Mehr Spielen!

Mehr Spielen!Zittau, 22. Juli 2022. Von Thomas Beier. Wer von sich behauptet, gern zu spielen, wird von vielen als nicht sonderlich ernsthafter Mensch angesehen, wenn nicht gar abschätzlich als Spielernatur oder gar krankhaft Spielsüchtiger. Dabei können spielerische Ansätze doch helfen, Herausforderungen gar nicht erst groß werden zu lassen und ganz nebenbei – eben spielerisch – zu bewältigen. Statt verbissen auf Standpunkten zu beharren, bringt der spielerische Ansatz die Diskussion wieder in Gang, ohne dass jemand sein Gesicht verliert.

Abb.: Blackgammon ist eine Mischung aus Strategie- und Glücksspiel

Foto: Steve Buissinne, Pixabay License

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Spielen schult das Denken und bringt die Mitspieler zusammen

Ausgerechnet sind es Spiele, die menschliche Verhaltensweisen zu Tage fördern und dabei oft genug jene entlarven, die behaupten stets rational und regeltreu zu handeln. Bei Beier Consulting setzen wir Spiele in der Organisationsentwicklung regelmäßig ein, denn nur mit darüber reden kann man halt keine Organisation, die auf Vertrauen, Zusammenarbeit und gegenseitiger Ergänzung beruht, entwickeln.

Doch im Gegenteil lässt sich nachweisen, dass sich Personen, Organisationen oder Staaten lieber gegenseitig vernichten anstatt nachzugeben und für beide Seiten eine neue Phase der Prospertität einzuleiten. Der Gedanke, auch wenn es dem anderen besser geht ist doch die Hauptsache, dass es mir gut geht, wird weithin nicht akzeptiert, weil sofort Neid entsteht. Wer das Miteinander entwickeln will, muss stets im Auge haben, dass es auch dem anderen gut geht – gerade dann, wenn eigene Veränderungen im Strukturwandel auch andere betreffen.

Wer spielt, macht sich ehrlich

Das Interessante an Spielen etwa für Führungskräfte und Unternehmer ist, dass man sich in jedem Spiel verhalten muss und sich dabei letztlich nicht verstellen kann. Das wird nicht benutzt, um jemanden vorzuführen, sondern als Lernmethode: Eine Erfahrung, die man einmal gemacht hat, kann man nicht ablehnen, auf herkömmlichen Wegen vermitteltes Wissen schon.

Mit Spielen lässt sich außerdem zeigen, wie es in einem Unternehmen, an dessen Erfolg alle Beschäftigten interessiert sein sollten, zu erbitterten und für das Gesamtergebnis im großen Umfange nachteiligen Konkurrenzkämpfen kommen kann. In der Realität der Wirtschaft und der Dienstleistungen sind vor allem schlecht geführte Organisationen davon betroffen, obwohl doch jeder, der Mitarbeiter führen muss, die Mechanismen kennen sollte. Letztlich lassen sich solche Vorgehensweisen der Organisationsentwicklung durch miteinander Spielen in das große Feld der Spieltheorie einordnen.

Gedankenexperimente

Wer gern mit seinen Gedanken experimentiert, kann versuchen, mit Hilfe des Glasperlenspiels, wie es Hermann Hesse in seinem gleichnamigen Roman beschreibt, Wissen aus unterschiedlichsten Gebieten zu transferieren und zu verknüpfen. Die allermeisten jedoch nutzen Spiele zur Entspannung oder um den Geist zu trainieren. Neulich haben wir bei Beier Consulting über mögliche Systematiken von Spielen diskutiert. Sicher gibt es viele davon, aber wir fanden das nachstehend beschriebene Fünf-Ebenen-Modell spannend, das kurz beschrieben werden soll.

Das Fünf-Ebenen-Modell der analogen Spielwelten

  1. Spiele mit einfachen Mitteln

    Diese unterste Ebene umfasst Spiele, die sich mit einfachen Hilfsmitteln realisieren lassen, etwa mit Seilen, Steinen oder den unterschiedlichsten Kugeln von der Murmel bis zum Fußball beispielsweise. Das zeigt, dass die Spielebenen keine Aussage über die erreichbare Komplexität eines Spiels zulassen. Auch Geländespiele, die über enorme Entfernungen stattfinden können, sowie Gruppenspiele fallen in diesen Bereich.

  2. Kartenspiele

    Kartenspiele wie Skat, Rommé, 17+4, Poker, Mau oder Uno beschäftigen mehrere Personen und können auch von Kindern schnell erlernt werden. Oft handelt es sich um typische Familienspiele, die zudem gern auf Reisen gespielt werden, weil die Spielkarten leicht mitgeführt werden können. Einige der Spiele werden teils als Glücksspiele gespielt, andere wollen Karten, speziell die Tarotkarten, für einen Blick in die Zukunft nutzen.

  3. Brettspiele

    Ähnlich wie die Kartenspiele kommen auch die Brettspiele mit unterschiedlichen Anforderungen an die Spieler daher. Während das bekannte “Mensch-ärgere-dich-nicht” meist ohne sonderliche Strategien gespielt wird, ist das bei Mühle, Schach oder Go anders.

  4. Tabletop-Spiele

    Wie der Name schon sagt, werden diese Spiele meist ohne Spielbrett, dafür oft auf der gesamten Tischplatte gespielt. In Bereichen, die sonst eher bei Computerspielen verortet werden, haben die analogen Fantasy Strategiespiele von Games Workshop mit gestaltbaren Figuren und Landschaften erfolgreich eine Nische besetzt.

  5. Spiele im Raum

    Auf Ähnlichkeiten zu Computerspielen in einer rein analogen Welt setzt man auch im TURIHALLUM der Geheimen Welt von Turisede bei Görlitz. So, wie man sich am Computer durch mehrere Level spielt, kann man sich in dem märchenhaften Gebäude in den "Neun Stufen der Weisheit" von Ebene zu Ebene spielen. Mit den üblichen klamaukigen Indoor-Spielanlagen hat diese anregende Erlebnis-Spielwelt übrigens nichts gemein.

Spielerischer Nutzen

Miteinander zu spielen, eröffnet oftmals ganz neue Herangehensweisen an Herausforderungen oder Problemlösungen, das gilt in der Wirtschaft und in der Politik, aber eben auch in der Familie, im Verein oder unter Nachbarn. Man lernt, Mitspieler besser einzuschätzen und kann sich sogar komplizierten Themen spielerisch nähern, ohne gleich bei den ersten Schritten das noch verbliebene Porzellan zu zerdeppern.

Außerdem erlaubt der spielerische Umgang mit auf den ersten Blick unbeherrschbaren Herausforderungen, unterschiedliche Aspekte und Ansatzpunkte zu erkennen – und nicht selten zeigen sich Chancen, wo man keine vermutet hätte.

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  • Quelle: Thomas Beier | Foto: stevepb / Steve Buissinne, Pixabay License
  • Erstellt am 22.07.2022 - 22:55Uhr | Zuletzt geändert am 22.07.2022 - 23:57Uhr
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