Rache und Rokoko im Theater

Zittau, 3. April 2013. Mozart! Aus Mozart hat Peter Shaffer "Amadeus" gemacht, ein "Rachedrama im Rokokogewand". Opulent ausgestattet kommt die Großproduktion dennoch nur sieben mal auf die Zittauer Bretter des Gerhart-Hauptmann-Theaters. Eines der erfolgreichsten Theaterstücke des 20. Jahrhunderts. Luxus.

Anzeige

Niemand muss sich die Mozartkugel geben

Wie unvoreigenommen könnt´ man sich der Story nähern, hätte Milos Forman dem Shafferschen Stoff nicht schon das oscargekrönte Denkmal gesetzt.

Rekapitulieren wir also: Das 18. Jahrhundert neigt sich seinem Ende zu, als der junge und ehrgeizige Antonio Salieri (Christian Ruth) seinen Pakt mit Gott schließt: Voller Tugend will er sein, wenn Gott ihn - einem Kuhhandel gleich - zu einem großen Komponisten macht. Salieris Ansinnen scheint Gehör zu finden - rasant steigt er zum erfolgreichen Kapellmeister am Wiener Hof auf, die Tore der Gesellschaft öffnen sich ihm.

Doch Gott hält es nicht allein mit seinen frommen Dienern: Salieris Weg zum Ruhm wird gebremst durch Mozart (Stefan Sieh), das seit Kindheitstagen umjubelte Genie. Ungleich ist der Wettstreit: Während Salieri wohlhabend, aber an der eigenen Mittelmäßigkeit leidend, den Kampf mit Gott aufnimmt, geht Mozart verarmt und unsterblich zugrunde.

In Szene gesetzt wird das packende Drama um Mord und Musik von Michael Funke (sorgte zuletzt mit seiner Bautzener "Märtyrer"-Inszenierung für Aufsehen). Den Rokoko auf die Bühne holte die Bühnen- und Kostümbildnerin Elżbieta Terlikowska-Misiak (stattete in Zittau unter anderem "Die Zimtläden" aus).

Zehn Statisten bringen die große Wiener Hofgesellschaft auf die Bühne. Last not least: Die musikalische Umsetzung verantwortet Steffan Claußner (wie schon beim Renner "Romeo und Julia auf der Abbey Road").

Sogar die Deutung, dass Mozart in seiner Zeit ein Vorkämpfer von Rock´n´Roll und Punk war, bringt die Zittauer Inszenierung dem Publikum vorsichtig nahe. Doch niemand muss sich die Mozartkugel geben: Selbstverständlich stehen seine klassischen Kompositionen im Vordergrund des Hörbaren. stehen. Dafür sorgt auch Sopranistin Manuela Fraikin, die Mozarts Arien singt.

Fleiß versus Genius

Was Peter Shaffer aufgeschrieben hat, ist nicht nur spannend, sondern auch noch witzig. Die Kontrahenten Salieri und Mozart sind der Musizi voller Leidenschaft ergeben, einer voller Fleiß und Entsagung, der andere unkonventionell und genial. Obgleich Salieri sich Mozarts Musik nicht entziehen kann und sie in den Tiefen seiner Seele klingt, würgt ihn doch der Neid so sehr, dass er Mozart bekämpft. Theater!

Der 1926 geborene Peter Shaffer ist dem Publikum des Gerhart-Hauptmann-Theaters durch seine "Komödie im Dunkeln" kein Unbekannter. "Amadeus" ging am Broadway mehr als tausend mal über die Bretter.

Nun folgen sieben Aufführungen in Zittau. Ende Mai ist alles vorbei.

THEATER ZITTAU


Sa., 06.04.2013, 19:30 Uhr – PREMIERE
Mi., 10.04.2013, 19:30 Uhr – STUDENTENTAG
Sa., 13.04.2013, 19:30 Uhr
So., 14.04.2013, 15:00 Uhr
Fr., 19.04.2013, 19:30 Uhr
Do., 30.05.2013, 19:30 Uhr – LETZTMALIG!

Besetzung:

Regie: Michael Funke
Bühne/Kostüme: Elżbieta Terlikowska-Misiak
Dramaturgie: René Schmidt
Musik: Steffan Claußner
Regieassistenz: Silke Johanna Fischer
Inspizienz: Uwe Körner
Soufflage: Ulrike Feigel
Produktionshospitanz: Stefanie Witzlsperger
Stückbetreuender Techniker: Mathias von Schaewen

Darsteller:

Antonio Salieri: Christian Ruth
Wolfgang Amadeus Mozart: Stefan Sieh
Constanze Weber, seine Frau: Charlotte Kintzel
Joseph II.: Philipp von Schön-Angerer
Graf von Strack: Detlef Lux
Graf Orsini-Rosenberg: Marko Bullack
Baron van Swieten: Wolfgang Adam
Kapellmeister Bonno: Torsten Kaiser
Zwei Venticelli: David Thomas Pawlak, Martin Valdeig
Katharina Cavalieri: Manuela Fraikin
Teresa Salieri: Silke Johanna Fischer
Statisterie

Karten kosten im Vorverkauf ab 14 Euro, ermäßigt 12 Euro.

Kommentare Lesermeinungen (0)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Schreiben Sie Ihre Meinung!

Name:
Email:
Betreff:
Kommentar:
 
Informieren Sie mich über andere Lesermeinungen per E-Mail
 
 
 
Weitere Artikel aus dem Ressort Weitere Artikel
  • Quelle: red | Fotos: Gerhart-Hauptmann-Theater / Olaf Hais
  • Erstellt am 03.04.2013 - 22:51Uhr | Zuletzt geändert am 03.04.2013 - 23:30Uhr
  • drucken Seite drucken
Anzeige