Zittauer Schüler wehren sich gegen Knöllchen
Zittau, 31. Mai 2018. Zur Revolte hat es nicht gereicht, aber ein offener Brief ist auch eine Reaktion: Auf die Knöllchen-Aktion des Zittauer Ordnungsamts, ausgelöst durch Mopeds, mit denen Gymnasiasten ihrer Pflicht zum Schulbesuch nachkommen.
Abbildung: Susi-Kathleen O. (16) passt jetzt lieber aufs Moped auf, während ihre Mitschüler die Schulbank drücken
Offener Brief kritisiert Verwarngelder für Schüler
Mit dem Frühling kam das Knattern: Täglich fahren etliche Jugendliche mit Moped oder gar Motorrad zur Schule. Die Testphase zum Moped-Führerschein ab 15 Jahren wird auch von den Schülern des Christian-Weise-Gymnasiums Zittau genutzt.
Für die regelmäßig nicht einkommensstarken Schülerinnen und Schüler wurde der 24. Mai 2018 zum Tag einer Hiobsbotschaft für die Taschengeldkasse: Das Ordnungsamt der Stadt Zittau entfaltete Kontrollaktivitäten "Am Johanneum", just dort, wo mehrere kraftradfahrende Schüler ihr Gefährt abgestellt hatten, um anschließend aufmerksam dem Unterricht zu folgen. Mildernde Umstände brachte der Lerneifer nicht mit sich, denn es wurden Verwarngelder verordnet, weil die ebenfalls aufmerksamen Amtsbediensteten festgestellt hatten, dass die Besitzer ihre Knatteröfen im "eingeschränkten Haltverbot" abgestellt hatten. Folge: Ein Verwarngeld von 15 Euro pro jugendlicher Parksündernase.
Kommentierender Einwurf: Ja, liebe Kinder, das Leben ist kein Ponyhof, sondern Sinn und Zweck von Verwaltungsakten. Das kommt bestimmt noch im Unterricht und wer gerade verschlafen oder Ärger mit der Zündkerze hat, den lehrt es das Leben später direkt.
Doch dabei wollten es der Schülerrat und überhaupt die Schülerschaft des Christian-Weise-Gymnasiums nicht belassen und kritisieren die für sie kostenpflichtige Knöllchenspende vornehm: "...möchten hierbei offiziell Kritik äußern." Argumente dafür werden in einer Mitteilung geliefert: "In Hinblick darauf, dass die Krafträder direkt neben dem gekennzeichneten Bereich dicht in einer Reihe standen und dabei weder Fußgänger noch andere Verkehrsteilnehmer behinderten und ebenfalls ein Bauunternehmen einen Teil des öffentlichen Parkplatzes versperrt, findet der Schülerrat die Verwarngelder nicht gerechtfertigt."
Schülerrats-Vorstand Erik-Holm Langhof macht professionell Ansage: "Die Schüler haben sich mit dem Thema auseinandergesetzt und finden die Ausstellung der Verwarngelder nicht sachgemäß. Viele kritisieren auch die schlechte Parkplatzsituation für Kraftradfahrer in Schulnähe." Es gebe vor allem in den Sommermonaten nicht ausreichend öffentliche Parkmöglichkeiten, vor allem nicht, wenn diese noch behindert würden.
Mit einem offenen Brief hat der Schülerrat auf die Ausstellung der Knöllchen reagiert und eine Unterschriftensammlung von über 400 Schülern des Christian-Weise-Gymnasiums beigelegt. Langhof: "Dieser Brief soll nicht nur eine Bitte an das Bürgeramt sein, sondern soll auch auf die schlechte Parkplatzsituation in der Schulnähe hinweisen." Die Schüler hatten sich in einer Diskussion in der vorangegangenen Schülervollversammlung mit dem Thema beschäftigt.
Kommentar:
Law & Order, da macht man als Ordnungsdienstvollzieher nichts falsch – und zurückrudern wird jetzt wohl niemand mehr können. Kraftverkehrsteilnehmer kann man nun mal nur sein, wenn man die Spielregeln der Straßenverkehrsordnung anerkennt (auch wenn der Eindruck in der Praxis durchaus ein anderer ist).
In gemütvolleren Gegenden hätte das Ordnungsamt vielleicht einfach die Schulleitung angerufen, damit diese den Nachwuchsrockern mal Ansage macht, dass nicht geparkt werden kann, wo nicht geparkt werden darf. Wie auch immer, nun folgt der Tragödie zweiter Akt: Wo werden sie ihre Gefährte jetzt während der Schulstunden abstellen, die lieben Schüler?
Fragt sich Ihr Thomas Beier
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Lesermeinungen (1)Ordnungsbehörden ohne Verstand
Von Bürger am 04.06.2018 - 13:28Uhr
Die Fehler der Vergangenheit wiederholen sich! Was für die einen Recht & Ordnung ist, ist für die anderen pure Eigenverwaltungslogik. Sinnlos gewordene Verwaltungsregeln, die nun mal so in der Vergangenheit beschlossen worden sind, allerdings heute aus dem Rahmen fallen.
Daran stört sich heutzutage der Bürger. Warum die Behörde hier nicht umsichtig reagieren und sich im Nachhinein nicht an einen Tisch setzen will, verschlimmert die Sache wohl umso mehr. Diesbezüglich bestätigt sich, was bisher schon bekannt war. Die Ordnungsbehörde macht mit allem Schluss was überhaupt von Interesse sein könnte, nur um dem Maxim zu folgen, ihr Recht durchzusetzen. Dabei fühlt sie sich ebenso bestätigt. Ein zurück ist wohl nur deshalb nicht möglich, weil man nicht das Gesicht verlieren will.
Schon deshalb ist wohl so wenig in der Region Oberlausitz möglich. Junges Leben bleibt weiterhin fern. So lange die Verantwortlichen nicht kapíeren, dass sie den jungen Menschen mit dem Ordnungsgehabe die Zukunft verwehren, um so weniger sollen sie sich beschweren, wenn die Leute die Region verlassen oder nur Bewährtes als bestätigt ansehen. Mitbestimmung und Gestaltung sind elementar wichtig für eine Region, in der Wandel eingeleitet werden soll. Ein bloßes sanieren von Altbauten reicht da nicht aus. Und ändern tut es an der Situation auch nichts, wenn die Ordnungsbehörde aus purem Selbstverständnis weiter Knöllchen verteilt. Tut mir leid, aber in anderen Städten hat man dafür ein offenes Ohr. Ich besuche!! gerne die Region Zittau, aber dabei bleibt es auch.
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- Erstellt am 30.05.2018 - 23:07Uhr | Zuletzt geändert am 06.06.2018 - 09:20Uhr
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