Zittau sagt Stadtfest ab

Zittau sagt Stadtfest abZittau, 22. April 2020. Ihr Stadtfest ist eine der Veranstaltungen, an denen die Zittauer ganz besonders hängen. Angesichts der Coronapandemie wurde lange darüber diskutiert, ob das Volksfestes in den Herbst verlagert werden kann, doch nun steht fest: Das Zittauer Stadtfest 2020 kann nicht stattfinden.

Wer historische Städte gern zu Fuß erkundet, ist in Zittau richtig. Im Bild die frühere Baugewerkeschule, auch Baugewerkenschule genannt, erbaut von 1846 bis 1848 vom Zittauer Baumeister und Schinkelschüler Carl August Schramm
Archivbild: © Zittauer Anzeiger
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Großveranstaltungen für 2020 nicht planbar

Großveranstaltungen für 2020 nicht planbar
Ein "must have seen" ist – sobald wieder geöffnet – das Kulturhistorische Museum Franziskanerkloster, Stichworte: Epitaphienschatz und Fastentücher
Archivbild: © Zittauer Anzeiger

Geplant war das 24. Stadtfest für den 10. bis 12. Juli 2020, ein Termin, der sich jetzt so richtig mit der aktuellen Corona-Schutz-Verordnung des Freistaates Sachsen beißt, sprich: es an diesen Tagen unmöglich macht.

Eine Verschiebung in den Herbst hätte bedeutet, jetzt einen neuen Termin festlegen zu müssen, um eine Planungsgrundlage für alle Beteiligten zu schaffen. Weil aber heute und sicherlich auch in nächster Zeit noch nicht absehbar ist, zu welchem Zeitpunkt Großveranstaltungen wieder bedenkenlos durchgeführt werden können, hat sich die Stadt Zittau dafür entschieden, das Fest für das Jahr 2020 komplett abzusagen.

Zur Erklärung: Die aktuellen, von vielen ersehnten Erleichterungen bei den Antiepidemie-Maßnahmen bergen durchaus die Gefahr einer zweiten, größeren Infektionswelle. Bei solch unwägbarer Entwicklung kann aus heutiger Sicht nicht terminisiert werden.

Mehr:
Ständig aktualisierte Informationen zur Corona-Pandemie und zu den Maßnahmen der Stadtverwaltung Zittau


Kommentar:

2020 wird ein stilles Jahr: Während der Coronapandemie werden Volksfeste abgesagt, Kinos und Theater bleiben zu, Vereine sind zum Stillhalten gezwungen. Wenn das kulturelle Leben wieder schrittweise anlaufen wird, brauchen große Veranstaltungen dennoch Vorlaufzeit.

Was der eine mental gut wegstecken kann, macht dem anderen zuschaffen, vor allem, wenn die soziale Isolation den Alltag bestimmt. Mal anrufen und fragen, wie es dem anderen geht, eine Mail oder – ganz altmodisch – eine Postkarte schicken, vielleicht eine selbstgedruckte mit einem lustigen Foto, eine paar alte Kontakte wieder neu aufwärmen – jetzt ist die richtige Zeit dafür zu sagen: Du bist wichtig, ich denke an Dich.

Die Älteren können sich noch an ein Familienleben ohne Fernseher erinnern, einzige Unterhaltungselektronik waren ein Röhrenradio und ein Plattenspieler, später dann auch ein Tonbandgerät. Dennoch wurden die Abende nicht lang. Haben die Menschen verlernt, sich selbst zu beschäftigen?

Das Coronavirus lässt uns innehalten in einem für viele viel zu hektischem Leben und es vermittelt uns Demut: Wie reich unser Leben ist tritt erst zutage, wenn wir einmal – wenn auch nur ein wenig – Abstand davon nehmen müssen. Manchem mag es als Katastrophe erscheinen, wenn die große Urlaubsreise wohl ausfallen wird, der Einkauf etwas umständlicher wird, eine Coronamaske zeitweise Mund und Nase bedecken muss. Allerdings: Katastrophen sind ganz etwas anderes.

Ekelhaft hingegen, wie manche vor allem das Internet nutzen, um Unsicherheit zu verbreiten und Sorgen zu verstärken. Sie möchten selbst die schlichteste Meinung und den offensichtlichsten Fake mit durchdachten Aussagen und soliden Fakten gleichsetzen und glauben dann, auf Augenhöhe akzeptiert werden zu müssen. Nein, man kann nicht mit Leuten diskutieren, die nicht verstehen, dass ihr Blickwinkel eng begrenzt ist, denn man müsste sich auf deren eingeschränkte Sichweise einlassen und würde sich damit seiner eigenen Argumente berauben.

Ein kluger Freund hat vor Jahrzehnten einmal gesagt, der einzige Zweck von Fußballspielen sei, dass Hundertausende oder sogar Millionen von Menschen für Stunden oder Tage damit beschäftigt sind. Das Gute daran: Sie machen in dieser Zeit keinen anderen Unsinn, als zu Fußballspielen zu fahren, zuzugucken und anschließend endlos darüber zu diskutieren, zu feiern und sich gelegentlich gegenseitig auch auf die Nase zu geben. Aber immerhin haben sie mit ihrer Mannschaft etwas, was sie stolz macht.

So gesehen sollten die Fußballligen möglichst bald wieder starten, auch wenn ich die Meinung des Freundes nicht vollständig teile,

meint Ihr Thomas Beier

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  • Erstellt am 22.04.2020 - 17:56Uhr | Zuletzt geändert am 28.04.2020 - 06:46Uhr
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