Besser Lösungen entwickeln statt einfältige Werbung zu machen

Besser Lösungen entwickeln statt einfältige Werbung zu machenZittau, 20. Juni 2022. Von Thomas Beier. Viele Unternehmen werben damit, "flexibel" zu sein und "immer eine Lösung" zu finden, als höchste Form der Unglaubwürdigkeit verkünden sie gar "Geht nicht, gibt’s nicht!", nein, doch noch übertroffen von "Was nicht passt, wird passend gemacht!" Was das bedeutet, das muss man sich mal genauer überlegen.

Abb.: Eine echte Problemlösung – ein Gabelstapler mit hydraulischer Zinkenverstellung

Bildquelle: dewikinanthi, Pixabay License (Bild bearbeitet)

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Improvisationsvermögen als Stärke? Vergiss es!

Da darf sich der staunende Kunde fragen, ob angesichts der zu engen Hose diese nun – wie auch immer – geweitet werden soll oder ob er sich für Wochen in eine Folterhöhle namens Fitness-Studio einweisen lassen muss, um die Beinkleider "passend zu machen".

Mal ehrlich: Oft wäre dem Kunden und auch dem Anbieter mehr gedient, wenn die klare Auskunft des Verkäufers lauten würden: "So kann man das wollen, nur bekommen nicht!" Hintergrund: Eine improvisierte Lösung bleibt ein Provisorium, mit dem der Kunde eher über kurz als über lang unzufrieden sein wird – und mit unzufriedenen Kunden ist keinem Anbieter gedient, jedenfalls, wenn es die eigenen Kunden betrifft.

Flexibilität ist eine Frage der Unternehmensstrategie – und nicht immer gut

Wirklich flexibel Kundenaufträge erfüllen zu wollen, das ist eine Frage der Unternehmensstrategie. Wer sich darauf einlässt, flexibel sein zu wollen, erkauft sich damit Nachteile: Vor allem ist jeder Auftrag "uno acto", also jedes Mal von Grund auf neu, von der Auftragsklärung über die Kalkulation und den Einkauf bis zur Erledigung, bei der man kaum auf Erfahrungen zurückgreifen kann, dafür aber pausenlos neue macht.

Bequemer und ersprießlicher lebt es sich mit Aufträgen, die sich in ähnlicher Form wiederholen. Man kann Angebote aus der Schublade ziehen und anpassen, außerdem auf Erfahrungswerte setzen und sich vielleicht sogar in einer Branche unentbehrlich machen, indem man sich zum besten verfügbaren Problemlöser entwickelt.

Innovationen finden

Natürlich darf man dabei nicht nur auf Routine setzen, sondern muss zusehen, am Ball zu bleiben. Sich nicht in Flexibilität zu verzetteln heißt ja nicht, neue Herausforderungen zu scheuen.

Wer auf der Suche nach Geschäftsideen für eine Gründung oder ein neues Geschäftsfeld ist, kann ja aus dem Spannungsfeld zwischen hoher Spezialisierung und hoher Flexibilität seinen Nutzen ziehen: Einfach die Augen offenhalten, wo Spezialisierung oder Standardisierung mögliche Kunden so sehr einengen, dass Lösungen für eine Flexibilisierung gefragt sind.

Die Europalette zwischen Norm und Flexibilität

Für alle, denen das viel zu theoretisch ist, ein praktisches Beispiel: Im Jahr 1961 wurde die Europalette erfunden: Einen Meter Zwanzig lang, achtzig Zentimeter breit und 144 Millimeter hoch. Die Logistikbranche liebt diese Palette, erlaubt sie doch, Transport-, Umschlag- und Lagersysteme darauf auszurichten und Flächen wie auch Kubaturen entsprechend zu optimieren.

Die Vorteile der klar definierten Europalette liegen auf der Hand:


    • die Europaletten können von passenden Gabelstablern, Regalsystemen und Hubwagen bewegt werden
    • die normierten Abmessungen erlauben eine zugeschnittene Flächenplanung
    • jede Palette kann eine bestimmte Mindestlast tragen
    • nach Gebrauch können die Paletten sofort mit anderen Lasten beladen werden

Der Nachteil der Europalette hingegen steckt schon im Namen: Es ist ein europäisches, aber kein weltweit einheitliches Palettenmodell. Und das hat Folgen: Wenn Gabelstapler etwa Paletten unterschiedlicher Provenienz transportieren sollen, muss der Abstand der Zinken der Gabel immer wieder verstellt werden – ein Problem, dass der Logistiker, der ausschließlich nur Europaletten zu transportieren hat, nicht kennt.

Problemlösung: das Zinkenverstellgerät

Manche aber haben das Problem und dann wird das Verstellen der Gabelzinken zum Engpass für die Produktivität. Das erkannte man auch bei der 1943 in Portland, Oregon/USA, gegründeten Cascade Manufacturing Company, die sich seit den 1950er Jahren zum weltweit aktiven Entwickler und Produzenten von Hydraulik-Anbaugeräten entwickelte. 1994 wurde der europäische Hauptsitz in den Niederlanden als erstklassiges Kundencenter eröffnet, in Deutschland ist die Firma in Erkrath zu finden.

Jedenfalls hat man sich bei Cascade dem Problem der Zinkenverstellung bei Gabelstaplern gewidmet und bietet als Anbaugerät ein Zinkenverstellgerät für Gabelstapler an, wobei: Es handelt sich genauer gesagt um Zinkenverstellgeräte in unterschiedlichen Ausführungen und mit jeweils unterschiedlicher Tragkraft. Der Fahrer kann mit Hilfe der Gabelstaplerhydraulik die Gabelzinken einzeln verstellen und seinen Gabelstapler so jeder Transportaufgabe hochflexibel anpassen.

Zusammenfassung

Sowohl zu starke Spezialisierung und Normierung als auch zu große Flexibilisierung können für Unternehmen Risiken bergen. Anstatt in die Entweder-Oder-Falle zu tappen kann es sich als vielversprechende Möglichkeit erweisen, hochnormierte Bereiche mit der stellenweise nötigen Flexibilität auszustatten. Neben der Logistik finden sich weitere Ansätze in der Softwareentwicklung, in der Medizintechnik oder etwa im – eigentlich logisch – im Sondermaschinenbau.

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  • Quelle: Thomas Beier
  • Erstellt am 20.06.2022 - 21:00Uhr | Zuletzt geändert am 20.06.2022 - 21:50Uhr
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