Eine Vision für die Mandaukaserne und darüber hinaus

Eine Vision für die Mandaukaserne und darüber hinausZittau, 27. Oktober 2017. Elke Fasler aus Zittau hat dem Zittauer Anzeiger eine fiktive Geschichte zur Mandaukaserne, die allerdings, wie sie betont, auf nachprüfbaren Fakten basiert, zugeschickt. Sie meint: "Das Projekt hätte so ähnlich oder noch besser verlaufen können. Die Weichen dafür waren von vielen 'lieben' Lobbyisten" aus Dresden und Berlin gestellt." Ihrer Einschätzungnach wurde ein Projekt von Verantwortlichen der Landes- und Bundesebene noch nie so unterstützt, wie das der Mandaukaserne: "Noch nie war die Lobby für Zittau und die Stadtentwicklung so groß." Aber Elke fasler betont auch: "Es war offenbar unter anderem den ehrenamtlichen Denkmalschützern und zum Teil auch Stadträten nicht bewusst, dass das Programm 'Nationale Projekte des Städtebaus' kein reines Denkmalschutzprogramm ist, sondern der Stadtentwicklung dienen soll." So kommt sie zum vorläufigen Fazit: "Eine verfahrene Geschichte - schade für Oberbürgermeister Thomas Zenker, den Stadtrat, die vielen engagierten Unterstützer und Unterstützerinnen in den Ministerien, der Landesdenkmalpflege, der Expertenkommission, der Stiftung Deutscher Denkmalschutz, für Landtagsmitglied Dr. Stephan Meyer, Landtagsmitglieder der Grünen/Bündnis90 und und und... Zwei Jahre Engagement sind in den Sand gesetzt."

Mandaukaserne: Was wäre wenn… - eine fiktive Geschichte

Mandaukaserne: Was wäre wenn… - eine fiktive Geschichte

Die Mandaukaserne im Jahr 2017 mit in Privatinitiative saniertem Südturm.

Thema: Mandaukaserne

Mandaukaserne

Die burgartige Zittauer Mandaukaserne prägt das Stadtbild an der Peripherie der Innenstadt. 1869 fertiggestellt, wurde sie bis 1918 militärisch, anschließend vorwiegend zu Wohnzwecken genutzt. Seit 1997 steht der Bau leer.

Von Elke Fasler. Die Stadt Zittau gehörte mit der innovativen Projektskizze zu Nutzungsmöglichkeiten des renommierten Baudenkmals Mandaukaserne unter 90 eingereichten Anträgen aus ganz Deutschland zu den 24 förderwürdigen Maßnahmen mit Premiumcharakter. Die Jury unter Vorsitz des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesbauministerium, Florian Pronold, war hochkarätig besetzt. Ob ein zufälliges Gespräch mit dem Fachexperten der Jury, Prof. Dr. Jörg Haspel, Präsident des Deutschen Nationalkomitees ICOMOS, eine Beraterorganisation der UNESCO, Zittaus Oberbürgermeister und den Zittauer Stadtrat dazu bewogen haben, den Stadtratsbeschluss zugunsten der Förderung der Mandaukaserne zu korrigieren, das wissen nur die Entscheidungsträger, denn auch die internen Auseinandersetzungen mit den Bürgermeistern anderer Städte Sachsens, die sich ebenfalls um Fördermittel aus dem Bundesprogramm "Nationale Projekte des Städtebaus" mit herausragenden Konzeptionen beworben hatten und im Jahr 2017 nicht zu den Auserwählten zählten, dürften eventuell zu einem nochmaligen Stadtratsbeschluss beigetragen haben.

Allen verantwortlichen Politikern der Stadt Zittau war klar, dass rund 3,8 Millionen Euro Fördergelder vom Bund nicht ausreichen, um das innovative Nutzungskonzept in dem maroden, denkmalgeschütztem Gebäude umzusetzen. Die unzähligen Sondersitzungen der Stadträte und Beratungen der Ausschüsse bis tief in die Nacht haben sich ausgezahlt. Vertreter aus Politik, Kunst, Kultur, Wissenschaft und Kreativwirtschaft aus dem Dreiländereck Deutschland, Polen und Tschechien konnten als Partner für das "Projekt Mandaukaserne" gewonnen werden. Durch diese trinationale Zusammenarbeit war es möglich, zusätzlich Gelder aus Finanztöpfen der EU und vom Land zu bekommen, um das geplante Nutzungskonzept auf 10.000 Quadratmeter "Kasernenfläche" auf den Weg zu bringen.

Fachleute aus dem Baugewerbe aus dem Dreiländereck haben gezeigt, dass internationale Kooperation und ein kluges Management Premiumqualität ermöglichen. Dank hochmoderner Technologien in der Baubranche gelang den Architekten Historie und Moderne so in Einklang zu bringen, dass die notwendigen Eingriffe in die bestehende Bausubstanz auch die letzten Zweifler davon überzeugten, dass das Bewahren von Denkmalbau und Moderne sich nicht ausschließen. Der Anbau der Sport- und Eventhalle - eine Stahlkonstruktion, umrahmt von großen Glasflächen und dem Einsatz geschliffener Glasbausteine - erzeugt eine einzigartige Leichtigkeit und die faszinierenden Lichtreflexe der Glasfassade beleuchten bei Tag und Nacht das historische Gebäude wie ein großer Kristall.

Auch die am Ende des multifunktionalen Anbaus errichteten Türme, ähnlich denen des historischen Gebäudes, sind ein attraktives Alleinstellungsmerkmal des Gesamtkomplexes. Das auf den „Hallentürmen“ ein Restaurant und eine Dachterrasse eingeplant wurden und von diesen Orten durch eine Glasfläche auf dem Dach die Sportwettkämpfe und andere Veranstaltungen bequem verfolgt werden können, waren ein Grund für die Auszeichnung mit einem Architekturpreis. Durch den Einsatz alternativer Energien konnten die Betriebskosten erheblich gesenkt werden. Die unter Aufsicht der Denkmalschutzbehörde sanierte Außenfassade der restaurierten Mandaukaserne sorgt mit ihrer Größe und imposanten Architektur immer wieder für Bewunderung und Respekt vor dem Können der Erbauer aus dem Jahr 1868.

Noch sind nicht alle Räume bezugsfertig. Im Nordflügel, der bereits durch junge Unternehmer ausgebucht ist, befindet sich der Innenausbau in der Endphase. Das Sport- und Wellness-Hotel ist bereits in Betrieb. Zittau hat sich als "Europäische Sportstadt" längst einen Namen gemacht und ist Austragungsort zahlreicher nationaler und internationaler Wettkämpfe. Durch die neue und hochmoderne Dreifeldsporthalle ist auch die Resonanz zur Bewerbung um den Titel "Europäische Region des Sports" bisher erfreulich positiv. Darüber hinaus hat die über das Internet einsehbare "Schau-Baustelle-Mandaukaserne" zahlreich Touristen zu einer Reise nach Zittau animiert. Die Befürchtung anderer Hotelbetreiber, dass mit dem Sporthotel ein Konkurrenzobjekt entsteht, ist nicht eingetroffen, im Gegenteil: Auch die umliegenden Gemeinden profitieren von dem Ansturm der Besucher.

Aktuell wird die neue Dreifeldsport- und Mehrzweckhalle zum Kongresszentrum umgebaut. Alle Mitwirkenden an der Bewerbung um den Titel "Kulturhauptstadt Europas" treffen sich in Zittau zu einer Zwischenbilanz. Erwartet werden dazu Mitglieder der Bundes- und Landesregierung und der Europäischen Kommission. Anfragen zu diesem Kongress kamen auch aus den Stadtverwaltungen von Hannover und Nürnberg. Beide Städte erhielten ebenso wie Zittau Fördergelder aus dem Fond "Nationale Projekte des Städtebaus" und auch sie wollen 2025 "Kulturhauptstadt Europas" werden. Stargast der Veranstaltung dürfte der Bundespräsident sein. Der Hubschrauberlandeplatz nahe der Mandaukaserne macht derart hochrangige Besuche nun optimal möglich. Der Bundespräsident wird vor Beginn seiner Rede das Migrationsforschungszentrum mit Sitz im Nordflügel einweihen. Die dort tätigen Wissenschaftler aus Deutschland, Polen, Tschechien und Frankreich werden ihr geplantes Forschungsprojekt vorstellen. Rechtzeitig zu diesem Anlass wird im Erdgeschoss die erste internationale Ausstellung zum Thema "Leben im Dreiländereck" eröffnet. Der Museumsverbund aller drei Länder hat Höchstleistungen verbracht, um die aus der ganzen Welt eingegangenen Exponate unter dem bestehenden Zeitdruck für die Präsentation zusammen zu stellen.

Die historische Mandaukaserne - nun unter dem neuen Namen "Forum Dreiländereck" - bündelt die Vielfalt der Stadt und Region in einem Kompetenzzentrum für Wissenschaft, Kunst, Kultur, Sport und privatem Unternehmergeist. Die Nutzungsidee des renommierten Büros "Petschow und Thiel" aus Dresden wurde erfolgreich in die Praxis umgesetzt. Die Projektentwickler wurden für ihr nachhaltiges Konzept mit dem Innovationspreis ausgezeichnet. Dieser einzigartige Mix unterschiedlichster Bereiche unter einem Dach war der Impuls, um u. a. die Abwanderung zu stoppen. Die Zukunftsforscher und Stadtentwickler liegen richtig. Im Zeitalter der Digitalisierung ist es für den Erfolg unwichtig, ob ich in einer Großstadt oder der "Provinz" arbeite. Perspektivisch wird es in den Kleinstädten boomen. Wichtig für Fortschritt, Entwicklung und kreative Entfaltung sind die Infrastruktur und die Lebensqualität. Die bekannte Landeskonservatorin des Freistaates Sachsen und langjähriges Mitglied der Expertenkommission des Bundesbauministeriums, Prof. Dr. Pohlack, ohne deren Unterstützung es das revolutionäre Projekt "Mandaukaserne" nicht gegeben hätte, wurde für ihren Fachberatung und das große Engagement mit dem Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Zittau geehrt.

Ich weiß nicht wie und warum es zum Kauf der Mandaukaserne durch den leidenschaftlichen Denkmalschützer Thomas Göttsberger kam. Seinem Weitblick und dank der Unterstützung vieler Mitstreiter blieb der Mandaukaserne der Abriss erspart. Es ist gut so, dass er gemeinsam mit der Stadt noch eine Alternative für die Besitzverhältnisse gefunden hat, mit denen auch die Stadt Zittau finanziell auf der sicheren Seite ist.

Die Stadt Zittau hat sich noch rechtzeitig dafür entschieden, die Anschubfinanzierung aus dem Topf "Nationale Projekte des Städtebaus" zu nutzen. Es ging neben allen Abwägungen des Für und Wider auch um Glaubwürdigkeit der Politik. Wer sich zutraut, ein Projekt von nationaler Bedeutung in Angriff zu nehmen, der hat auch gute Chancen, um die Voraussetzungen als "Kulturhauptstadt Europas 2025" umsetzen zu können.

Löbau, die Stadt mit dem berühmten Gusseisernen Turm, hat sich längst über die Grenzen Sachsens einen Namen als Messestadt und Veranstaltungsort für Sternchen und Stars aus der Musik- und Unterhaltungsbranche gemacht. Görlitz ist international begehrte Filmstadt und ein Zentrum für den Austausch Filmschaffender und Künstler unterschiedlichster Bereiche sowie Austragungsort von UNESCO-Konferenzen. Die Stadthalle ist ein Magnet für herausragende Konzerte und Veranstaltungen vielfältigster Art.

Die Citymanager im Landkreis Görlitz werden noch enger zusammen arbeiten müssen, um die Kräfte dieser Region zu bündeln.

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  • Quelle: Elke Fasler | Fotos: © Zittauer Anzeiger
  • Zuletzt geändert am 27.10.2017 - 08:55 Uhr
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