Deutsche Abfallwirtschaft ist entwicklungsfähig

Deutsche Abfallwirtschaft ist entwicklungsfähigZittau, 21. März 2017. Die Abfallentsorgung ist ist Landkreis Görlitz, nicht zuetzt dank der Entsorgungsgesellschaft Görlitz-Löbau-Zittau mbH, sehr gut organisiert. Doch wie hat sich die Abfallwirtschaft in Deutschland insgesamt entwickelt? Die gute Nachricht ist, dass sich die deutsche Abfallwirtschaft seit den 1990er Jahren stark gewandelt hat. Es fallen weniger nichtverwertbare Abfälle an, es wird mehr aufbereitet und wiederverwertet. Die schlechte Nachricht ist, dass das Abfallvolumen insgesamt steigt, diese Tendenz wohl auch künftig zu sehen ist und viele Gebrauchsmaterialien nicht unendlich oft aufbereitet werden können.
Abbildung oben: Computerschrott entsteht vielfach als Folge des technischen Fortschritts. Für Elektronik ist die Recyclingtechnologie fortgeschritten und erlaubt die Rückgewinnung von wertvollen Ausgangsmaterialien.

Mehr Abfall, aber auch mehr Recycling

Mehr Abfall, aber auch mehr Recycling

Die Technische Anleitung Siedlungsabfall (TASi) hat in Deutschland dazu beigetragen, Müll stärker als Rohstoff zu sehen. Sie reguliert streng – wo unumgänglich – auch die Voraussetzungen für die Deponierung. Bilder wie hier sind heute nicht mehr denkbar.

Aktuelle und konkrete Zahlen sind schwierig zu bekommen. Bezeichnenderweise hat das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit zusammen mit dem Statistischen Bundesamt auf seiner eigenen Webseite Statistiken zur Allgemeinen Abfallwirtschaft in Deutschland veröffentlicht, die zum Teil das Jahr 2010 abdecken, sich teilweise mit den Jahren 2002 bis 2008 befassen, in einigen Bereichen die Jahre 2000 bis 2008 darstellen und nur in der CO2-Bilanz von 1993 bis 2020 reichen. Bei den Verpackungsabfällen gibt es immerhin ein paar Statistiken bis in das Jahr 2014, beim Altpapier ist 2015 vertreten.

Sieht man die Statistiken komplett durch, ergibt sich immerhin ein Gesamtbild: Der Konsum steigt nach wie vor, aber es wird zunehmend recycelt. Die Wiederverwertung findet in immer effizienteren Verfahren statt und was nicht wiederverwertet werden kann, ist wirklich Abfall und wird als "Emissionen" gewertet.

Perspektiven sind im europäischen Kontext zu sehen

Abfallwirtschaft ist längst keine Ländersache mehr, sondern wird europäisch gedacht. Die Ziele sind klar: Alles soll nachhaltiger werden, die Ressourcen müssen geschont werden und eine hohe Wiederverwertungsrate wird angestrebt. Alles, was tatsächlich als Abfall gilt und deponiert oder verbrannt waren muss, geht in die CO2-Bilanz der Länder ein.

In Deutschland ist man bestrebt, die Vorgaben der EU zu erfüllen und tut das bislang auch vorbildlich. Unternehmen wie KAISER+KRAFT, welche selbst im nachhaltigen Kontext aktiv sind, bieten eine Reihe von Werkstoffsammlern an, die das Trennen des Mülls um ein Vielfaches erleichtern.

Es geht aber noch besser, denn auch wiederverwendbare Materialien sind nur in einem bestimmten Rahmen tatsächlich wiederverwendbar. Das ultimative Ziel kann also nicht Recycling sein, sondern muss in bewusstem Konsum liegen. Dass das wirtschaftlich problematisch wird, erklärt sich von selbst. Verzicht kommt nicht nur bei Konsumenten schlecht an, sondern auch bei Unternehmen und Dienstleistern.

Interessantes Projekt in Japan

Es ging bereits vor einiger Zeit durch die Medien: Kamikatsu, ein kleines Dorf in Japan, will es bis 2020 schaffen, komplett ohne Abfälle auszukommen. Alles, was nicht mehr benötigt wird, wird in irgendeiner Art und Weise wiederverwertet. Organische Stoffe werden kompostiert und mithilfe von Mikroorganismen extrem schnell in Erde umgewandelt. Glas, Papier und Kunststoffe werden sauber nach Art getrennt, Kleidung wird eingesammelt und nach Naturtextilien und Kunstfasern getrennt weiterverarbeitet.

Früher wurden die Abfälle schlicht verbrannt, was sich negativ auf die Umwelt auswirkte. Seit Beginn des Projekts konnte das Dorf sein Abfallvolumen bereits um 80 Prozent senken. Das Projekt funktioniert, weil alle Bewohner des Dorfes mitmachen und ihren Abfall tatsächlich nicht nur in 34 verschiedene Behälter sortieren, sondern auch (wieder) gelernt haben, Gegenstände zu tauschen und nachhaltig zu handeln.

Kein Kunststoff in Ruanda

Einen anderen Weg geht der afrikanische Staat Ruanda. Polyethylen-Plastik darf in Ruanda seit zehn Jahren nicht mehr produziert werden. Seitdem zählt die Hauptstadt Kigali zu den saubersten afrikanischen Städten – und die Menschen halten sich an das Verbot von Plastikfolien.

Nur in Ausnahmefällen dürfen für Bauvorhaben dicke Folien verwendet werden, Plastiktüten sind ganz verboten und wer in einem kleinen Betrieb Kunststofffolien benötigt, braucht eine Sonderlizenz und muss die Folien von einem Spezialunternehmen entsorgen lassen.

Wer gegen die Regelungen verstößt, zahlt ein Strafgeld, das in einen Fonds für den Umweltschutz fließt. Dieses Projekt funktioniert, weil der Staat die Regeln streng durchsetzt und finanzielle Anreize schafft, auf Nachhaltigkeit zu achten.

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  • Quelle: red | Foto: Computerschrott: INESby / INESby®CreamosValor, Foto Deponie: Rylarer / Pasi Mäenpää, beide pixabay und Lizenz CC0 Public Domain
  • Zuletzt geändert am 21.03.2017 - 17:14 Uhr
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