Auf den Spuren der NS-Verbrechen in Zittau

Auf den Spuren der NS-Verbrechen in ZittauZittau, 18. Oktober 2019. Mit einer Demonstration am 9. November 2019 will das Aktionsbündnis "Zittau ist bunt" der Opfer der NS-Verbrechen gedenken und mahnend an die Folgen faschistischer Herrschaft erinnern. Am 9. November 1938 ließen sich "Deutsche" in ganz Deutschland von den Nazis dazu anstiften, die Synagogen niederzubrennen. Diese Novemberpogrome – lange Zeit verharmlosend als "Reichskristallnacht" bezeichnet – waren der Beginn des systematischen Mordes an Millionen von Juden. Der nationalsozialistischen Verfolgung, Haft und Ermordung ausgesetzt waren ebenso politisch Andersdenkende, Homosexuellen und Menschen mit Behinderung.
Abbildung oben: Die Zittauer Friedensglocke am 12. November 2018 auf dem Zittauer Markt, kurz bevor sie ihren Platz im Turm der Johanniskirche erhielt

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Wo faschistische Ideologie hinführt

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Auch in Zittau lassen sich noch immer viele Orte oder sogar Spuren des Nationalsozialismus finden. Mit der Begründung, dass mit den letzten Wahlen erneut nationalistische Kräfte in die Parlamente eingezogen sind, ruft "Zittau ist bunt" nun auf, gemeinsam der Opfer der NS-Verbrechen zu gedenken und mahnend darüber zu informieren, was passiert, wenn faschistische Ideologien an die Macht kommen.

Dies ist am 9. November 2019 an hier möglich:

    • 17 Uhr:
      Gedenkdemonstration auf den Spuren der NS-Verbrechen
      Start auf dem Marktplatz, 02763 Zittau

    • 18.30 Uhr:
      Tag der Besinnung zur Demokratie und Friedfertigkeit
      Ehemalige Synagoge, Lessingstraße 12, 02763 Zittau

    • 19.30 Uhr:
      Konzert und Lesung: Europäische Musik jüdischer Komponisten
      Wächterhaus, Innere Weberstraße 16, 02763 Zittau

Das Aktionsbündnis "Zittau ist bunt" ist ein Zusammenschluss von Vereinen, Initiativen und Parteien aus der Region. Unter dem Motto "Vielfalt ist unsere Stärke" werden immer wieder Aktionen organisiert, um Zeichen für Toleranz und menschliches Miteinander zu setzen.

Mehr:
Ausstellung Jüdische Spurensuche, Neue Synagoge Görlitz, Görlitz 2010



Kommentar:

Die Zeitzeugen-Generation, die in die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland hineingewachsen ist und das Glück hatte, den von den Nazis angezettelten Weltkrieg zu überleben, ist im Aussterben begriffen. Wie also umgehen mit deren Erbe, mit dem, was sie aus dem erlebten Nationalsozialismus an bitterer Erfahrung gelernt haben?

Dass eine ganze Generation weitgehend blind in den Nationalsozialismus hineingewachsen ist, kann man diesen Leuten kaum vorwerfen. Vorwerfen muss man aber, wenn sie für ihr Tun, besonders bei begangenen Verbrechen, persönliche Verantwortung ablehnen. Vorwerfen muss man, wenn sie nicht an ihre Kinder weitergegeben haben, wie sie in die nationalistische Ideologie hineingeschlittert sind und welche Auswirkungen das hatte.

Ich glaube, jedem Menschen steht es frei, einmal im Leben seinen Mantel zu drehen, wie man so schön sagt – nicht etwa in den Wind, der gerade weht, wie es die Wendehälse taten, sondern vielmehr aus gewachsener eigener Erkenntnis, so wie deutsche Soldaten des Zweiten Weltkriegs, die später sagten "Wir haben einer schlechten Sache gedient" oder "alles andere ist besser als der verfluchte Krieg"; Krieg lässt Menschen vertieren.

Zum Menschsein gehört es, Gedenken zu bewahren, als Ehrung, als Warnung, zum Menschsein gehört übrigens auch Vergebung als Grundlage für ein friedliches und gedeihliches Zusammenleben. Menschen zeichnet es jedoch nicht aus, wenn sie andere ausgrenzen oder auf das Recht des Stärkeren setzen, das können nämlich alle Säugetiere.

Thomas Beier

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  • Quelle: red | Kommentar: Thomas Beier
  • Erstellt am 18.10.2019 - 07:39Uhr | Zuletzt geändert am 18.10.2019 - 08:30Uhr
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