Mit Geldanlagen gegen die Inflation?

Mit Geldanlagen gegen die Inflation?Zittau, 22. September 2022. Angesichts der hohen Inflation, die wohl noch viele Monate anhalten wird, weil sie in Europa – anders als in den USA – von den Energiepreisen getrieben wird, sorgen sich viele um ihr Erspartes. Dabei hat doch Goethe schon im Jahr 1808 im Faust I einen Tipp gegeben: "Nach Golde drängt, am Golde hängt, doch alles. Ach wir Armen!"

Abb.: Der Krügerrand ist eine typische Anlagemünze

Foto: Zlaťáky, Pixabay License

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Sparkonto und Aktien versus Immobilien und Edelmetalle

Nach einer langen Niedrig- oder Nullzinsphase entwertet die Inflation nun rasant, was mit langem Atem angespart auf der hohen Kante liegt. Wer durch Sparen fürs Alter vorgesorgt hat, sieht das vielleicht wirklich mühsam Ersparte immer weiter dahinschmelzen. Andere wiederum versuchen, ihr Geld noch schnell in Sachwerten unterzubringen, was die Preise weiter in die Höhe treiben dürfte.

In dem Maße, wie die Inflation voranschreitet, schwächelt die Wirtschaft. Wer sein Geld in Aktien investiert hat, muss daher unter Umständen ebenfalls einen herben Wertverlust hinnehmen, darf andererseits auf eine wirtschaftliche Belebung hoffen, wie sie langfristig noch immer eingetreten ist – nur pleitegehen sollten die Unternehmen aus dem persönlichen Portfolio nicht.

Zwei Geldanlagen erweisen sich jedoch bislang als resistent: Immobilien und Edelmetalle. Freilich unterliegen beide Bereiche ganz eigenen Schwankungen und Risiken.

Soziale Sicherheit für Mieter zu Lasten der Vermieter

Bei Wohnimmobilien legen sich kleinere Vermieter gerade Sorgenfalten zu: Wohnungsvermieter dürfen mit den vervielfachten Gaspreisen ihre Mieter erst mit der nächsten Betriebskostenabrechnung belasten, müssen also in Vorleistung gehen – wenn der Mieter dann jedoch nicht zahlt, steigt die Last für den Vermieter weiter. Bei fristloser Kündigung kann der Mieter bis zum Vertragsende jederzeit nachzahlen und so seinen Vertrag erhalten, für den Vermieter bedeutet das jedoch, dass ein möglichst nahtloser Übergang auf einen neuen Mieter im Grunde unmöglich ist.

Angeregt durch Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) wird aktuell diskutiert, diese Schonfrist auch auf fristgerechte Kündigungen auszuweiten. Allerdings wollen sozial orientierte Wohnungsunternehmen in der Energiekrise auf Kündigungen verzichten, wenn Nebenkostenzahlungen ausstehen. Ganz vergessen wird offenbar, dass die Welt nicht nur aus Großvermietern besteht, sondern auch der gern zitierte Normalverbraucher durchaus Vermieter einer Wohnung sein kann.

Edelmetalle

Wer Geld anlegen möchte, dem werden Edelmetalle – oft Gold – in aller Regel als Teil des Portfolios empfohlen. Zwar schwankt der Goldpreis, aber ganz wertlos war das gelbglänzende Metall noch nie – im Gegenteil, immer wieder gehen Marktteilnehmer davon aus, dass der Goldwert tendenziell steigt.

Doch nicht nur das spricht für Gold: Wer im Kriegs- oder Katastrophenfall seine Koffer packen muss, kann sein Gold einpacken oder gut verstecken. Beides jedoch nicht ohne Risiko: Man kann geplündert werden oder – das Beispiel kennt so mancher, der gegen Ende des Zweiten Weltkrieges aus den Ostgebieten fliehen musste – man findet das Versteckte schlichtweg nicht wieder: Wo der Baum stand, in dessen Nähe das Porzellan vergraben wurde, steht heut ein Haus.

Ganz davon abgesehen wandeln sich Werte: Was ist das Porzellanservice von 1935 heute wirklich noch wert? Da sind Edelmetalle wie Gold, die nicht nur als Schmuck gehandelt werden, sondern für die zudem hohe technische Nachfrage etwa in der Elektronikindustrie besteht, allemal interessanter.

Im Fokus steht der Materialwert

Wer Gold als Kapitalanlage kaufen will, sollte die Finger von teurem Goldschmuck vielleicht besser lassen. Soll wieder verkauft werden, dann steht nämlich fast immer der Materialwert im Vordergrund, die Kunst des Goldschmiedes wird im Second Hand Markt oftmals nicht oder kaum vergütet. Cleverer ist es, Gold möglichst nahe am reinen Materialwert zu kaufen, etwa als Standardmünze wie den verbreiteten Krügerrand oder als Barren.

Zwar wird der Einkauf umso günstiger, je größer der Barren ist, soll das Gold jedoch in absoluten Notzeiten direkt als Zahlungsmittel verwendet werden – man denke an die Hungerwinter der Nachkriegszeit, als der Ehering gegen ein Brot über den Tisch ging –, dann sind Kleinstbarren von einem Gramm durchaus interessant.

Hintergrundwissen empfohlen

Wer Gold kaufen möchte, muss sich nach einem soliden Anbieter umsehen und sich tunlichst vor teils raffiniert aufgezogenen Fakeshops hüten – und ein wenig Hintergrundwissen kann nicht schaden. So ist etwa Gold als Schmuck regelmäßig einen Legierung, das reine Gold wäre viel zu weich. So enthält das verbreitete 333er Gold gerade mal 33,3 Prozent Feingoldanteil, das ebenfalls sehr bekannte 585er Gold bringt es auf 58,5 Prozent Feingoldanteil. Auch nach der Farbe werden die Goldlegierungen gern unterschieden, man spricht von Weißgold, Gelbgold und Rotgold.

Aufgabe der Scheideanstalten ist es, die Metalle einer Legierung wieder zu trennen. Eine Goldscheideanstalt sorgt also dafür, dass ein bestimmtes Metall – wie etwa das Edelmetall Gold – in definierter Reinheit in den Verkauf gelangt. Wenn man bedenkt, dass in eine Scheideanstalt neben unterschiedlichen Schmucklegierungen auch Zahngold und Industriegold eingeliefert werden, wird die Notwendigkeit dieses Schrittes klar. Als Feingold wird “reines Gold” mit einem Goldgehalt von 99,99 Prozent verstanden. Deshalb kann man den Begriff “Feingoldanteil” als den wirklichen Goldanteil in einer Goldlegierung verstehen.

Tafelgeschäfte wahren die Anonymität

Gute Scheideanstalten legen jedoch nicht nur auf seriöse Angebote Wert, sondern zudem auf das ”Drumherum”, sowohl was Informationen betrifft als auch die Logistik. Klar kann man Gold auch versichert versenden, doch oft genug wird das Gold persönlich zum Verkauf gebracht oder beim Kauf mitgenommen. Der Grund ist einfach: Im Goldhandel sind Tafelgeschäfte – Ware gegen Geld bei Wahrung der Anonymität des Kunden – bis 2.000 Euro möglich. Gauner könnten glatt auf die Idee kommen, sich ein wenig in der Nähe einer Scheideanstalt herumzutreiben… Deshalb bietet etwa die Moroder Scheideanstalt in Essen Parkplatze auf dem eigenen Grundstück, wohl auch historisch bedingt: Bis Januar 2020 waren solche Tafelgeschäfte noch bis 9.999 Euro möglich.

Tipp:
Wer im Ruhrpott unterwegs ist und sich für das Gold kaufen in Essen interessiert, kann sich in der genannten Scheideanstalt gegebenenfalls auch ohne vorherige Terminvereinbarung beraten lassen. Natürlich bieten auch andere Scheideanstalten einen ähnlichen Service an – vermutlich kennt Google alle.

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  • Quelle: Thomas Beier | Foto: Čeština / Zlaťáky, Pixabay License
  • Erstellt am 22.09.2022 - 16:53Uhr | Zuletzt geändert am 22.09.2022 - 17:19Uhr
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