Zurück nach Zittau! Wegen des "Jobs"?

Zurück nach Zittau! Wegen des "Jobs"?Zittau, 15. Dezember 2017. Mit Slogans wie "Kann ich dir meine Jobsammlung zeigen?" oder "Weihnachten schenken wir uns nur einen neuen Job" laden die Wirtschaftsförderer der Städte Zittau und Ebersbach-Neugersdorf gleich nach den Weihnachtsfeiertagen zum ersten Rückkehrertag ein.
Symbolfoto: Was ist ein "guter Job"? Die launigen Sprüche der Wirtschaftsförderer haben zu einem Kommentar angeregt, der auch auf den Begriff "Job" eingeht.

Kommentar zu "Jobs" und "Fachkräften"

Kommentar zu "Jobs" und "Fachkräften"

Viele Arbeitgeber erwarten pauschal "Teamfähigkeit", wissen aber nur unzureichend, was das ist und wo die Grenzen liegen.

Der Rückkehrertag soll in ungezwungener, außerdem noch weihnachtlicher Atmosphäre Gelegenheit zu Gesprächen bieten. Neben über 20 Unternehmen aus allen Branchen stehen Ansprechpartner der Städte parat und informieren zu Leben und Freizeit. Für alle, die es sich vorstellen können, der eigene Chef zu sein, beraten die Industrie- und Handelskammer und die Handwerkskammer zu Chancen und Möglichkeiten durch Unternehmensnachfolge. Beim Team von jobs-oberlausitz.de können sich die Besucher einen Überblick über das Stellenangebot in der Region verschaffen.

"Die Unternehmen in unserer Region bieten gute Jobs und Karrierechancen. Ist man erst eine Weile nicht mehr in der Heimat, weiß man darum häufig nicht", meint Gloria Heymann und begründet damit die Motivation zur Veranstaltung. Stefan Halang, ihr Kollege aus Ebersbach-Neugersdorf, ergänzt: "In der Weihnachtszeit sind viele zu Hause bei Ihren Familien. Die Chance wollen wir nutzen." Obwohl ehemalige Oberlausitzer besonders im Fokus stehen, freuen sich die Organisatoren natürlich auch über den Besuch von Einheimischen.

Die folgenden Unternehmen haben sich angemeldet:

  • Alexander Klar Montageservice e.K.
  • Altes Kurhaus Lückendorf
  • Arno Hentschel GmbH
  • Ärztenetz Ostsachsen
  • ATN Hölzel AG
  • ddv Mediengruppe / Sächsische Zeitung
  • Debeka
  • digades GmbH
  • EAB Elektroanlagenbau Neugersdorf GmbH
  • Federnfabrik Wilhelm Hesse GmbH
  • fit GmbH
  • Glaubitz Autodienst GmbH & Co. KG
  • Havlat Präzisionstechnik GmbH
  • Hochschule Zittau/Görlitz
  • Klinikum Oberlausitzer Bergland gGmbH
  • MBN Maschinenbaubetriebe Neugersdorf GmbH
  • MS PowerTec GmbH
  • OSTEGmbH
  • Sächsische Bildungsagentur Regionalstelle Bautzen
  • SOWAG mbH
  • St. Jakob Alten- und Pflegeheim GmbH
  • Stadtwerke Zittau GmbH
  • USE MY ENERGY GmbH
  • Volksbank Löbau Zittau eG

Hingehen!
Mittwoch, 27.Dezember 2017, von 10 bis 14 Uhr,
Gerhart Hauptmann-Theaters Zittau.
Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.

Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des von den Abgeordneten des sächsischen Landtages beschlossenen Haushaltes.



Kommentar:

Das Bemühen, die Unternehmen vor Ort mit qualifizierten Arbeitnehmern zu versorgen, in allen Ehren. Görlitz beispielsweise ist mit der Jobbörse zum Altstadtfest und dem Job-Speed-Dating auf diesem Gebiet schon seit Jahren aktiv, in Zittau wurde bereits im Jahr 2011 mit dieser Methode versucht, Arbeitnehmer aus Polen und Tschechien zu gewinnen.

Allerdings schließt ein "Rückkehrertag" wie der nun angekündigte, der sich nebenher auch an Einheimische wendet, ein Potenzial aus: Leute, die noch nie in der Oberlausitz gelebt haben, aber hierhier umziehen würden. Dafür sprechen vielerorts handfeste Rahmenbedingungen, von intakter Umwelt bis hin zu weitestgehend staufreiem Verkehr, günstige Mietwohnungen und Eigenheime, Kitaplätze und Schulen, in denen sich aufs Lehren und Lernen konzentriert werden kann, nicht zuletzt Ausbildungsplätze und eine reiche Kulturlandschaft. Ist Ostsachsen also das gelobte Land? Mitnichten, denn auf der anderen Seite stehen das geringe Lohnniveau (dem sich freilich auch nicht tarifgebundene Unternehmen anpassen, die durchaus besser zahlen könnten) und die Frage, wie das Willkommen von den Interessenten tatsächlich erlebt wird. Ich will mich hier gar nicht in den objektiven und subjektiven Widrigkeiten, die Zuzugsinteressierten entgegenschlagen, ergehen, nur soviel: Ein wenig mehr Wertschätzung für Bewerber und geschäftsmäßig-professionelle Umgangsformen wären mancherorts angebracht – auch wenn es viele positive Beispiele gibt.

Es gibt noch einen Punkt, der mich ärgert: Nicht nur der nachlässige Umgang mit jenen, die eine Anstellung suchen, sondern bereits der nachlässige Sprachgebrauch ihnen gegenüber. Dazu gehört die inflationäre Verwendung des Wortes Job: Vom Jobcenter (wo die Jobs jedoch nicht konzentriert sind) über Jobbörsen bis zum Job-Speed-Dating. Ein Job ist definiert als in aller Regel befristete, unqualifizierte Gelegenheitsarbeit, die man aufnimmt, um sich dadurch etwas Geld zu verdienen, etwa mit einem Ferienjob oder einem – denn eigentlich dafür sind diese gedacht – Minijob. Der eigene Anspruch an das Arbeitsleben und die berufliche Entwicklung treten dabei hinter das schnelle Geld(hinzu)verdienen zurück. Damit will man gute Arbeitnehmer anlocken? Dann wäre der Job (konkrete Arbeitsaufgabe) der Wirtschaftsförderer schlecht getan.

Ein weiteres Ärgernis ist die "Fachkräfte"-Suche. Hier wird der Mensch auf seine Arbeitskraft bzw. fachliche Kompetenz reduziert. "Du bist mir vielleicht eine Kraft!", ist ein ironischer Ausdruck – einer erwarteten Arbeitsmotivation und der Bereitstellung von Rahmenbedingungen, unter denen Mitarbeiter ihre Wirkung entfalten können, wird er aber nicht gerecht. Ein Fachmann, eine Fachfrau, Fachleute - da schwingt die Anerkennung von hoher Kompetenz mit, bei einer Fachkraft nicht.

An der Sprache erkennt man Grundeinstellungen,

meint Ihr Thomas Beier

Der Autor ist Freiberuflicher Unternehmenberater und arbeitet als Führungskräfte-, Organisations- und Strategieentwickler für Wirtschaftsunternehmen, Verwaltungen und Verbände.

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  • Zuletzt geändert am 14.12.2017 - 23:31 Uhr
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