Pflanzen vor Krankheiten, Schädlingen und Unkraut schützen

Pflanzen vor Krankheiten, Schädlingen und Unkraut schützenZittau, 24. November 2017. Die Bauern in der Oberlausitz haben es, trotz moderner Technisierung, nicht einfach: Zu unterschiedlich sind die Anbaubedingungen in der Muskauer Heide, im Hügel- und im Bergland, in der Neißeaue, im Zittauer Becken und im Zittauer Gebirge. Hier sind alle denkbaren Bodenarten vorzufinden, die Bodenpunktzahl bewegt sich zwischen 18 und 90. Doch egal, wo, für den ertragsstarken Pflanzenanbau müssen die Bauern Pflanzenkrankheiten und ihre Ursachen in den Griff bekommen.
Abbildung oben: Ustilago maydis de 1 (vom Maisbeulenbrand befallener Maiskolben), Foto: Kai Hirdes (eigenes Werk), aufgenommen 2006 auf einem Feld in Westfalen. Lizenz GFDL oder CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons.

Landwirte brauchen umfassendes Wissen für die integrierte Landwirtschaft

Landwirte brauchen umfassendes Wissen für die integrierte Landwirtschaft

Weitgehend abgeblühtes Rapsfeld in der Oberlausitz, aufgenommen Ende Mai.

Wer durch die Felder der Oberlausitz wandert oder die Region mit dem Fahrrad erkundet, erfreut sich immer wieder über die sorgfältig bestellten Ackerflächen. Wenn die Pflanzen heranwachsen, sei es der leuchtende Raps, die strahlenden Sonnenblumen, Getreide oder der kräftige Mais, dann bestimmen sie das Bild der Landschaft maßgeblich mit.

Doch wer weiß schon, wie viel Wissen und Aufwand die Landwirte einbringen müssen, damit sie gesunde Pflanzen ernten können? Wer sich näher mit Landwirtschaft beschäftigt, wird erkennen, dass sie spannende Berufsbilder bietet, in denen sich Wissenschaft, Erfahrung und Naturnähe verbinden. Das Schlüsselwort dazu heißt „integrierte Landwirtschaft“. Diese kombiniert, kurz gesagt, moderne Technologien mit traditionellen Verfahren, um möglichst situationsbezogen und ökologisch zu wirtschaften. Vor diesem Hintergrund werden biologische, technische und chemische Methoden sorgsam abgewogen. Das gilt auch beim Schutz von Pflanzen vor Krankheiten und Schädlingen.

Die häufigsten Krankheiten in Mais und Getreide

Allein für Getreide sind mehr als 30 maßgebliche Krankheiten bekannt. Von Mutterkorn und Mehltau hat so mancher sicherlich schon einmal gehört, aber Typhula-Fäule oder Ascochyte-Blattdürre, das klingt für den Laien doch eher exotisch. In vielen Fällen spielt verunreinigtes Saatgut eine Rolle, manche der Krankheiten sind windbürtig, und klimabedingter Stress macht die Pflanzen generell anfälliger.

Hier eine Übersicht bedeutsamer Pflanzenkrankheiten in der Landwirtschaft:

  • Gerstenkrankheiten:
    Gelbmosaikviren, Gelb- und Weizenverzwergungsviren, Halmbruchkrankheit, Mehltau, Schneeschimmel, Typhula-Fäule

  • Roggen- und Haferkrankheiten:
    Halmbruchkrankheit, Rhynchosporium-Blattfleckenkrankheit, Roggenbraunrost, Schneeschimmel

  • Weizenkrankheiten:
    Braunrost, DTR-Blattdürre, Gelbrost, Halmbruchkrankheit, Mehltau, Schneeschimmel, Schwarzbeinigkeit

  • Mais:
    Auflaufkrankheiten / Stängel- und Wurzelfäule, Blattfleckenkrankheiten (darunter die Augenfleckenkrankheit und die Blattdürre) und Hexenbesenkrankheit.

Keine Krankheit ist die Bestockung, bei der die Maispflanzen Seitentriebe ausbilden. Diese bilden sich meist zurück und haben kaum Auswirkungen auf den Ertrag. Wie die Bestockung, wird auch der Green Snap (Stängelbruch) durch Witterungseinflüsse auf das Wachstum begünstigt und kann am ehesten durch eine geeignete Sortenwahl beeinflusst werden.

Dennoch: Obgleich Maiskrankheiten und Bestockung zum Standardwissen des Landwirts gehören, erleichtert auch hier das Internet vieles, weil man sich sehr detailliert informieren kann.

Für Fachleute interessant sind die Ergebnisse, die ein Maisversuch im Rheintal im Jahr 2016 erbrachte. Im Feldversuch wurden an 22 Standorten unterschiedliche Maissorten angebaut und hinsichtlich Kornertrag wie auch Feuchte dokumentiert. Für Landwirte ist das eine enorme Hilfe, wenn es darum geht, das für ihre Anbaubedingungen optimale Saatgut auszuwählen.

Wurzel- und Stängelfäule – Risiko für Raps und Sonnenblumen

Die Wurzelfäule und die Stängelfäule gehören zu den großen Risiken auch beim Anbau von Raps und Sonnenblumen. Die Krankheit äußert sich unter anderem in wachsenden Flecken auf dem Laub und ab der Blütezeit unregelmäßig auftretenden, langgezogenen Flecken am Stängel. An der Wurzel und am Wurzelhals stirbt die Rinde ab. Typisch sind winzige schwarze Fruchtkörper an älteren Schadstellen.

Vermeiden lässt sich die Wurzel- und Stängelfäule vor allem, indem widerstandsfähige Sorten angebaut werden. Auch eine geregelte Fruchtfolge mit drei oder vier Jahren Abstand wird empfohlen. Hinzu kommen das gründliche Unterpflügen von Stroh- und Stoppelresten sowie die Beseitigung von Ausfallraps. Der Einsatz von Fungiziden macht nur dann Sinn, wenn eine anfällige Sorte stark befallen wurde; die Behandlung erfolgt dann im Herbst oder im Frühjahr.

Doch der auslösende Pilz Sclerotinia sclerotiorum befällt auch andere Kulturpflanzen wie Tomate und Gurke oder alle Kohlarten wie Weißkohl, Rotkohl, Brokkoli, Blumenkohl, Rosenkohl und Kohlrabi. Rettich, Radieschen sowie Schwarzer und Weißer Senf können ebenso Opfer dieser Fäule werden wie Sonnenblumen. An Sonnenblumen befällt der Pilz die Wurzel, den Stängel, die Blätter, die Knospe und den reifenden Korb. 

Befallene Sonnenblumensamen sind nicht für die Ernährung von Mensch und Tieren geeignet. Die Kopffäule verringert zudem den Ölgehalt und die Ölqualität deutlich – der wirtschaftliche Folgeschaden kann bis zum Totalausfall reichen.

Ernteeinbußen in drei Schritten vorbeugen: Unkraut-, Schädlings- und Krankheitsbekämpfung

Wer gegen die Wurzel- und Stängelfäule erfolgversprechend vorgehen will, muss deren Verbreitungswege kennen. Vereinfacht erklärt, befällt der Erreger Leptosphaeria maculans am Boden liegendes Stroh, wo er bis zu vier Jahre überdauern kann. Hier bildet er Schlauchpilze, die vom Wind über mehrere Kilometer verbreitet werden und Pflanzen befallen. Deren Infektion erfolgt über Spalten in den Pflanzen oder Wunden, die Insekten wie der Rapserdfloh oder der Stängelrüssler den Pflanzen zufügen.

Weil auch Unkräuter wie die Kamille, das Kletten-Labkraut oder das Acker-Hellerkraut von der Wurzel- und Stängelfäule befallen werden können und dann den Pilz verbreiten, kommt der Unkrautbeseitigung besondere Bedeutung zu.

Wichtige Hinweise zur
  • Unkrautbekämpfung,
  • Schädlingsbekämpfung und
  • Krankheitsbekämpfung
im Pflanzenbau enthält eine zum Download verfügbare Broschüre, die vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg in Karlsruhe herausgegeben wurde.

Hier finden sich außerdem Hinweise für die gute fachliche Praxis beim vorbeugenden und beim direkten Pflanzenschutz.

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  • Quelle: red | Foto Mais: Ustilago maydis de 1, Foto: Kai Hirdes (eigenes Werk), aufgenommen 2006 auf einem Feld in Westfalen. Lizenz GFDL oder CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons; Foto Rapsfeld: © ZIttauer Anzeiger
  • Zuletzt geändert am 24.11.2017 - 12:53 Uhr
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