Gunkel: Existenzängste der Zittauer Händler ernst nehmen

Gunkel: Existenzängste der Zittauer Händler ernst nehmenZittau, 2. Februar 2013 "Zittau gefährdet das Vertrauen in die Wirtschaftsförderung", bringt es Bundestagsmitglied Wolfgang Gunkel (SPD) auf den Punkt. Hintergrund ist ein Schreiben von 26 Händlern, die darin ihre Haltung zum geplanten "Fachmarktzentrum" artikuliert haben. Zittaus Oberbürgemeister Arnd Voigt hatte das jedoch unlängst in der Presse als "Einzelmeinung" eingestuft. Gunkel fragt sich nun, ob im Zittauer Rathaus (Foto) eine informationslücke besteht.

Anzeige

Gunkel sieht Ruf der Zittauer Wirtschaftsförderung gefährdet

Seit November 2011hat Gunkel die Entwicklungen rund um den geplanten Bau eines Einkaufszentrums auf der Albertstraße im Blick und erlebt durch Bürgeranfragen das Pro und Contra. Seine Einschätzungen zum vermehrten Verkehrsaufkommen - damit verbunden mehr Staus und höhere Feinstaubbelastung - sind in Gesprächen mit Fachleuten und durch den Verkehrspolitiker und Stadtrat Matthias Böhm von Anbeginn bestätigt worden.

Im Dezember 2012 hatte der Bundestagsabgeordnete auch den Zittauer Oberbürgermeister auf die mit dem Bau eines Einkaufszentrums in der beabsichtigten Größe hingewiesen. "Wenn die Verkehrs- und Handelspolitik durch den Bau des Fachmarktcenters im befürchteten Ausmaß endet, ist nicht nur ein weiterer Leerstand von Wohnungen im Zentrum zu befürchten, sondern die Innenstadtbelebung sowie die nachhaltige Entwicklung in den Bereichen Wirtschaft und Tourismus sind gefährdet", so Gunkel.

Widersprüche aufdecken

Gunkels Empfehlung ist es, erst einmal Klarheit in den Entscheidungsgrundlagen zu schaffen. So sei es überaus dringend zu prüfen, weshalb das Wirtschaftsgutachten zum Fachmarktzentrum und das ähnliche Gutachten der Projektentwickler der Mandaukaserne zu so gravierend unterschiedlichen Ergebnissen hinsichtlich der Verkaufsfläche gelangen. Gunkel hält eine objektive Analyse über den Handel in Zittau für eine wichtig Voraussetzung, um Entscheidungen zur Stadtentwicklung treffen zu können und für die Zittauer Einzelhändler Berechenbarkeit zu schaffen, die auch existenzsichernd wirkt.

Wirtschaftsstandort nicht gefährden

Für Gunkel steht fest: Sollte sich der Eindruck verstärken, dass Hinweise und Sorgen der Zittauer Händler - wie zum Beispiel von dem renommierten Zittauer Unternehmen "Euronics XXL Groß" - vom Oberbürgermeister und den Verantwortlichen seiner Verwaltung nicht ernsthaft berücksichtigt und hinterfragt werden, "so schadet das insgesamt dem Ruf der Zittauer Wirtschaftsförderung und es ist vorprogrammiert, dass weitere mögliche Investoren Zittau als Wirtschaftsstandort von Ihrer Agenda streichen."

Wolfgang Gunkel ist Polizeipräsident a. D. und Innenpolitiker und Sprecher der Landesgruppe Sachsen in der SPD-Bundestagsfraktion.


Kommentar:

Vielleicht hat sich in so manchem Verwaltungshirn ein "Wir ziehen das jetzt durch!" - den Bau des Fachmarktzentrums - festgesetzt. Liebe Leute, so macht man Demokratie kaputt: Die Wähler haben Euch doch nicht Verantwortung und Macht gegeben, dass Ihr sie gegen deren Interessen einsetzt.

Wähler sind auch die Einzelhändler der Stadt Zittau. Vermutlich existiert in den Amtsstuben von Rathaus und Wirtschaftsförderung nicht die leiseste Ahnung davon, wie hart der Existenzkampf im Einzelhandel, insbesondere für die kleineren Händler, ist.

Anstelle den großen Zittauer Pluspunkt einer gewachsenen Einzelhandelsstruktur auszuspielen, setzt man - egal, für welche architektonische Lösung man sich entscheidet - auf einen uniform-austauschbaren Handelstempel, wie er immer mehr mittlere und kleinere Städte mit allen negativen Folgen verunziert.

Heilsam wäre, wenn man Verwaltungsverantwortlichen und Wirtschaftsförderern das Gehalt auf Null setzen würde - sie müssten dann wie Selbständige agieren und würden nur den Nutzen bezahlt bekommen, den sie erzeugen.

Außerdem sollte eine städtische Wirtschaftsförderung die Wirtschaft der Stadt und nicht die von außerhalb fördern,

mein Ihr Fritz R. Stänker



Erfahren Sie mehr Hintergründe im Zittauer Anzeiger vom 30. November 2012:
Bürgerbeteiligung durch konsequente Aufklärung

Teilen Teilen
Kommentare Lesermeinungen (2)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Kein Center in Zittaus Innenstadt!

Von Peter Dorn am 08.02.2013 - 05:09Uhr
Es ist grundsätzlich zu begrüßen, dass ein Bundestagsabgeordneter sich zu dieser für die Zukunft Zittaus so entscheidenden Problematik äußert. Es gibt leider zu viele, die schweigen und viele die Angst haben, sich zu äußern. DAS ist das Schlimmste an diesem Geschehen!

Es geht also nicht nur um das vertraute heimische Stadtbild, um Denkmale und einen Lebensmittelladen im Zentrum Zittaus. Eine der wertvollsten sächsischen historischen Innenstädte mit 524 Denkmalen, Lebensqualität, Gesundheit und Demokratie müssen verteidigt werden!

Fachmarktzentrum Zittau

Von Volker Kretschmer am 02.02.2013 - 13:36Uhr
Genau diese Sorge habe ich auch: "Wir ziehen das jetzt durch" - und das ist nicht nur das Rathaus, sondern sind leider auch sehr viele Stadträte, die ohne Nöte und Wissen sich dem Fachmarktzentrum verschrieben haben.

SPD Stadtrat Zimmermann: "Es wird immer Gewinner und Verlierer geben."

CDU Stadträtin Kluttig (Direktorin a.D. eines Gymnasiums) schreibt, dass sie nicht mehr mit Gegenmeinungen konfrontiert werden will, sie folge keiner Einladung Zittauer Bürger (der der Bürgerinitiative), um ihre Argumente auszutauschen.

Schreiben Sie Ihre Meinung!

Name:
Email:
Betreff:
Kommentar:
 
Informieren Sie mich über andere Lesermeinungen per E-Mail
 
 
 
Weitere Artikel aus dem Ressort Weitere Artikel
  • Quelle: red | Fritz Rudolph Stänker | Foto: BeierMedia.de
  • Erstellt am 02.02.2013 - 07:36Uhr | Zuletzt geändert am 02.02.2013 - 09:03Uhr
  • drucken Seite drucken
Anzeige