Die geheimen Methoden der Unternehmensberater

Die geheimen Methoden der UnternehmensberaterZittau, 12. April 2021. Von Thomas Beier. Wenn man seit vielen Jahren als Unternehmensberater unterwegs ist, dann kann man was erzählen – aber man kann natürlich nicht, denn die Art von Unternehmensberatung, wie Beier Consulting sie betreibt, ist eine sehr leise und diskrete. Schon deshalb verbieten sich öffentliche Referenzangaben.

Abb.: Der Berater als Darth Vader? Ganz bestimmt nicht.

Symbolfoto: Daniel Cheung, Unsplash License

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Abkürzungsverfahren in Entwicklungsprozessen

Die Beier Consulting ist 1994 als Ausgründung entstanden und hat sich neben Existenzgründungen und Startups in den Landkreisen Bautzen und Görlitz vor allem auf den gesunden Mittelstand in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Südbrandenburg konzentriert. Freilich gehören dazu auch Tochterunternehmen bekannter Konzerne, aber die Arbeit im Mittelstand, der von "Gedacht, gesagt, getan!" – also großer Entscheidungsfreiheit – geprägt ist, macht ganz besonders Spaß. Bei Kolleginnen und Kollegen, die mit klangvollen Kundennamen werben, wird in der Branche schon mal gelästert: Ja, die haben dem Pförtner beigebracht, wo die Schlüssel hingehängt werden müssen. Beier Consulting hat sich im Netzwerk der Saxon Consulting Group immer auf die Geschäftsleitungen und Führungskräfte konzentriert, in Führungsfragen wie in der Organisations- und Strategieentwicklung insgesamt.

In der Unternehmensberatung und im Training verbietet sich nicht nur die Werbung mit Kundennamen, sondern als Berater sollte man tunlichst darauf achten, dass nicht nach außen dringt, mit welchen Methoden gearbeitet wird. Das ist kein Grund zum Argwohn, aber erklärungsbedürftig. Dabei geht es zum einen um die Kenntnis, wie Wissen und vor allem Verhaltensänderungen in Organisationen hineingetragen werden, was ja angesichts weitgehend frei verfügbaren Wissens das eigentliche Kapital einer Unternehmensberatung ist. Schon vor vielen Jahren haben wir erkannt, dass es in Beratung und Training auf Abkürzungsverfahren ankommt: Zeit ist die knappste Ressource und die Kunst besteht darin, Methoden zu entwickeln, die schnelle Ergebnisse bringen und allen Beteiligten dazu auch noch Spaß machen. Beispielsweise ist ein Seminar über Resilienz ziemlich sinnfrei, wenn nicht der Einzelne oder eine Organisation insgesamt ihre Resilienz stärkt und zugleich schaut, ob nicht besser Ursachen, die eine höhere Widerstandkraft erfordern, vermieden werden können.

Zum anderen jedoch können Außenstehende die zur Anwendung gelangenden Methoden gewöhnlich nicht interpretieren, etwa beim Ansatz des erlebnis- oder besser erfahrungsorientierten Lernens (Experiential Learning). Dahinter steckt ein wichtiges Prinzip der Wissensvermittlung: Einmal gemachte Erfahrungen kann man nicht abwehren, dafür aber auf andere Arbeits- oder Lebenssituationen übertragen. Bei der klassischen Wissensvermittlung wie im Unterricht geht das nicht so gut, weil derjenige, dem man etwas beibringen möchte, dieses auch in Zweifel ziehen oder sogar ganz ablehnen kann. Um nun gezielt Erfahrungen zu vermitteln, gibt es in der Erwachsenenpädagogik die unterschiedlichsten Methoden. In Hochseilgärten etwa, wenn sie nicht als simple Teamevents auf den Unterhaltungswert reduziert werden, kann man seine eigen Grenzen kennenlernen oder sogar erweitern. Teams finden hier schneller zu vertrauensvoller Zusammenarbeit – zwei Tage schweißen zusammen, was sonst Jahre bräuchte oder vielleicht nie gelänge. Solche Abkürzungsverfahren sind besonders wertvoll für agile Unternehmen, in denen Teams sich ständig neu konfigurieren und zu intensiver Zusammenarbeit finden müssen.

Für andere Lerninhalte kommen andere Hilfsmittel zum Einsatz; Augenbinden, Seile, Regenrinnen, Rohre, Buddelkasten-Spielzeug oder Lego-Bausteine. Für Außenstehende mages befremdlich erscheinen, wenn sich Erwachsene sehr ernsthaft damit beschäftigen, doch es geht nicht um die Hilfsmittel, sondern um die Aufgabenstellung dahinter. Schaut man sich Systeme an, die momentan im Fokus stehen wie etwa SCRUM oder das schon etwas länger bekannte Kanban, dann findet man mit LEGO SERIOUS PLAY (markenrechtlicher Hinweis siehe unten) leichter und schneller Zugang dazu, als wenn man erst das gesamte komplexe Wissen dahinter studieren müsste. Hier zeigt sich der zweite Grund, weshalb solche Lernmethoden besser nicht öffentlich werden, besonders deutlich: Die meisten Mitarbeiter hätten wohl wenig Verständnis für Bilder, auf denen ein Team oder gar die Chefetage bei der ernsthaften Beschäftigung mit Regenrinnen oder beim intensiven Spiel mit bunten Bausteinen zu sehen ist.

Der Zweck heiligt die Mittel, weiß der Volksmund – und wird gern falsch interpretiert, wenn das auf belastende oder gar grausame Mittel bezogen wird. Nein, Ziel ist es immer, erfolgreich zu bestehen, ob nun als Unternehmen, Verwaltung, Verein oder jegliche andere Organisationsform von Menschen. Auf diesem Weg ist das der eigentliche Job des Unternehmensberaters und Trainers: Know-how und Hintergrundwissen so aufbereiten, dass es von Praktikern akzeptiert und angewendet werden kann. Mit spielerischen Mitteln funktioniert das ganz wunderbar.

LEGO® und SERIOUS PLAY® sind Marken der LEGO Gruppe, der vorliegende Artikel wird nicht von der LEGO Gruppe gesponsert, genehmigt oder unterstützt.

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  • Quelle: Thomas Beier | Foto; Daniel Cheung, Unsplash License
  • Erstellt am 12.04.2021 - 06:27Uhr | Zuletzt geändert am 21.04.2021 - 21:00Uhr
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