Mandaukaserne: Abriss ist der leichteste Weg…

Mandaukaserne: Abriss ist der leichteste Weg…Zittau, 13. November 2015. Von Elke Fasler. Zittaus Oberbürgermeister Thomas Zenker stellte wiederholt unter Beweis, wie ernst ihm Bürgerbeteiligung im Vorfeld von politischen Entscheidungen ist. Am 10. November 2015 fand eine Diskussionsveranstaltung zum aktuellen Zustand und dem weiteren Umgang mit der denkmalgeschützten "Mandaukaserne" statt. Der Stadtrat hatte erst vor wenigen Tagen beschlossen, das vom Verfall bedrohte Gebäude dem Privatbesitzer abzukaufen.
Abbildung: Signal auf Grün oder auf Rot für den Abriss der Mandaukaserne? Hier scheint die Zeit eine unangenehme Entscheidung zu erzwingen. Der Mut, das Problem endlich anzugehen, verdient in jedem Falle Respekt.

Kommt keine Nutzung, entscheiden die Kosten

Thema: Mandaukaserne

Mandaukaserne

Die burgartige Zittauer Mandaukaserne prägt das Stadtbild an der Peripherie der Innenstadt. 1869 fertiggestellt, wurde sie bis 1918 militärisch, anschließend vorwiegend zu Wohnzwecken genutzt. Seit 1997 steht der Bau leer.

Bereits seit vielen Monaten investiert die Stadt Geld in das historische Gebäude. Um die Bürger vor dem möglichen Absturz lockerer Bauteile zu schützen, wurde ein Bauzaun aufgestellt. Ein Statiker erhielt den Auftrag für ein Gutachten um zu ermitteln, wie standfest der einzigartige Monumentalbau gegenwärtig ist. Das Ergebnis: Ca. 150.000 Euro wären für Sofortmaßnahmen notwendig, um an dem denkmalgeschützten Gebäude Notsicherungsmaßnahmen durchzuführen.

Insgesamt betragen die Sanierungskosten ca. 22 Millionen Euro. Eine enorme Summe, die neben Eigenmitteln der Stadt nur über Fördergelder zu stemmen ist. Für die Mandaukaserne würde in den nächsten Jahren sehr viel Geld beansprucht, welches in anderen Bereichen eingespart werden müsste. In die Warteschleife müssten zum Beispiel Sanierungsmaßnahmen von Schulen und Kitas. Notwendige Gelder für die Erhaltung von Denkmalbauten in der historischen Innenstadt müssten zu Gunsten der Mandaukaserne umgewidmet werden.

Diesen Ausführungen folgte eine Videopräsentation über Möglichkeiten der kostengünstigsten Variante zum Erhalt des Baudenkmals. Das Gebäude nur mit einem Turm - völlig ohne Türme - Rückbau bis auf drei Etagen und letztlich eine Brache nach dem völligen Abriss. "Abriss ist der leichteste Weg, aber nicht der sinnvollste“, so die Feststellung einer jungen Frau, die neben mir saß und die ebenso gespannt wie die über 100 interessierten Bürgerinnen und Bürger den Ausführungen von Zittaus Oberbürgermeisters zugehört hatte.

Vielleicht lag es an der detaillierten Offenlegung der Fakten und daran, dass Zittaus Oberbürgermeister ohne die bei Politikern oft übliche Schönfärberei allen Anwesenden mitteilte, dass er in Anbetracht der Gesamtsituation in Zittau leider den Abriss des Baudenkmals favorisiert. "Es muss eine Nutzung für die Mandaukaserne geben, die Zittau etwas bringt und nicht Zittau etwas nimmt!“, so der Zwischenruf von Oberbürgermeister Zenker in Anbetracht der schwierigen Finanzlage der Stadt.

Ehrlichkeit in der Politik schafft Vertrauen und macht Mut zur Mitsprache

Trotz oder gerade wegen der geradlinigen Aufklärung durch den Oberbürgermeister, die Chefin der Stadtentwicklungsgesellschaft Birgit Kaiser und den Bauamtsdezernenten Ralph Höhne verlief die anschließende Diskussion überaus sachlich und lösungsorientiert.

So wurde u. a. im Bürgerdialog neben den bereits bekannten Nutzungskonzepten der Vorschlag gemacht, dass in einem Teil der Mandaukaserne die "Sportstadt Zittau" eine dringend benötigte Sporthalle bauen könnte. Eine Zittauerin erzählte von ihrer Initiative, gemeinsam mit Bündnispartnern die Vorraussetzungen für ein Haus der Kunst inkl. Seminarräumen zu organisieren und Spendengelder einzuwerben. Selbst für den Vergleich mit dem Louvre in Paris wurde die Buchautorin nicht verlacht, sondern die Idee der Frau bekam begeisterten Applaus.

Wer nun meint, dass die Zittauer Bürger den Sinn für Realität verloren haben, der täuscht sich. Mit großer Sachkenntnis über die Leistungsfähigkeit ihrer Stadt schilderten sie, warum ein herausragendes Alleinstellungsmerkmal wie die Mandaukaserne für die Gesamtentwicklung der Stadt Zittau wichtig ist. Ein Baufachmann aus Oybin forderte die anwesenden Politiker auf, sich dafür einzusetzen, dass die aktuellen Stadtentwicklungsprogramme auf den Prüfstand kommen und der Erhalt von Häusern wieder Priorität haben muss anstatt des gegenwärtig geförderten Abrisses.

Die vielen Ideen und das Angebot auf Unterstützung durch die Bürger sollten dem Oberbürgermeister und den Stadträten Mut machen, gemeinsam mit den Verantwortlichen des Freistaates Sachsen Möglichkeiten zu finden, um den Abriss der Mandaukaserne zu stoppen.

Wenn keine Lösung gefunden wird, so ist noch im November der Rückbau des Südturms bis zur ersten Etage geplant. Und: Zwei Millionen Euro Fördergelder stehen lt. Aussage bereits für den kompletten Abriss zur Verfügung.

Der Oberbürgermeister und die Stadträte sollten nach dieser hoffnungsvollen Veranstaltung alle Möglichkeiten ausschöpfen, um nicht im Schnellverfahren über das Schicksal der Mandaukaserne zu entscheiden. Es geht um weitaus mehr als ein abgerissenes Baudenkmal: Es geht um das Vertrauen in die Politik und die Zukunft der Stadt Zittau.

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  • Quelle: Elke Fasler | Foto: © Zittauer Anzeiger
  • Zuletzt geändert am 13.11.2015 - 14:23 Uhr
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