Geld für deutsch-tschechische Initiativen

Geld für deutsch-tschechische InitiativenZittau, 19. Oktober 2019. Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds unterstützt weiter gemeinsame Projekte von Bürgern beider Länder. Diesmal fließen Fördermittel in Höhe von 545.736 Euro für 119 Projekte. Das hat der Verwaltungsrat des Fonds gestern in Zittau entschieden. Unter den bewilligten Vorhaben sind auch jene mehrerer Initiativen aus der sächsisch-tschechisch-polnischen Dreiländerregion.
Symbolfoto: Jugendbegegnungen helfen, vererbte Vorurteile abzubauen

Projektbeispiele

"Seit mehr als 20 Jahren fördern wir deutsch-tschechische Projekte, die in den Euroregionen besonders sichtbar sind, wo die Bürger unserer beiden Länder tagtäglich vor gemeinsamen Herausforderungen stehen", betonten die beiden Fondsverwaltungsratsvorsitzenden Martin Kastler und Jindřich Fryč. Gleich zu Beginn der Sitzung sagte der Zittauer Oberbürgermeister Thomas Zenker: "Wir wissen es sehr zu schätzen, dass der Zukunftsfonds in unserem Dreiländereck wirklich nachhaltig zum Aufbau von gemeinsamen Netzwerken beiträgt, indem er grenzüberschreitende Projekte wie etwa das Neiße Filmfestival langfristig unterstützt."

Eine Auswahl aus den aktuell bewilligten Projekten:

    • 6_19_10058 / Nachbarschaft und Sprache
      Der Schulverband Schkola, ein aktives Netzwerk von deutschen, tschechischen und polnischen Schulen, möchte mit dem breitangelegten Projekt "Gesellschaftliche Trennlinien überwinden" das Jahresthema 2019 des Zukunftsfonds aufgreifen und die Zivilgesellschaft im Dreiländereck stärken, Menschen unterschiedlicher Meinungen zusammenführen und den polarisierten Diskurs über gesellschaftspolitische Themen entschärfen. In unterschiedlichen mehrtägigen Begegnungen mit Workshops und Sprachanimation lernen sich deutsche und tschechische Kinder, Jugendliche und Erwachsene näher kennen, entwickeln ein Gefühl für die Sprache des Nachbarn tauschen sich gemeinsam über aktuelle Probleme und Herausforderungen in der Grenzregion aus. Der Zukunftsfonds unterstützt das Vorhaben mit einer Fördersumme von 12.000 Euro.

    • 6_19_6106 / Unser Planet - haltbar bis...?
      Die Hillersche Villa aus Zittau und die gemeinnützige Organisation IQLandia aus Reichenberg (Liberec) organisieren eine mehrtägige deutsch-tschechisch-polnische Begegnung zum Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit in Großhennersdorf. Die beteiligten Jugendlichen reflektieren dabei ihre eigene Haltung zu den aktuellen Friday-for-Future-Demonstrationen und suchen, inspiriert durch best-practice-Beispiele, nach Möglichkeiten, Nachhaltigkeit und Umweltschutz in ihren eigenen Alltag zu integrieren. Symbolisch für die heutige Ressourcenverschwendung wird der während des Projekts anfallende Plastikmüll gesammelt und am Ende künstlerisch zu einer Skulptur aufgebaut. Der Zukunftsfonds fördert das Projekt mit 2.800 Euro.

    • 8_19_10072 / Prag 1989: Vom Palais in die Freiheit
      Der geplante interaktive Online-Dokumentarfilm rekonstruiert die Ereignisse um die "DDR"-Flüchtlinge in der bundesdeutschen Botschaft in Prag (Praha) in der Zeit von Mitte September 1989 bis zum Fall der Berliner Mauer am 9. November. Grundlage des Films sind die Erinnerungen von Menschen, die damals in die Ereignisse in der deutschen Botschaft involviert oder direkt vor Ort waren. Die deutschen und tschechischen Zeitzeugen werden zum Teil in der Botschaft interviewt und ihre jeweiligen Erinnerungen in einen gemeinsamen Kontext gebracht, der über die Webseiten von Institutionen zur politischen Bildung wie der deutschen Bundeszentrale oder der Prager Organisation Post Bellum einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Der Zukunftsfonds unterstützt das Vorhaben mit einer Fördersumme von 9.000 Euro.

    • 8_19_10023 / Antiwords in Berlin - Hommage an Havel 30 Jahre Mauerfall
      Das internationale Kulturcentrum Berliner ufaFabrik e.V. aus Berlin nimmt den 30. Jahrestag des politischen Umbruchs von 1989 zum Anlass, an den tschechischen Dramatiker und Politiker Vaclav Havel und dessen bedeutende Rolle für den Aussöhnungsprozess zwischen Deutschen und Tschechen zu erinnern. Durch ein Gastspiel bzw. einen Gastaufenthalt des progressiven Prager Theaterensembles Spitfire Company in Berlin soll zudem der deutschtschechische Kulturaustausch vertieft werden. Mit ihrem Stück "Antiwords", einer Hommage an Havels Theaterarbeit, gastierte die Spitfire Company bereits in mehreren europäischen Städten, in den USA und in China. Der Zukunftsfonds bezuschusst das Vorhaben mit einer Summe von 3.576 Euro.

    • 5_19_9974 / Milena Jesenská - Essays und Reportagen
      Der Wallstein Verlag aus Göttingen gibt eine umfassende Sammlung von Essays und Reportagen der Journalistin Milena Jesenská auf deutsch heraus, die 2016 von Dr. Marie Jirásková unter dem Titel "Křižovatky (Výbor z díla)" (Kreuzungen / eine Auswahl von Arbeiten) vorgelegt wurden. Die darin enthaltenen 366 Artikel, die Jesenská in verschiedenen Zeitungen veröffentlichte, bevor sie 1939 von den Nationalsozialisten deportiert wurde und 1944 im Konzentrationslager Ravensbrück starb, zählen zu den bemerkenswertesten journalistischen Texten ihrer Zeit und sind zugleich ein wichtiger Teil deutsch-tschechischer Kulturgeschichte. In ihren späten Reportagen, die den Höhepunkt ihrer publizistischen Laufbahn darstellen, befasst sich Jesenská vorwiegend mit der drohenden Gefahr des Faschismus. Der Zukunftsfonds gewährt für dieses Projekt eine Förderung in Höhe von 8.000 Euro.

    • 4_19_10020 / Enisas Tagebuch.
      Mobiles Theaterstück zum Thema Asyl: sozialpolitische-, ethische- und Menschenrechtsbildung
      Das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk (EJF gemeinnützige AG) mit Sitz in Berlin und die Grundschule und Familienzentrum "Kleeblatt" aus Marienbad bringen Jugendliche aus beiden Ländern ins Gespräch über das Thema Flucht und Asyl und seine Folgen im Alltag. Als Grundlage dient die Theateraufführung "Enisas Tagebuch" im Haus Silberbach in Selb. Im Fokus des Theaterstücks steht die authentische Geschichte einer Roma-Familie aus der Sicht des 10jähriges Mädchens Enisa, die vor Krieg und Pogromen aus dem Kosovo nach Deutschland flüchtet und unter dramatischen Umständen wieder abgeschoben wird. Nach der Vorstellung haben die Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, mit den Schauspielern zu diskutieren. Der Zukunftsfonds fördert das Projekt mit 1.251 Euro.

    • 6_19_9699 / "Dinge, für die es sich lohnt..."
      Deutsch-Tschechische Schüleraktionstage in Flossenbürg und Joachimsthal
      Berufsschüler aus Wiesau und Wosseletz (Oselce) besuchen auf Initiative der Evangelischen Jugend im Dekanat Weiden und der Brüdergemeinde aus Aš gemeinsam die Gedenkstätten Flossenbürg und Sankt Joachimsthal (Jachýmov) und reflektieren dabei ihr eigenes Handeln in Bezug auf Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit. Beginnend bei der Geschichte der beiden Orte wird der Bogen von Widerstandsbewegungen im Dritten Reich bis hin zu aktuellem zivilgesellschaftlichem Engagement gezogen. Die Teilnehmer sollen dadurch angeregt werden, sich für ihre moralischen Wertevorstellungen einzusetzen und aktiv Stellung zu beziehen gegen Rassismus und Ausgrenzung. Die Zukunftsfonds gewährt für dieses Projekt eine Förderung in Höhe von 1.050 Euro.


Mehr:
www.zukunftsfonds.cz

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