ADFC kollidiert mit Bahnhof Zittau

ADFC kollidiert mit Bahnhof ZittauDresden | Zittau, 22. Juni 2020. Fahrradabstellanlagen dienen einem guten Zweck: Sind hier möglichst viele Drahtesel abgestellt, werden die Straßen von Radfahrern entlastet. In Zittau sieht der Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Sachsen Probleme: Er hat am vergangenen Donnerstag in Dresden eine Studie veröffentlicht, wonach der Zittauer Bahnhof über zu wenig diebstahlsichere Fahrradabstellanlagen verfügt. Mit diebstahlsicheren Motorrad- und Pkw-Abstellflächen hat sich die Studie nicht beschäftigt, vermutlich besteht dort sogar noch mehr Handlungsbedarf.

Das Münsterland mit seinen einsamen Feldwegen ist ideal für Radfahrer, hier ein Eindruck aus Telgte

Foto: © Zittauer Anzeiger

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In Münster selbst, der heimlichen Radfahrerhauptstadt Deutschlands, erscheint der Anteil der radfahrenden Verkehrsteilnehmer als viel zu hoch: Sie verdrängen Fußgänger von Gehwegen und aus den Fußgängerzonen, viele Kraftfahrer stehen unter Stress und erleiden Panikattacken, weil sie ständig damit rechnen müssen, von Radfahrern oder Radfahrerinnen gerammt zu werden. Außerdem befördern die vielen herumstehenden Fahrräder den Fahrraddiebstahl und damit die Kriminalität insgesamt

Foto: © Zittauer Anzeiger

Der ADFC erteilte dem Zittauer Bahnhof in Bezug auf die Fahrradabstellmöglichkeiten nur die Schulnote 5, Begründung: Er verfüge mit zehn Bügeln und sechs fahrradgerechten Vorderradhaltern über deutlich zu wenig Abstellmöglichkeiten. Hinzu kommen 27 einfache Vorderradhalter, die der ADFC jedoch als "keinesfalls diebstahlsicher" ansieht. Allerdings bewegt sich Zittau in Umfeld des sächsischen Durchschnitts, der im Notendurchschnitt bei 4,5 liegt.

Nach ADFC-Einschätzung stehen nur in Zittau-Süd und in Hirschfelde genügend hochwertige Fahrradparkmöglichkeiten zur Verfügung – der Haltepunkt Zittau-Vorstadt hingegen biete gar keine Abstellmöglichkeit.

Janek Mücksch, Vorstandsmitglied des ADFC Sachsen, sieht für Zittau viel Verbesserungspotential: "Fahrradabstellanlagen kosten wenig Geld, sind sehr platzsparend und erhöhen den Einzugsradius von Bahnhöfen enorm." Anzumerken ist, dass die Erhebung einer Fahrradsteuer, die allein den Kommunen zugute kommt, die Situation schlagartig verbessern könnte. Dessen ungeachtet sagt Mücksch: "Die Stadtverwaltung und der Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien ZVON müssen jetzt schnell handeln und die Zittauer Stationen mit hochwertigen Fahrradabstellanlagen ausstatten. Vor allem der große Bahnhof hat das Potential für eine Fahrradstation. Erfahrungsgemäß werden neue Angebote gut angenommen", und setzt prophetisch hinzu: "Das Fahrgastaufkommen der Bahn steigt, wenn es gute Fahrradständer gibt."

Nach Darstellung des ADFC bestehen kommunale Fördermöglichkeiten zur Genüge, denn bis 2022 will das Bundesumweltministerium gemeinsam mit Kommunen und Bahn mit einer "Bike+Ride-Offensive" deutschlandweit 100.000 zusätzliche Bike+Ride-Plätze errichten. "Während andere deutsche Städte das Förderprogramm nutzen, beteiligt sich in Sachsen bisher keine einzige Kommune daran", so der ADFC in einer Mitteilung. In der heißtes weiter: "In vielen anderen sächsischen Städten ist die Situation ähnlich problematisch wie in Zittau. Rund 40 Prozent der Haltepunkte im Freistaat verfügen über keine Abstellanlagen und bei weiteren 20 Prozent sind sie äußerst mangelhaft."

Aber aus Sicht des ADFC sind auch Lichtblicke vorhanden: Etwa 20 Prozent der sächsischen Bahnhöfe erreichen nach seiner Einschätzung die Schulnote 1 oder 2, weil auf mindestens jeden zehnten Fahrgast eine überdachte und diebstahlsichere Anlage komme. Erhebliche Unterschiede gebe es jedoch zwischen den Landkreisen: Während im Landkreis Görlitz die Durchschnittsnote bei 4,3 liegt, wurden die Abstellanlagen im Landkreis Bautzen im Mittel mit Note 3,6 bewertet – hier verfügen 42 prozent der Bahnhöfe über gute Fahrradständer.

Die Bike+Ride-Studie des ADFC Sachsen bewertete sowohl Qualität als auch Quantität von Abstellanlagen aller 521 sächsischen Bahnhöfe. Um gute Noten zu erreichen, müssen nach ADFC-Meinung Fahrradparkanlagen vor allem so gestaltet sein, dass man Fahrradrahmen sowie Vorder- oder Hinterrad gut anschließen kann. Einfache Vorderradhalter sind dagegen nicht diebstahlsicher und können die Felge schädigen. Der ADFC empfiehlt, dass auf jeden siebenten Fahrgast eine diebstahlsichere und überdachte Abstellanlage kommen sollte. Idealerweise sollte außerdem bei größeren Bahnhöfe jeder 200. Fahrgast das Fahrrad in einer Fahrradbox, einem Parkhaus oder einer Sammelschließanlage unterbringen können. Die Bahnhöfe in Neukieritzsch, Delitzsch und Oschatz sind die einzigen Bahnhöfe im Freistaat, die diese beiden Kriterien erfüllen.

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  • Quelle: red | Fotos: © Zittauer Anzeiger
  • Erstellt am 22.06.2020 - 12:44Uhr | Zuletzt geändert am 22.06.2020 - 13:28Uhr
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