Denkmal in Rudolfsthal beschädigt

Denkmal in Rudolfsthal beschädigtReichenberg (Liberec) / Rudolfsthal (Rudolfov), 3. April 2021. Wie Stanislav Beran aus Reichenberg berichtet, wurde gestern am Rudolfsthaler Kriegerdenkmal für die im Ersten Weltkrieg zu Tode gekommenen Soldaten die Glasplatte mit den Namen zerschlagen aufgefunden. Das Denkmal war am 23. Juni 2017 neu restauriert wieder eingeweit worden. Rudolfsthal ist heute ein Stadtteil von Reichenberg.

Foto: Jitka Routková

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Den Ersten Weltkrieg richtig einordnen

Über den oder die Verursacher der offenbar mutwilligen Zerstörung ist noch nichts bekannt, eine Anzeige bei der Polizei wurde bereits erstattet.

Das Denkmal ist insgesamt 3,63 Meter hoch und trägt im oberen Teil die Inschrift "Der Heimat Dank 1914–1918". Darunter war die gläserne Tafel mit insgesamt 16 Namen, Geburts- und Todesjahr im Krieg Umgekommener angebracht.

Verzeichnet auf der Tafel sind:


    • Appelt Albin *1890 †1918
    • Elstner Heinrich *1879 †1916
    • Hauser Anton *1876 †1915
    • Heinrich Bruno *1897 †1917
    • Hirschmann Wilhelm *1888 †1914
    • Hübner Ferdinand *1878 †1915
    • Keil Gustav *1899 †1918
    • Müller Josef *1886 †1915
    • Plaschke Adolf *1895 †1915
    • Simon Franz *1884 †1918
    • Scharfenberg Gustav *1883 †1918
    • Schatten Ernst *1884 †1918
    • Schatten Julius *1876 †1918
    • Tischer Adolf *1891 †1917
    • Wünsch Gustav *1891 †1917
    • Wünsch Josef *1896 †1916

Die tschechische Inschrift am unteren Rand der Platte lautet "Erneuert zur Erinnerung an Gregor Menghin 1.11.1887 - 20.03.1917. Viele Soldaten blieben vermisst oder starben in Gefangenschaft.

Anfang und Ende

Von Thomas Beier. Am Vorabend des Großen Krieges, der nach dem Zweiten Weltkrieg der Erste genannt wurde, war Europa von Bündnissen der Nationalstaaten gekennzeichnet, die zwei große Blöcke bildeten: die Achsen- oder Mittelmächte und die "Entente". Als Auslöser des Krieges gilt das Attentat von Sarajevo, die Ereignisse vom Attentat am 28. Juni 1914 bis zum deutschen Kriegseintritt, der offiziell wegen der eingegangenen Bündiszusagen erfolgte, am 1. August 1914, sind hier zusammengefasst. Schon wenige Wochen nach Ausbruch entwickelten sich die Kampfhandlungen zu einem mörderischen Stellungskrieg, von dem die Kriegswirtschaft profitierte.

Das Kriegsende wurde 1918 eingeläutet, als sich die junge Sowjetunion um jeden Preis zu einem Friedensschluss genötigt sah, andererseits Deutschland starkes Interesse hatte, den Zweifrontenkrieg wnigstens an der Ostfront zu beenden. Vor diesem Hintergrund kam es am 3. März 1918 zu sogenannten "Raubfrieden von Brest-Litowsk".

Nachdem der deutsche Vorstoß im Westen gescheitert war, begann im Juli 1918 der Gegenangriff der Alliierten, darunter die USA. Im August 1918 wurde die deutsche Westfront durchbrochen. Kurz nachdem im kriegsmüden Deutschland die Novemberrevolution das Kaiserreich ablöste, unterschrieb die deutsche Waffenstillstandskommission am 11. November 1918 in einem Eisenbahnwaggon im Wald von Compiègne den Waffenstillstand zu harten Bedingungen. Zuvor hatte Hindenburg in zwei Depeschen aufgefordert, den Waffenstillstand in jedem Falle einzugehen.

Im Vertrag von Versailles vom 28. Juni 1919, geschlossen zwischen den 26 alliierten und assoziierten Mächten und dem Deutschen Reich, wurde dem Reich und seinen Verbündeten die Schuld am Ausbruch des Ersten Weltkriegs zugewiesen. Die deutsche Schuld am Ausbruch des Krieges ist unter Historikern umstritten, weil die deutsche Kriegserklärung gegen Russland vom 1. August und gegen Frankreich vom 4. August 1914 als Folge von Bündnisverpflichtungen gesehen wird. Beim Angriff auf Frankreich verletzten die Deutschen die Neutralität Belgiens und Luxemburgs, schon in der ersten Tagen zu deutschen Gräuletaten an der Zivilbevölkerung und zu Massenerschießungen.

Kriegerdenkmale nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ die Rote Armee die sogenannten Kriegerdenkmale, die in vielen Ortschaften an die Kriegstoten des Ersten Weltkriegs erinnern, unangetastet. Heute sind diese Denkmale ist von Anwohnern sorgfältig gepflegt, unterliegen jedoch immer wieder fragwürdigen Geschichtsauffassungen. So werden hier zum Volkstrauertag, der dem Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft in allen Nationen gewidmet ist, etwa Kränze niedergelegt mit Schriftbändern wie "In ehrendem Gedenken" oder es werden Namensverlesungen zu Ehren der Toten durchgeführt. Der Volkstrauertag als stiller Gedenktag hat jedoch nicht das geringste mit der Ehrung von Soldaten zu tun – im Gegenteil: Die Nationalsozialisten hatten den Volkstrauertag zum "Heldengedenktag" umfunktioniert, eine Sichtweise, für die in einer Demokratie kein Platz ist.

Zu kritisieren ist zudem, wenn an den Denkmalen zur Erinnerung an die Kriegstoten des Ersten Weltkriegs nun Tafeln angebracht werden, die an die "Gefallenen und Opfer" des Zweiten Weltkriegs erinnern. Historisch ist das falsch: Der Erste Weltkrieg kann für das Deutsche Kaiserreich zumindest formal als Folge deutscher Bündnisverpflichtungen gesehen werden, der Zweite Weltkrieg war jedoch zweifelsohne ein deutscher Angriffskrieg, der im Osten als verbrecherischer Vernichtungskrieg geführt wurde. Dass der Vertrag von Versailles womöglich zum Zweiten Weltkrieg beigetragen hat, das entschuldigt gar nichts. Beide Kriege im Gedenken an die Opfer gleichzusetzen, wird der Geschichte nicht gerecht.

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  • Quelle: Stanislav Beran / Redaktion, Foto: Jitka Routková
  • Erstellt am 03.04.2021 - 11:54Uhr | Zuletzt geändert am 04.04.2021 - 17:41Uhr
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