Wie Blut motiviert

Wie Blut motiviertZittau, 28. September 2022. Von Thomas Beier. Blut – wohl kein anderer Stoff ist emotionsgeladener als diese Flüssigkeit, der die Farbe Rot ihre Signalwirkung verdankt. "Blut ist ein ganz besonderer Saft", lässt Goethe den Mephistopheles sprechen, als Faust den Pakt mit ihm mit einem Tröpfchen Blut unterzeichnen soll. "Blut!" ist jedoch auch das erste Wort und der erste Satz in Astrid Lindgrens Kinderbuch "Meisterdetektiv Blomquist" – kann eine Geschichte spannender beginnen?

Abb.: Blutuntersuchung im Labor

Foto: tomwieden, Pixabay License (Bild bearbeitet)

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Blut als Zugang zur Diagnose

Hinweis: Erstellen Sie keine eigenen Diagnosen ohne Konsultation eines Arztes oder Apothekers.

Natürlich spielt der "besondere Saft" in der Medizin eine überaus wichtige Rolle. Will ein Arzt sich ein Bild vom Status eines Patienten machen, kommt schnell das Blutbild als kleines oder großes Blutbild ins Spiel, das eine Vielzahl von Indikatoren zum Gesundheitszustand umfasst. Diese stellen Anhaltspunkte dar, die bei Auffälligkeiten weitergehende Untersuchungen nach sich ziehen können.

Obgleich es Normalwerte gibt, sollte die Interpretation von Abweichungen stets dem Arzt überlassen werden, der beispielsweise tageszeitliche und saisonale Schwankungen bei bestimmten Werten berücksichtigt. Zugleich obliegt ihm die Entscheidung über medizinische Maßnahmen. Oftmals ist jedoch zu allererst eine Änderung des Lebensstils angezeigt, etwa mehr Bewegung und weniger Konsum von Zucker und Alkohol.

Alles bestens – und doch stimmt etwas nicht

Doch nicht alle Gesundheitsrisiken zeigen die Blutwerte direkt an. Ein Beispiel dafür ist die sogenannte “latente Azidose”, ein Warner vor einer lebensbedrohlichen Übersäuerung des Blutes. Das Problem ist eng mit der modernen Zivilisation verbunden, tritt aber nicht als Erkrankung zutage – und wenn, dann sollte – nämlich im Falle einer Übersäuerung (Azidose) des Blutes – der Rettungsdienst verdammt schnell sein.

Bevor es dazu kommt, ist meist die “latente Azidose” der Indikator. Sie besagt, dass der Puffer an Basen, mit dem der Säurehaushalt im Körper geregelt wird, abnimmt, bis einer Übersäuerung nichts mehr entgegengesetzt werden kann. Konkret können durch die mangelnde Pufferkapazität von Blut infolge des gestörten Säure-Basen-Haushalts etwa lokale Gewebeübersäuerungen begünstigt werden.

Folgen kommen nicht von ungefähr

Was für Laien als "lokale Gewebeübersäuerung" reichlich abstrakt klingt, kann sich sehr konkret äußern, etwa in mangender Durchblutung, die zu Lähmungserscheinungen, Empfindungsverlust, Verwirrtheit, Schwindelgefühlen, Sehstörungen und anderem mehr führen kann. Andere mögliche Folgen der Gewebeübersäuerung sind der Schlaganfall, der Herzinfarkt, der Knochenschwund, der Rückgang des kollagenen Bindegewebes, das die Organe stützt, die Minderung der Bauchspeicheldrüsentätigkeit und anderes mehr.

Entgegen naiver Ansichten kommen plötzliche oder schleichende Beeinträchtigungen also nicht "von allein", sondern haben eine Vorgeschichte. Die kann bei der latenten Übersäurung wie bei vielen sogenannten Zivilisationskrankheiten beispielsweise mit der Umstellung der Ernährung auf Fast Food, dem einsetzenden regelmäßigen Konsum von Genussgiften, dem Erlahmen der körperlichen Bewegung zugunsten der Sitzfleischbeanspruchung der Wirkung von negativem Stress beginnen.

Während also der Säuregehalt des Blutes noch völlig normal ist, müssen immer mehr Basen aus dem Puffer abgegeben werden, um den pH-Wert – die Abkürzung für die potentia hydrogenii ist die Maßeinheit für den sauren oder basischen Charakter einer Flüssigkeit – zu stabilisieren. Diese Pufferkapazität kann im Labor bestimmt werden und gibt dem Arzt Auskunft über gesundheitlich Risiken. Interessant ist aus medizinischer Sicht nicht nur der Säuregehalt im Blut, sondern vor allem der in den Zellen.

Verbesserte Blutwerte können den Patienten motivieren

Das große Blutbild mit seiner Vielzahl von Werten dient dem Arzt als Grundlage für weitere Untersuchungen, Medikamentengaben oder Verhaltensempfehlungen, für den Patienten jedoch stellt es ein große Motivation dar, wenn sieht, wie sich Ernährungs- und Verhaltensumstellungen oft schon binnen weniger Wochen auswirken. So lassen sich unter ärztlicher Begleitung manche Auffälligkeiten unter Umständen binnen eines Jahres korrigieren – ganz ohne weiteres ärztliches Zutun oder Umsatz für die Pharmaindustrie.

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  • Quelle: Thomas Beier | Foto: Grevenbroich/NRW / tomwieden, Pixabay License
  • Erstellt am 28.09.2022 - 14:22Uhr | Zuletzt geändert am 28.09.2022 - 15:02Uhr
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