Werkzeugmacher: Wer ist mehr?

Werkzeugmacher: Wer ist mehr?Zittau, 30. März 2021. Von Thomas Beier. Berufe wandeln sich, sowohl in ihren inhaltlichen Anforderungen als auch in ihren Bezeichnungen. Andererseits: Bestimmte Grundfertigkeiten werden auch heute eingefordert, etwa beim Beruf des Werkzeugmechanikers. Wer diesen Beruf erlernt, wird mit den Jahren oftmals zum gefragten und unentbehrlichen Spezialisten, denn Erfahrung spielt eine große Rolle. Ähnliche Berufsbilder sind der Feinwerktechniker und der Mechatroniker. Wer sich für einen Ausbildungsplatz entscheiden muss und technisch interessiert ist, findet hier eine vielseitige Tätigkeit. Geschick in der Handarbeit und ein ausgepägtes Vorstellungsvermögen gehören zum Beruf wie auch das Bedienen unterschiedlichster Maschinen. Für die berufliche Weiterentwicklung bieten sich mehrere Ansätze, etwa durch fachliche Weiterbildung im CNC- oder CAD-Bereich oder die Fortbildung zum Meister oder Techniker.

Abb.: Mit dem Siegeszug der Werkzeugmaschinen wurden die dafür benötigten Werkzeuge immer komplizierter und es entstand das Berufsbild des Werkzeugmachers

Foto: Ralph, Pixabay License

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Maschinen haben übernommen, was früher von Hand hergestellt wurde

Eigentlich sind die heutigen Werkzeugmechaniker ja Werkzeugmacher, ein Beruf, der in der alten metall- und besonders in der blechverarbeitenden Industrie den Adel unter den Arbeitern darstellte. In der Bundesrepublik sind die Werkzeugmacher 1987 als Ausbildungsberuf in Werkzeugmechaniker umbenannt worden, in der "DDR" wurden von 1970 bis 1985 Facharbeiter für Fertigungsmittel ausgebildet, ehe man sich rückbesann und und in der Ausbildung die altehrwürdige Berufsbezeichnung Werkzeugmacher wieder einführte.

Wer in der früheren Sowjetischen Besatzungszone, “DDR” genannt, in den späten Siebzigerjahren den Beruf des Werkzeugmachers – sorry, damals Facharbeiter für Fertigungsmittel – erlernte, durfte sich durchaus 50 Jahre zurückversetzt fühlen, das jedenfalls war der technologische Stand in vielen Betrieben. Die Aluminiumteile für die weltberühmten Fotoobjektive aus Görlitz – Tipp: Museum der Fotografie in Görlitz – entstanden teils auf Drehmaschinen aus der Kaiserzeit!

Lob der Handarbeit

Nun, wenn man’s nicht mehr ändern kann, muss man nach dem Guten fragen, das die Umstände mit sich brachten. Was heute großenteils von CNC-Maschinen – also, einfach gesagt, computergesteuerten Fräs- und Bohrmaschinen – erledigt wird, musste damals von Hand oder in Handbedienung an relativ einfachen Maschinen hergestellt werden. Wer etwa ein Schnittwerkzeug zum Ausstanzen von Unterlegscheiben zu bauen hatte, sägte die dafür nötigen Stahlplatten erst einmal an der Bandsäge aus.

Wie gesagt: Was nicht direkt von Hand gemacht werden konnte, erfolgte in Handarbeit an Maschinen, so das Drehen, Fräsen, Hobeln, Bohren und Schleifen. Mit einfachen Handfeilen wurde teils bis auf den tausendstel Millimeter genau gearbeitet. Dazu wurde die Feile mit Kreide eingerieben, damit sie möglichst wenig abträgt. An Hobel- und Fräsmaschinen wurden die Werkstücke mit Stücken alter Sägeblätter aus Metallsägen festgespannt. So wurden die Teile nicht einfach nur fixiert, sondern zugleich nach unten gedrückt.

Handarbeit ist faszinierend und das sprichwörtliche “mit seinen Händen etwas anfangen können” hat tiefen Sinn. Vielleicht wiederholt die Hillersche Villa im Kronenkino einmal das Filmspecial “Der Letzte seines Standes”, in dem Drechsler, Nagelschmiede, Kupferstecher und andere aussterbende Handwerksberufe vorgestellt wurden. "Das Geniale, Einfache, Naheliegende, über Jahrhunderte erprobte, zu überdenken, möglicherweise in unsere Zeit zu übertragen, dazu wollen die Filme anregen", lautete damals die Ankündigung im Zittauer Anzeiger.

Ein bisschen Spaß muss sein

Werkzeugmacher sind immer für einen Spaß zu haben und wer wäre geeigneter dafür, veralbert zu werden, als die Lehrlinge, heute Azubis genannt? Gern wurden Sie an die Material- und Werkzeugausgabe geschickt, um etwas zu holen, das die gestandenen Kollegen und Kolleginnen – auch die gab es im Werkzeugbau – hochgradig amüsierte. Berühmt waren etwa die "Glühbirne für die Getriebebeleuchtung", das "Feilenfett" oder die "Schleifseife" für die Schleifmaschine.

Fies war es auch, den ahnungslosen Lehrbuben – Mädchen waren damals in technischen Berufen noch selten – mit einer normalen Feile ein Aluminiumteil bearbeiten zu lassen. Weshalb? Aluminium "schmiert" und ehe man sich’s versieht, sind die Feilenhiebe zugesetzt und das Werkzeug ist gebrauchsunfähig. Aber auch gegenseitig gab es viel Schabernack: So kam es nicht nur einmal vor, dass die Arbeitsschuhe am Boden verschraubt waren oder der Arbeitskittel, während der Kollege in seine Arbeit vertieft war, im nächsten Schraubstock festgeklemmt wurde – und das, obwohl selbstverständlich schon damals der Arbeitsschutzgrundsatz "Spielereien, Neckereien und Zänkereien sind zu unterlassen" galt.

Ohne Gespür fürs Material geht es nicht

Heute freilich ist das alles anders: Die Präzisionsbearbeitung erledigen Maschinen – und dennoch: Auch die modernen Werkzeugmechaniker und ausdrücklich auch -mechanikerinnen brauchen ein gutes Materialgespür. Es ist halt ein Unterschied, ob ein zäher Manganstahl, ein sogenannter Ölhärter, zu bearbeiten ist oder ein Kohlenstoffstahl als Luft- oder Wasserhärter oder ein einfacher Baustahl. Deswegen steht am Anfang der Ausbildung zum Werkzeugmechaniker stets das Feilen, das neben den nötigen Bewegungsabläufen vor allem Erfahrungen mit dem Material vermittelt.

Auch wenn es um Buntmetalle wie Messing, Bronze oder Aluminium geht, sind Spezialkenntnisse und viel Erfahrung gefragt. Wer etwa Aluminium fräsen, drehen oder bohren will, sollte die unterschiedlichen Qualitäten kennen und wissen, wie sich das Material verhält, wenn es sich bei der Zerspanung erhitzt. Hintergrund: Aluminium nicht gleich Aluminium, denn das Element wird beispielsweise mit Silizium, Mangan, Kupfer, Zink und Magnesium legiert, etwa um gewünschte Festigkeitseigenschaften zu erreichen. Bestimmte Aluminiumlegierungen lassen sich sogar aushärten, ohne diese EIgenschaften wären etwa moderne Verkehrsflugzeuge undenkbar.

Für Alufelgen, wie sie im Landkreis Görlitz produziert werden, wird eine Aluminium-Silizium-Legierung verwendet. Diese Legierung ist einerseits gut gießbar, wozu geringe Anteile an EIsen und Kupfer beitragen, andererseits fest genug für den Einsatzzweck. Die im Leichtmetall-Druckguss hergestellten Felgen müssen erst noch spanabhebend bearbeitet und schließlich versiegelt werden, damit sie wirklich für viele Jahre “was her machen”. Andere setzen auf Warm- und Kaltumformprozesse für Aluminium bei der Felgenherstellung. Bei allen Bearbeitungsprozessen sind Werkzeuge im Spiel, also Werkzeugmechaniker beteiligt.

Metall- und Kunststoffverarbeitung ohne Werkzeuge undenkbar

Zittau darf man getrost als ein Zentrum des Werkzeugbaus bezeichnen, viele der hier ansässigen Unternehmen genießen in der Region und darüber hinaus einen sehr guten Ruf, ob nun HAVLAT oder PRAGMA in Zittau oder HKM in Neusalza-Spremberg, um nur einige Beispiele zu nennen. Wer sich für einen technischen Beruf interessiert, für den könnte der Werkzeugmechaniker genau die richtige Wahl sein. Man kann ja mal hier für Zittau auf jobs-oberlausitz.de nachsehen, was sich so anbietet.

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  • Quelle: Thomas Beier | Foto: Capri23auto / Ralph, Pixabay License
  • Erstellt am 30.03.2021 - 06:48Uhr | Zuletzt geändert am 30.03.2021 - 08:11Uhr
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