und neu denkt."

Auch in Zittau wird eine Zeit kommen, in der solche Gebäude wieder nachgefragt werden. Bis dahin sollte und muss es Primat der Stadtpolitik sein, diese Gebäude "über die Zeiten zu bringen".

Dipl.-Ing. Silvio Thamm, Vorstand Stadtforum Zittau
Thomas Göttsberger, stellv. Vorstand Stadtforum Zittau


Kommentar:

Der auf der Kantstraße in Zittau erinnert an die unüberlegten Abrisse auf der Reichertstraße und anderenorts in Görlitz (der Kommentar zum Beitrag gilt noch immer), bei denen Wohnhäuser mit intakter Bausubstanz dem Erdboden gleichgemacht wurden. Blühende Landschaften entstehen so nicht und eine gemähte Rasenfläche ist halt aus nicht einmal aus ökologischer Sicht etwas wert.

Was Freiräume wert sind, sollte man gerade in Zittau wissen. Hier im Freiraum Zittau auf der Inneren Weberstraße mahnte Claudia Muntschick sinngemäß, was abgerissen, komme nicht wieder. Gemeint ist damit, dass sich ein Neubau für einen Investor irgendwie rechnen müsse. Hinzufügen muss man, dass ungenutzte Substanz im Bestand Möglichkeiten eröffnet, wie sie sonst im soziokulturellen Bereich schleichend untergehen.

Gefragt ist nicht einmal viel Geld, nur Mut und Fantasie, meint

Ihr Thomas Beier

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  • Quelle: red / Kommentar: Thomas Beier
  • Erstellt am 11.05.2022 - 17:57Uhr | Zuletzt geändert am 12.05.2022 - 07:43Uhr
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