Lebensarbeitszeit – ein Schreckenswort für die Generation Z?

Lebensarbeitszeit – ein Schreckenswort für die Generation Z?Zittau, 5. Januar 2023. Von Thomas Beier. Sitzt man mit Unternehmern bei einem gescheiten Bier zusammen, dann kommt das Gespräch regelmäßig auf den Fachkräftemangel und auf die sogenannte Generation Z, so auch neulich. Aber der Reihe nach.

Abb.: Natürlich geht auch Wein statt Bier. Der Tisch in Beiers Kneipe "Zur Freien Republik Schwarzenberg" erzählt von den Gästen: großen Unternehmern, großen Künstlern, großen Sportlern und allen, die auch gern hier sind

Foto: © Görlitzer Anzeiger

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Zittauer Bier, europaweit berühmt

Zuerst das Wichtigste, das Bier: Zittau hat nicht nur die wohl beste Kneipenszene der Oberlausitz, sondern hier kennt man sich mit Bier besonders gut aus. Schon im 15. Jahrhundert galt das Zittauer Bier als einer der beliebtesten Gerstensäfte in Europa, wie man in der Wikipedia unter dem Eintrag "Bierkrieg zwischen Görlitz und Zittau" nachlesen kann. Anzumerken ist noch, dass das Qualitätsprädikat "gescheites Bier" keinerlei Aussage über den Alkoholgehalt beinhaltet, der Trend zu alkoholfrei jedoch deutlich ist.

Eine alkoholfreie Generation?

Nach dieser schon seit langem notwendigen Würdigung der Stadt Zittau als Bierstandort nun zur Generation Z, also den ungefähr zwischen 1997 und 2012 Geborenen. Zu deren Eigenheiten gehört es, so wenig Alkohol zu trinken wie sonst nirgends die gleiche Generation in einem europischen Land – fast jeder Zweite ist ein Alkoholablehner. Natürlich war es weniger dieser Punkt, der unter den Unternehmern am Biertisch diskutiert wurde.

Witze als Lebensmaxime der Generation Z

Eher geht es darum, dass die Angestellten aus der Generation Z überdurchschnittlich häufig, so der Eindruck, ihre Papiere holen müssen – die Amerikaner würden sagen, gefeuert werden –, weil sie offenbar gerade krank waren, als es in der Schule um Beschäftigungsfähigkeit ging. Anders kann man es nicht erklären, wenn Angestellte aus der Generation Z Grundsätze ausleben, die man früher im Arbeitsleben nur als Witz empfand. Beispiele gefällig?


    • Privat geht vor Katastrophe!

      "Mittwochs muss ich immer etwas früher Feierabend machen, da ist um 16 Uhr mein Yoga-Termin!" – "Und wenn einmal ein wichtiger und zugleich dringender Auftrag noch am gleichen Tag fertig werden muss?" – "Das ist dann nicht in meiner Verantwortung, meine Termine sind langfristig geplant!"

    • Lieber noch schnell die Welt retten als sich kaputtrackern!

      Der Fachkräftemangel spielt der Generation Z in die Hände: Muss länger als in einem Teilzeit-Job – und das bei sehr guter Bezahlung – gearbeitet werden, sinkt die Lust auf Leistung schnell. Das Prinzip, wonach sich der Lebenssinn vor allem – wie häufig unter den Babyboomer – über die Arbeit erfüllt, kennt die Generation Z nicht.

    • Das können Sie von mir nicht verlangen!

      Die Angehörigen der Generation Z – aufgewachsen in einer zunehmend digitalisierten und vernetzten Welt – kennt ihre Rechte genau, neigen allerdings auch dazu, sich für übergeordnete Ziele das Recht zurechtzubiegen, etwa wenn sich jene, die sich an Asphalt kleben, auf das Demonstrationsrecht berufen.

Weniger Leistung, dafür mehr Gesellschaft

Viel ließe sich noch darüber sagen, wie die Generation Z tickt. Etwa, dass keine Generation zuvor sich so sehr mit psychischen Problemen belastet sah. Gehört zu den Ursachen das Aufwachsen in einer Umgebung, die von allgemein verfügbarem Wohlstand und nur wenig Auslese nach dem Leistungsprinzip gekennzeichnet ist? Eine Leistungsgesellschaft, die immer weniger die Leistung, aber immer mehr die Gesellschaft betont, und die Isolation in den Coronajahren haben dazu geführt, dass von Resilienz – dem Widerstandsvermögen bei besonderen Beanspruchungen – bei der Generation Z kaum noch die Rede sein kann.

Sinnvolle Vorurteile

Nun könnte man all das als Vorurteile gegenüber der Generation Z abtun, doch Vorsicht: Vorurteile entstehen nicht von ungefähr, sondern durch Erfahrungen, wie sie gleichartig auch andere machen und damit bestätigen. Der Vorteil von Vorurteilen ist, dass sie es erlauben, sehr schnell Entscheidungen zu treffen, die sich mit einiger Sicherheit als richtig erweisen: Angesichts der beiden Typen, die am Abend an der Straßenecke stehen, dank der eigenen Vorurteile die Straßenseite zu wechseln, kann Verluste und Schmerzen ersparen. Wer zur Selbstreflexion fähig ist, sollte seine Vorurteile allerdings immer wieder auf den Prüfstand stellen.

Ein Problem der Generation Z . . .

Wer durch Leistungsdruck von vornherein ausweicht, erbringt folglich keine Höchstleistungen, wodurch große Erfolgserlebnisse ausbleiben. Höchstleistungen ohne Leistungsdruck gibt es nicht. Dahinter steht die Frage der Motivation, die nun einmal als einfachste Grundlage durch Belohnung und Bestrafung funktioniert – und zweifellos sorgt auch eine in Aussicht gestellte große Belohnung für Druck. Die Bestrafungsvariante erklärt sich im Grunde von selbst: "Du machst das jetzt, sonst gibt’s was – für alle zarten Gemüter im übertragenen Sinne – in die Fresse!"

. . . und ein Problem der Babyboomer

Für die etwas ältere Generation kommt angesichts der Generation Z die Frage auf: "Und die sollen unsere Rente verdienen? Kann schon sein, dass es da attraktiver ist, das Erbe der vorangegangenen Generationen zu verjubeln." In der Unternehmerrunde grinste einer: "Lebe immer first class, sonst tun’s deine Erben!" Worauf sich das Thema von der Generation Z entfernte und sich ein Disput entwickelte, wie man denn aus jeder Lebensphase das Beste machen könne.

Möglichkeiten für Arbeitnehmer

Nun sind Unternehmer, die aktiv in ihren Unternehmen mitarbeiten, sicher kein allgemeiner Maßstab: Sie unterliegen besonderen Zwängen und Erfolgsdruck, haben andererseits Möglichkeiten, von denen Arbeitnehmer nur träumen können. Doch gerade für Arbeitnehmer hat der Gesetzgeber Möglichkeiten vorgesehen, von denen wiederum Unternehmer nur träumen können. Dazu gehört, sich einfach mal ein Jahr Auszeit zu nehmen, für eine Phase verkürzt zu arbeiten oder schon lange vor dem Renteneintritt dem Arbeitsleben Adieu zu sagen. Wer jetzt meint, "einfach mal" sei übertrieben: Stimmt – aber es geht! Das Lösungswort heißt Wertguthaben beziehungsweise Lebensarbeitszeitkonto.

Vorteilhafte Wertguthaben

Arbeitgeber können für ihre Beschäftigten Lebensarbeitszeitkonten einrichten, auf denen ein Wertguthaben angespart wird. Damit lassen sich nicht nur Auszeiten finanzieren, während derer das Anstellungsverhältnis und die Gehaltszahlung inklusive Sozialkosten weiterlaufen, sondern auch steuerliche Spareffekte erzielen. Die kommen zum Tragen, wenn man in Zeiten hohen Einkommens einen Teil seines Gehaltes als Wertguthaben auf dem Lebensarbeitszeitkonto anspart; Steuern und Lohnnebenkosten fallen erst dann an, wenn man zum Beispiel zwei Jahre vor Rentenbeginn aufhört zu arbeiten und vielleicht in dieser Zeit nur 70 Prozent des bisherigen Einkommens von seinem Lebensarbeitszeitkonto bezieht.

Tipp:
Viele Einzelheiten zum Lebensarbeitszeitkonto erklärt eine Website, von den Rechtsgrundlagen bis hin zu Vor- und Nachteilen sowie Rechten, Pflichten und Ansprüchen während der Freistellung, in der die Renten- und Krankenversicherung weiterläuft. Erläutert werden außerdem sogenannte Störfälle, die eintreten können, wenn aus auf der Website aufgeführten Gründen die Freistellung von der Arbeit nicht erfolgt ist.

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  • Quelle: Thomas Beier | Foto: © Görlitzer Anzeiger
  • Erstellt am 05.01.2023 - 14:51Uhr | Zuletzt geändert am 05.01.2023 - 16:19Uhr
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