Kunsthandwerk und Handwerkskunst

Kunsthandwerk und HandwerkskunstZittau, 22. Juni 2022. Das Kunsthandwerk hat in Sachsen eine großartige Tradition, auch in Zittau finden sich viele Zeugnisse, wie etwa ein Besuch im Kulturhistorischen Museum Franziskanerkloster zeigt. Doch reicht diese Tradition bis in die Gegenwart?

Abb.: Der heute fast ausgestorbene Beruf des Drechslers ist ein Vertreter der traditionellen Handwerkskunst

Foto: Hessel Visser, Pixabay License

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Von der Kunstgewerbeschule zum modernen Handwerksbetrieb

Für die Qualität des sächsischen Kunsthandwerks steht etwa die 1875 in Dresden gegründete Königlich Sächsische Kunstgewerbeschule, die 1920 zur Staatlichen Akademie für Kunstgewerbe umgewandelt und damit einer Dresdner Kunstakademie gleichgestellt wurde. 1950 kam die bemerkenswerte Einrichtung unter die Fittiche der renommierten Hochschule für Bildende Künste Dresden (HfBK).

Aus der Kunstgewerbeschule gingen bildende Künstler, Architekten und beispielsweise Modegestalter hervor. Auch die Volkskunst wurde von der hochwertigen Ausbildung beeinflusst. Längst hatte sich das auch Kunsthandwerk genannte Kunstgewerbe zu einer eigenen Sparte zwischen dem Handwerk und den freischaffenden Künstlern entwickelt, wobei von der Kunstgewerbeschule beide Seiten profitierten.

Kunstsinn und handwerkliches Geschick

Diese verbindende Qualifikation kommt heute, so der Eindruck zu kurz: Handwerker verstehen sich oft eher als Techniker mit eben handwerklichen Qualitäten. So manche Künstler schauen jedoch ein wenig auf die nach ihrer Meinung profanen Handwerker herab.

Dabei stünden doch immer wieder dem Handwerk mehr Kunstsinn und den Künstlern mehr handwerkliches Geschick gut zu Gesicht. Wäre es nicht eine Chance für die Zittauer Kultur- und Kreativwirtschaft, sich für eine neue Annäherung an das Handwerk zu engagieren?

Einflussfaktor Kunde

In der Praxis ist jeweils die volle Bandbreite zu erleben. Wenn es nicht gelingt, fachgerechte Lösungen mit mit Ästhetik zu verbinden, dann liegt das allerdings nicht unbedingt am Handwerker, vor allem dann, wenn sich dieser dem Bauherren beugen muss.

Anbieter kennen die Schwierigkeit, einem Auftraggeber eine unvorteilhafte Lösung wieder auszureden: Groß ist die Gefahr, den Auftrag bei dieser Gelegenheit zu verlieren. Hier erfordert es geradezu Verhandlungsgeschick, einen Kunden zu einer besseren Lösung zu bewegen – am besten so, dass er meint, selbst darauf gekommen zu sein.

Einfacher ist es, wenn man sich als kunstnaher Handwerker auf einem lokalen Handwerkermarkt präsentieren kann. Hier lässt es sich gegebenenfalls recht einfach Kunden gewinnen: Neben dem Direktverkauf kann man mit etwas Geschick auch zugeschnittene Bestellungen akquirieren.

Malerbetrieb als Beispiel

Einer der Handwerksberufe, in denen Gestaltungsfragen eine besondere Rolle spielen, ist der des Malers beziehungsweise selbstverständlich noch mehr des Malermeisters. Vieles an Grundwissen, was bei Kunden in aller Regel nicht vorhanden ist, kommt hier zusammen. Dabei geht es um die Wirkung von Farben und Helligkeiten auf die Stimmung oder den Eindruck von der Größe eines Raumes. Nicht weniger wichtig sind Kenntnisse aus der Farbchemie, etwa mit welchen Untergründen sich Farben vertragen und mit welchen nicht.

Kam jemand weiß etwa, dass die Farbe, mit der die Oper von Sydney, der Buckingham-Palace und das Weiße Haus in Washington gestrichen sind, aus Deutschland kommt. Beim Weißen Haus allerdings erfolgt die letzte Farbmischung bei einem Tochterunternehmen in den USA, damit – wohl eine Frage der political correctness – zum Schuss "Made in USA" auf den Farbeimern steht. den durchaus spannend-amüsanten Hintergrund erzählt in der Augsburger Allgemeinen der Geschäftsführer der Keimfarben GmbH aus Diedorf Hermann Schläffer.

Do-It-Yourself versus Profiarbeit vom Meisterbetrieb

Malerarbeiten gehören zu jenen Handwerkertätigkeiten, die im Privatbereich zum Selbermachen verleiten. Wenn Heimwerker bei Malerarbeiten nach der Do-It-Yourself Methode zu Werke gehen, spart man zwar zunächst die Kosten für den Profibetrieb ein, oft genug aber zu Lasten des Ergebnisses in Qualität und Haltbarkeit.

Eine weitere Rolle spielt es, professionelle Markerwerkzeuge verwenden zu können. Wer meint, das ginge auch behelfsmäßig, der sollte überlegen, warum es wohl eine Meisterausbildung in diesem Handwerk gibt. Mit dem Auftrag neuer Farbe ist es oft nicht getan, oft beginnen Malerarbeiten mit der fachgerechten Vorbereitung des Untergrundes. Auch die steigende Sensibilität in Umweltfragen will beachtet sein.

Die besten Fachleute in der Malerbranche bleiben auch über die Meisterausbildung hinaus am Ball. Innen- und Außenarchitektur, Raumgestaltung und eben auch die technisch-chemischen Zusammenhänge sind ein riesiges Reservoir für die permanente Weiterbildung.

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  • Quelle: TEB | Foto: HesselVisser / Hessel Visser, Pixabay License
  • Erstellt am 22.06.2022 - 13:35Uhr | Zuletzt geändert am 22.06.2022 - 14:23Uhr
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