Zittauer Automotive Zulieferer insolvent - Sanierung gestartet

Chemnitz | Zittau, 11. Februar 2016. Die Kunze Gruppe, die neben Zittau zwei weitere Standorte in Sachsen betreibt, hat für ihre beiden Gesellschaften am 10. Februar 2016 Insolvenzanträge gestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter der Gebrüder Kunze GmbH bestellte das zuständige Amtsgericht Chemnitz gestern Rüdiger Wienberg. Vorläufiger Verwalter der Ibex Automotive GmbH wurde Kai Dellit. Beide Rechtsanwälte sind Partner bei der Kanzlei hww hermann wienberg wilhelm. Wienberg und Dellit planen, die Gruppe fortzuführen und zu sanieren.

Tagesgeschäft läuft uneingeschränkt weiter

Die vorläufigen Insolvenzverwalter machen sich derzeit ein umfassendes Bild über die Lage der Automobilzulieferer, um die Sanierungsmöglichkeiten der Gesellschaften prüfen zu können. Dazu werden sie unverzüglich Gespräche mit Gläubigern, Kunden und Lieferanten aufnehmen. Ein mögliches Sanierungsszenario ist die Durchführung eines Insolvenzplanverfahrens, also eine Art Vergleich mit den Gläubigern, unter Einwerbung eines Investors. In Betracht kommt auch der Verkauf der Unternehmen an einen Investor mittels eines Asset-Deals.

"Die Insolvenzantragstellung bleibt ohne Einfluss auf das Tagesgeschäft, der Geschäftsbetrieb läuft uneingeschränkt", erklären Wienberg und Dellit, "Wir produzieren und liefern weiter, die Mitarbeiter sind hoch motiviert." Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter beider Gesellschaften sind für drei Monate über das Insolvenzgeld durch die Bundesagentur für Arbeit gesichert. Es wurde bereits die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes über eine Bank initiiert, damit die Gehälter ohne Verzögerungen ausgezahlt werden können. Parallel wurde entschieden, die von der Kunze Gruppe schon vor Insolvenzantragstellung geführten Verhandlungen mit potentiellen Investoren zeitnah im Rahmen eines strukturierten Investorenprozesses fortzuführen.

Aktuell beschäftigt die Kunze Gruppe rund 400 Mitarbeiter, die die vorläufigen Insolvenzverwalter gemeinsam mit den Geschäftsführungen gestern und heute in Betriebsversammlungen an drei Standorten der Gruppe über die Situation informiert haben bzw. informieren werden.

Die Insolvenzantragstellung war notwendig geworden, weil zu hohe Schulden aufgrund intensiver Investitionstätigkeit in den letzten zehn Jahren die Unternehmen erdrückten und daraus die Zahlungsunfähigkeit drohte. Mehrmonatige, intensive vorinsolvenzliche Bemühungen, Kapitalgeber für die Kunze Gruppe zu finden, konnten nicht rechtzeitig abgeschlossen werden.

Die Kunze Gruppe fertigt an ihren drei sächsischen Standorten in Gelenau, Zittau und Schönbrunn sicherheitsrelevante Teile für die Automobilindustrie, die in Brems-, Fahrwerks- und Klimasystemen eingesetzt werden. Kunden sind Tier 1-Lieferanten der Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie. Technologisches Charakteristikum und herausragender Wettbewerbsvorteil ist die Kombination der Fertigungstechnologien Kaltfließpressen und Zerspanung.

Hintergrund über hww hermann wienberg wilhelm:
hww hermann wienberg wilhelm ist ein auf Rechtsberatung, Restrukturierung, Insolvenz- und Zwangsverwaltung spezialisierter Dienstleister. Mit rund 400 Mitarbeitern ist hww in 24 Städten in Deutschland vertreten und verfügt über ein eigenes internationales Netzwerk. hww Insolvenzverwalter waren bundesweit bereits in tausenden Insolvenzverfahren tätig. Beispielsweise verantworteten hww-Partner die Sanierung von börsennotierten Solar-Unternehmen wie Q.Cells, des Baukonzerns Holzmann, des Automobilherstellers Karmann, der Einzelhandelskette Woolworth Deutschland und des Onlinehändlers getgoods.

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  • Quelle: red
  • Zuletzt geändert am 11.02.2016 - 11:39 Uhr
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