Oberbürgermeister Thomas Zenker zur Mandaukaserne

Oberbürgermeister Thomas Zenker zur MandaukaserneZittau, 4. Dezember 2015. Mit einem offenen Brief hat der Zittauer Oberbürgermeister Thomas Zenker auf die wogende öffentliche Diskussion rund um den Erhalt oder Abriss der Mandaukaserne - ein seit vielen Jahren leerstehender Monumentalbau etwas abseits des Stadtkerns - reagiert. In klaren Worten erläutert er die Situation und die ganz aktuellen Handlungsoptionen. Der Zittauer Anzeiger gibt den Brief im Wortlauf wieder.
Abbildung: Auch das Zittauer Rathaus gehört zur beeindruckenden Baubustanz der Stadt.

Offener Brief des Zittauer Oberbürgermeisters

Zittau, 4. Dezember 2015

Liebe Zittauerinnen und Zittauer, sehr geehrte Damen und Herren,

die Diskussion um die Mandaukaserne in Zittau hat weite Kreise der Bevölkerung in Zittau aber auch weit darüber hinaus bewegt. Mich haben zahlreiche Schreiben erreicht. Ich habe sehr viele Gespräche mit Interessierten geführt. Offene Briefe wurden verfasst, selbst Journalisten, die nie in Zittau waren, haben das Thema aufgegriffen und sehr emotional weiterverbreitet. Aufgrund der großen Zahl der Meinungsäußerungen möchte ich ausnahmsweise nicht persönlich sondern öffentlich antworten.

Es gibt mir große Hoffnung für unsere Stadt, dass sich so viele Menschen hier engagieren. Die Mandaukaserne steht sehr lange Zeit leer, doch der Verlust des Gebäudes ist schon aufgrund der schieren Größe wirklich schwer vorstellbar. Wir haben in der Stadtverwaltung und auch mit vielen anderen Beteiligten sehr viele Optionen geprüft. Verschiedene Finanzierungs- und Nutzungskonzepte sind dabei gewesen. Dazu kamen Ideen buchstäblich aus allen Ecken der Republik. Nicht alle Argumente, die getauscht werden, sind stichhaltig, manche gar abwegig. Viele schöne Ideen schlicht nicht finanzierbar. Doch für uns alle ist die Mandaukaserne ein bedeutendes Gebäude in unserer Stadt und natürlich ist sie ein Baudenkmal.

Auch deshalb haben wir in sämtlichen Gremien des Zittauer Stadtrats intensive Beratungen geführt. Ich habe von Anfang an erläutert, dass der gefährdete Südturm und ein nötiger Eingriff nicht zwingend zum Abriss der Mandaukaserne führen muss, aber ein solches Vorgehen die einfachste Variante für den Haushalt der Stadt Zittau wäre. Natürlich dürfen wir nicht immer nur finanzielle Argumente als Begründung für unser Handeln anführen, bedenken Sie aber bitte, welche Folgen ein solch großes Bauvorhaben für alle anderen Aufgaben in unserer Stadt bedeuten würde. Auch die Frage der Nutzung ist völlig unklar – hier müssen wir genauso darauf achten, dass wir Leben und Aktivität in unserer Innenstadt brauchen. Sie ist der Kern unserer Stadtentwicklung, unser Pfund im Tourismus. Jede mögliche Nutzung der Mandaukaserne muss dazu ergänzend wirken und keine Potentiale abziehen.

Obwohl die Abrissförderung der Stadt beinahe sicher zugesagt ist, werde ich es zu keinem Schnellschuss kommen lassen. Wir haben mit dem Stadtrat im November entschieden, das Gebäude zu kaufen um handeln zu können. Natürlich mit dem Vorbehalt der Finanzierbarkeit der Maßnahme. Jetzt haben sich durch die große Aufmerksamkeit, für die ich Ihnen allen danke, und die konstruktive Zusammenarbeit mit der Landeskonservatorin Frau Prof. Dr. Rosemarie Pohlack nach langer Zeit einmal wieder viel versprechende Interessenten gefunden. Ich werde mit Ihnen natürlich Gespräche führen, aber auch das Konzept kritisch hinterfragen, denn es ist gerade nicht die Zeit für Experimente dieser finanziellen Größenordnung.

Aus diesen Gründen werde ich die Beschlussvorlagen zum Abriss der Mandaukaserne von der Tagesordnung der Dezembersitzung des Stadtrats nehmen. Ich wünsche Ihnen und uns allen eine gute Adventszeit. Lassen Sie uns konstruktiv bleiben.

Ihr Thomas Zenker


Kommentar:

So wünscht man sich Kommunalpolitik: die Argumente abwägend und entscheidungsfreudig - wobei entscheidungsfreudig auch im Fall des Dauerproblems Mandaukaserne nicht bedeutet, Entscheidungen im Eilverfahren auf Gedeih und Verderb "durchzudrücken". Aber Druck machen ist schon erlaubt, um Bewegung in stagnierende Prozesse zu bringen.

Leider tritt im Alltag nur zu allzu oft eine Sorte "Investoren" auf, deren Pläne einen einzigen Schwachpunkt haben: Ihnen selbst fehlt das nötige Kleingeld für die Umsetzung und wenn dieses nicht einmal anteilig da ist, wird sich auch niemand finden, der in so ein Vorhaben Geld stecken würde. Das sind Grundregeln des Investitionswesens: Je weniger Eigenkapital, um so riskanter wird das Vorhaben, außerdem: Wer kein Eigenkapital einsetzen kann oder will, der kann auch keine materielle Haftung für ein Projekt übernehmen - genau das aber wird von einem Investor erwartet und unterscheidet ihn von einem bloßen Ideengeber. An Ideen hingegen ist meist kein Mangel...

Drücken wir die Daumen, dass die neuen Interessenten zu Investoren werden, damit die Mandaukaserne wieder genutzt werden kann. Das wäre sicherlich das schönste Weihnachtsgeschenk für Zittau,

meint Ihr Thomas Beier

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  • Quelle: red | Kommentar: Thomas Beier | Foto: © Zittauer Anzeiger
  • Zuletzt geändert am 04.12.2015 - 17:07 Uhr
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