Geld für das Dach von Lina Koch

Geld für das Dach von Lina KochNeugersdorf, 23. September 2018. Von Thomas Beier. "Hauptsache ein Dach überm Kopf", schrieb der Görlitzer Anzeiger zu einem Foto vom Richtfest für das Werk 1, das künftige Görlitzer Jugendzentrum. Der Gedanke ans Loch im Dach und an einige Dachbalken, die nicht mehr halten, was sie einst versprachen, hat auch die Akteure vom Gründerzeiten e.V. bewogen, gestern eine putzmuntere Spendengala zu Gunsten der Dachinstandsetzung der HeLiKo, der Helene-Lina-Koch-Fabrik in Neugersdorf, zu veranstalten.
Abbildung oben: Claudia Muntschick (links im Bild) und Franziska Schubert moderierten beschwingt Tombola und Versteigerung

Alte Neugersdorfer Textilfabrik wird Ort der Kultur- und Kreativwirtschaft

Alte Neugersdorfer Textilfabrik wird Ort der Kultur- und Kreativwirtschaft

Viele der versteigerten Sachen waren Zeugen einer untergegangenen Zeit

Einsam war's geworden um die Lina Koch, erst verschwanden die Menschen, dann die Maschinen. Erst im Jahr 2016 haben engagierte Leute Geld in einen Topf gelegt und für den Neugersdorfer Gründerzeiten e.V. die alte Fabrik gekauft. Sonst hätte der Fabrik wohl das selbe Schicksal gedroht wie vielen Gebäuden der Oberlausitzer Textilindustrie, auch in unmittelbarer Nähe: Wenn auch nicht blühende, sind doch auch im Umfeld der HeLiKo grüne Wiesen und großzügige Autoabstellmöglichkeiten auf Asphalt entstanden. Einzelne der Industriegebäude, auch das gehört zur Transfomation der Oberlausitzer Textilregion, wurden aufwendig saniert und werden neu genutzt.

Das ist wohl der entscheidende Punkt bei der Reanimation der älteren Dame: Die Bereitschaft, sein Erspartes zu investieren und damit die Verpflichtung einzugehen, nun aus Grundstück und Gebäude etwas zu machen. Da ist in den letzten beiden Jahren viel passiert: Es wurde entrümpelt und aufgeräumt, manches schon instandgesetzt. Und schon strahlt dieser neu geschaffene Freiraum aus: Ausstellungen und Musik sind eingezogen, mehr noch gärt in den Hinterköpfen. Hier lebt, was man früher eine alternative Szene genannt hätte und heute als selbstverständlicher Teil eines städtischen Kulturlebens erwartet wird.

Genutzt werden soll die HeLiKo ganz unterschiedlich. Bereits eingezogen mit seiner Werkstatt ist Paul Kiesbye, einer von den aus weiter Ferne in die Oberlausitz Zugereisten, die hier so dringend gebraucht werden. Für die HeLiKo ist Kiesbye der Pionier der Kultur- und Kreativwirtschaft, die hier einziehen soll. Büros, Ateliers, Werkstätten, Ausstellungs- und Besprechungsräume – durch Vermietung soll sich die HeLiKo in einigen Jahren selbst finanzieren und dann weder auf Spenden noch auf Fördertöpfe angewiesen sein. Am Herzen liegt den Gründerzeiten-Leuten auch, die HeLiKo als Denkmal der Industriegeschichte zu erhalten.

Von der Geschichte des Arbeitslebens in der HeLiKo erzählt auch allerlei Kleinkram, mit dem gestern eine Tombola und eine Versteigerung gepeist wurden. Claudia Muntschick und Franziska Schubert, beide als Macherinnen der Kultur- und Kreativszene der Oberlausitz eng verbunden, schafften es mit gewitzer Zunge und weiblichem Charme, die Besucher das Portemonnaie für den guten Zweck öffnen zu lassen. Durch ihre Vermittlungskunst fanden angestaubte Landkarten, Eierbecher, Gläser und stilsichere Elemente der "Kultur am Arbeitsplatz" ebenso begeisterte Abnehmer wie SUDOST-Bier und Dinge, die von den neuen Nutzern der Fabrik hergestellt wurden. Am Ende des Abend stand fest: Dem Dach der HeLiKo kann geholfen werden. Danke also an die Loskäufer und die Bieter der Auktion, die sich immer wieder zu höheren Geboten begeistern ließen.

Auch der Rahmen stimmte: Bewirtung für den Magen und für die Seele jiddische Musik, handgemacht von Familie Malinowski aus Bautzen (Budyšin). Ein guter Ort, diese HeLiKo.

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  • Quelle: Thomas Beier | © Zittauer Anzeiger
  • Zuletzt geändert am 23.09.2018 - 09:20 Uhr
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