Ein Gegentrend zur Digitalisierung

Ein Gegentrend zur DigitalisierungZittau, 19. März 2019. Die Digitalisierung ergreift immer mehr private Lebensbereiche, erst hat das Smartphone vieles umgekrempelt, nun ist das Smart Home im Kommen, die Schulen setzen auf Digitalisierung, Online Tickets sind vom Theater bis zur Eisenbahn verfügbar, Gesundheits-Apps passen auf uns auf und so weiter und so fort. Doch in einem Bereich scheint die Entwicklung gegenläufig, zumindest in Ansätzen: In allem, was persönliche und ehrlich gemeinte Wertschätzung betrifft.
Abbildung oben: Wunderbar, wenn die Generationen – natürlich Frauen inklusive – in Kontakt bleiben und sich gut verstehen!

Aufrichtige Wertschätzung ist noch immer eine analoge Angelegenheit

Aufrichtige Wertschätzung ist noch immer eine analoge Angelegenheit

Ältere Menschen möchten ihre Lebenserfahrungen gern an die kommende Generation weitergeben

Tatsächlich werden viele Seminare darüber angeboten, wie man von Hand einen Brief schreibt – stilvoll, geistreich und schön anzusehen. Im Zeitalter der Computertastatur, der Messengersysteme auf dem Handy, der Sprach- und Videonachrichten haben es jedoch viele verlernt, mit schöner Schrift von Hand zu schreiben. Außerdem: Zu schnell hat man sich daran gewöhnt, Text am Bildschirm wieder umbauen zu können, ganze Abschnitte zu löschen oder im Text verschieben zu können. Wer dagegen von Hand schreibt, muss sich konzeptionelle Gedanken machen, vor allem: Was soll der Text in welcher Reihenfolge enthalten? Einzug gehalten hat – vor allem am Handy – eine große Nachlässigkeit in Bezug auf die Rechtschreibung, die man sich so in einem handgeschriebenen Brief einfach nicht leisten kann; auch Smileys und Kürzel verbieten sich.

Man sieht: Eine Nachricht oder Botschaft auf Papier erfordert mehr Aufwand als vielleicht eine E-Mail oder eine PN (Persönliche Nachricht) in einem Messengerdienst. Aber genau das gibt dem Brief oder der Grußkarte zum Geburtstag, zum Namenstag oder Jahreswechsel ihren Wert. Schon eine individuell gestaltete Geburtstagseinladung signalisiert: Schön, wenn Du dabei bist!

Menschen eine Freude machen: Wer das liebt, nutzt dafür auch weitere Anlässe: Das Hochzeitsjubiläum, der Jahrestag der Konfirmation, der Firmung oder der Jugendweihe, der Schuleintritt vor vielleicht glatt 50 Jahren oder das Berufszeugnis vor 25 Jahren - manchmal machen Jubiläen,die der oder die Betroffene selber längst vergessen hat, die größte Freude, wenn jemand daran denkt und mit einer netten Postkarte daran erinnert und gratuliert. Älteren Menschen sagt man nach, das sie sich wieder intensiver an jüngere Jahre erinnern. Das ist doch toll, so können sie Jüngeren helfen, bestimmte Lebensereignisse nicht aus den Augen zu verlieren. Die erste Fahrradfahrt oder Fahrt mit dem Moped, das erste Auto, der erste sportliche Erfolg... nicht ohne Grund sind Fernsehsendungen wie "Damals wars", die den "Weißt Du noch"-Gedanken aufgreifen, so beliebt. Wenn der Volksmund sagt "Wiederseh'n macht Freude!", so drückt das recht genau die Freude am Teilen von Erinnerungen aus.

Vielleicht ist es auch deshalb so wichtig, dass die Familie zu bestimmen Anlässen wie eben Geburtstagen zusammenkommt. Dies sind die Stunden, in denen die Erinnerungen ausgetauscht werden und die Familiensaga weitergegeben wird. Damit solche Anlässe für das Zusammenkommen in unseren zeitknappen Tagen die nötige Beachtung erfahren und auf der Prioritätenliste nicht nach unten rutschen, muss ihre Bedeutung in jedem Detail, von der Einladungskarte bis zur Danksagung, zum Ausdruck kommen. Nur so lassen sich diese generationsübergreifenden Zusammenkünfte zu einem festen Ritual im Jahreslauf etablieren – die Enkel werden's danken!

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  • Quelle: TEB | Foto drei Personen: ArtWithTammy / Tammy Cuff, Foto zwei Personen: AndrejDebus / Andrej Debus, beide Pixabay und Lizenz CC0 Public Domain
  • Zuletzt geändert am 18.03.2019 - 20:50 Uhr
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