Theater Zittau: Alles auf Anfang

Theater Zittau: Alles auf AnfangZittau, 17. November 2014. Von Elke Fasler. Seit knapp drei Wochen ist der neu gewählte Zittauer Stadtrat in "Amt und Würden". Ein großer Berg Arbeit wartet auf die Volksvertreter, denn so manches Problem hat sich mittlerweile zum Brennpunkt entwickelt. Ein Thema, welches mittlerweile weit über ein Jahrzehnt kontinuierlich auf der Tagesordnung steht und auch zeitnah wieder stehen wird, ist die zukunftssichere Förderung des Zittauer Gerhart Hauptmann-Theaters. Trotz vieler Vorbehalte gegen die Fusion mit dem Görlitzer Theater wird heute deutlich, dass weder das Schauspielensemble noch das Musik- oder Tanztheater in Görlitz durch dieses Zweierbündnis Fans verloren haben oder die künstlerische Qualität gelitten hat. Im Gegenteil! Darüber hinaus hat von der starken Positionierung der Stadt Görlitz zu "Ihrem" Theater auch die Zittauer Bühne profitiert. Noch nie war die Lobby für die Theater so stark wie jetzt.

Wieviel Geld fließt an die Kulturräume?

Thema: Theater Görlitz-Zittau

Theater Görlitz-Zittau

Die Gerhart Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau GmbH (GHT) verfügt über feste Häuser in Görlitz und Zittau und bespielt die Waldbühne Jonsdorf. Als Vierspartenhaus vereint das GHT Musiktheater (Oper, Operette, Musical), Tanz, Schauspiel und die Konzerte der Neuen Lausitzer Philharmonie. Es ist ein wichtiger Teil Kulturraums Oberlausitz-Niederschlesien. Beliebt sind auch die Aufführungen an besonderen Spielstätten. Das Theater engagiert sich in der Theaterpädagogik für Kinder und Jugendliche sowie im interkulturellen Austausch mit Polen und Tschechien.

Erst vor kurzem teilte Bautzens Oberbürgermeister Christian Schramm voller Leidenschaft mit, dass mit der neuen sächsischen Staatsregierung verhandelt werden muss, den Kulturraumetat zu erhöhen. Denn bereits am 30. Juli 2014 hatte die damalige Staatsministerin für Kultur und Medien, Dr. Sabine von Schorlemer, mitgeteilt, dass die Kulturraumgelder um fünf Millionen Euro erhöht werden sollen. Die Gesamtsumme läge dann für die insgesamt acht Kulturräume bei 91,7 Millionen Euro. Es wäre der neuen Staatsministerin Dr. Eva-Maria Stange zu wünschen, dass diese Summe ihr nun tatsächlich zur Verfügung gestellt wird und nicht nur drei zusätzliche Millionen, wie aktuell gemunkelt.

Für die Zittauer Stadträte sollte das Engagement des Bautzener Oberbürgermeisters Ansporn sein, erneut darüber zu diskutieren, warum es notwendig ist, dass Zittau Mitgesellschafter an der Gerhart Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau GmbH wird. Dass im Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien, unter dessen Dach der Landkreis Görlitz und Bautzen vereint sind, noch drei so attraktive Theater wie das Deutsch-Sorbische Volkstheater und die Gerhart Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau GmbH existieren, verdanken wir dieser in Deutschland einzigartigen Solidargemeinschaft unter dem Namen "Sächsisches Kulturraumgesetz". Durch die Sparten Schauspiel, Musiktheater, Tanz und den binationalen Charakter des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters verfügen wir auf dichtestem Raum über künstlerische Alleinstellungsmerkmale, die - um mit den Worten des anerkannten Kulturpolitikers Bernd Neumann zu sprechen - "der Zukunftsmotor der Gesellschaft" sind. Wenn es nach Neumann gegangen wäre, dann hätten alle Theater längst den Titel der UNESCO als "Immaterielles Kulturerbe" verliehen bekommen.

Zittauer Stadtrat muss handeln

Der Zittauer Stadtrat hat alle Möglichkeiten, um die verfahrene Situation des Zittauer Gerhart Hauptmann-Theaters zu korrigieren. Ein guter Ansatz zur Ideenfindung wäre ein Treffen mit Vertretern aus allen drei Theatern und der Spitze des Kulturkonvents bis hin zum Direktor der Stiftung für das Sorbische Volk, Marko Sychy. In einem "Bündnis für Kunst und Kultur" Erfahrungen auszutauschen, um unter Berücksichtigung der Haushaltslage neue Lösungsmöglichkeiten zur Stabilisierung des Zittauer Theaters zu entwickeln, sollte das Ziel sein.

Das Zittauer und Görlitzer Theater hat sich unter dem Dach einer Gesellschaft zusammengeschlossen, das Sorbische Nationalensemble und das Deutsch-Sorbische-Volkstheater kooperieren eng miteinander. Birgit Weber, die den Landkreis Bautzen im Kulturkonvent vertritt, würde es begrüßen, wenn alle drei Theater eine gemeinsame Zeitung herausgeben. Eine gute Idee, um Gemeinsamkeit und Vielfalt noch mehr als bisher zu verdeutlichen. Vielleicht wird dadurch sogar etwas Geld eingespart?

Alles steht auf Anfang

Zittau hat zur finanziellen Unterstützung des Theaters eine Bürgerstiftung gegründet. Um noch mehr Bürger davon zu überzeugen, dass eine Spende gut angelegt ist, bedarf es des klaren Bekenntnisses des Zittauer Stadtrates für das weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Zittauer Theater. Unklare Entscheidungen zu unserem Stadttheater beschädigen letztlich nicht nur den Ruf, sondern auch den Wirtschaftsstandort Zittau.

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  • Quelle: red | Foto: © Zittauer Anzeiger
  • Zuletzt geändert am 17.11.2014 - 10:05 Uhr
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